Tod dem Helfer von Kilian Kleinschmidt

„Ich möchte erzählen, wie es angefangen hat. Wie der Horror in mein Leben kam, die Geister, die Toten und warum ich ihnen die Tür immer wieder weit aufgemacht, sie willkommen geheißen habe, wie alte Bekannte.“ (Seite 9)

Ich habe die Angewohnheit, kurz vor dem Schlafen noch die erste Seite eines neuen Buches anzulesen. Eines Nachts habe ich genau dies mit Tod dem Helfer vorgehabt, aber eine Stunde später – es war bereits 1:30 – war ich immer noch wach, das Büchlein ausgelesen und ich so aufgewühlt, dass ich nicht schlafen konnte.

Kilian Kleinschmidt, der mir schon durch sein großartiges Buch Beyond Survival ein Begriff war, hat mich von der ersten Seite an beeindruckt. Mit seiner gnadenlosen Ehrlichkeit, mit der er von seinem emotionalen Erleben spricht, entblößt sich der Autor regelrecht vor dem Leser, macht sich dadurch angreifbar und verwundbar. Tod dem Helfer von Kilian Kleinschmidt weiterlesen

Afrika-Monatsthema (Länder M bis Z) im Juni 2019

Satellitenbild der NASA. Quelle: Wikipedia

Weil ich schon seit meiner Kindheit von Afrika fasziniert bin, habe ich bereits im April 2019 ein Afrika-Monatsthema gemacht, bei dem ich je ein Buch für jedes afrikanische Land von A bis L vorgestellt habe. Hier geht’s zum Eingangspost des Afrika-Themas im April 2019. Afrika-Monatsthema (Länder M bis Z) im Juni 2019 weiterlesen

Belletristik, Reisebücher und Sachbücher aus und über Spanien

In diesem Post liste ich Belletristik, Sachbücher und Reiseberichte aus und über Spanien auf.

Meine Liste ist alles andere als vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe. Belletristik, Reisebücher und Sachbücher aus und über Spanien weiterlesen

Berta Isla von Javier Marías

„Auch das würde ich nie erfahren, über nichts würde ich je etwas erfahren, weder wo er gewesen war, noch was er getan hatte, und ich fing an, mich damit abzufinden, dass es immer so sein würde, wenn ich mit ihm zusammenblieb. Aber ich hatte keinen anderen Plan im Leben, als mit ihm zusammenzubleiben […].“ (Seite 274)

Tomás Nevison – halb Spanier, halb Engländer – ist ein Sprachtalent, und so geht er nach der Schulzeit in Madrid zum Studium nach Oxford. Seine Freundin Berta Isla bleibt in Madrid, und nach Tomás‘ Rückkehr nach Madrid heiraten die beiden und bekommen zwei gemeinsame Kinder. Doch seit seiner Oxford-Zeit hat sich Tomás verändert, ist noch undurchschaubarer und geheimnisvoller als zuvor.

Was Berta nicht weiß, ist, dass Tomás in Oxford von seinem Professor Peter Wheeler für eine Geheimdiensttätigkeit angeworben wurde. Zwar hat Tomás anfangs abgelehnt, aber als seine Affäre Janet kurz nach seinem Besuch bei ihr ermordet wurde und Tomás unter Tatverdacht gerät, helfen ihm Wheeler und dessen Bekannte aus der Klemme, und so beginnt Tomás‘ Doppelleben, in dem er immer wieder auf Reisen geht, längere Zeit aus Madrid verschwindet, Berta und seine Kinder in Unwissenheit und Ungewissheit zurücklässt, ein Leben im Geheimen und mit unterschiedlichen Identitäten führt. Berta Isla von Javier Marías weiterlesen

Don Quixote von Miguel de Cervantes und Rob Davis (Graphic Novel)

„Ich sag dir was, dieses Zweite Buch von Don Quixote ist längst nicht so gut wie das Erste.“ (Seite 263)

In einem Ort in La Mancha lebte einst ein Edelmann, der all sein Geld in Bücher über das Rittertum investierte, sich schließlich in den Geschichten verliert und die kuriose Idee entwickelt, selbst ein fahrender Ritter werden zu wollen.

In einer halb verfallenen Rüstung und auf dem klapprigen Gaul Rosinante macht sich Don Quixote, wie er sich nun nennt, auf zu seinem ersten Abenteuer. Mit von der Partie ist sein Knappe Sancho Pansa, und zu Hause wartet die holde Dame Dulcinea del Toboso auf die Rückkehr ihres Ritters (die im echten Leben ein Bauernmädchen ist und kein bisschen auf den Don wartet). Don Quixote von Miguel de Cervantes und Rob Davis (Graphic Novel) weiterlesen

Eine Frage der Haltung. Psychosen verstehen und psychotherapeutisch behandeln von Thomas Bock und Gerhard Dieter Ruf

„Psychotische Menschen sind jahrzehntelang explizit von der Psychotherapie ausgeschlossen worden. Sie sei bei ihnen „kontraindiziert“, so die einhellige Fachmeinung, der nur selten widersprochen wurde. […]

In der Tat stellte sich die Frage, ob die Therapie nach dem klassischen Muster für psychotische Menschen besonders hilfreich war. […] Nach der heutigen Ausdifferenzierung der therapeutischen Ansätze und Verfahren lässt sich nun längst konstatieren, dass auch psychotische Menschen sehr von Psychotherapie profitieren können. Dennoch herrscht bei Therapeutinnen und Therapeuten immer noch eine große Zurückhaltung vor. Warum eigentlich?“ (Seite 7)

Eine Frage der Haltung beinhaltet ein Gespräch zwischen Thomas Bock (Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychiatrie, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter der Psychoseambulanz am Hamburger UKE) und Gerhard Dieter Ruf (Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, systemischer Therapeut) mit dem Lektor, Redakteur und Autor Uwe Britten.

Diskutiert wurde dabei u.a. über Wahrnehmung und Affekte, Über- und Unterforderung, Halluzinationen und Wahn, Genetik und Hirnforschung, Stigmatisierung und Stigmaresistenz, Peerarbeit und EXperienced-INvolvement, Krankheit und Gesundheit, Missbrauch und Familiensituation, Psychotherapieschulen und Dachverband Deutschsprachiger Psychosen-Psychotherapie, Funktion und Dysfunktionalität der Psychose, Medikamente und Zwangsbehandlung, Soteria und Supported Employment. Eine Frage der Haltung. Psychosen verstehen und psychotherapeutisch behandeln von Thomas Bock und Gerhard Dieter Ruf weiterlesen

Ein Jahr in Madrid. Reise in den Alltag von Anne Grüttner

„De Madrid al cielo, y un agujerito para verlo.“ (Seite 189)

Anne Grüttner hat ein paar Jahre in Südamerika gelebt, doch nun zieht es sie wieder nach Europa. Zusammen mit ihrem Mann entscheidet sie sich für ein Leben in Madrid, wo sie erst einmal für ein Jahr wohnen möchten.

Architektur in Infrarot, Madrid (2016)
Palacio Real in Infrarot, Madrid (2016)
Palacio Real, Infrarot, Madrid (2016)
Säulen, Infrarot, Madrid (2016)

In Ein Jahr in Madrid erzählt Grüttner von Alcobendas und La Moraleja, Steuernummer NIE und Portero, Puerta del Sol und Plaza Mayor, Conjuntada und Nagelstudios, Prado und Palacio Real, El Escorial und Valle de los Caídos, Francisco Franco und Juan Carlos, Urbanización und Pueblo, Schweineschnauze und Eintopf, Mittagspause und ARHOE, Katalonien und Nationalismus, Gesundheitszentrum und Fehltagen, Silvester und Reyes Magos, Fluchen und Germanofobia, Verboten und Bußgeldern, Tapas und Parque del Retiro, Matanza und Stierkampf.

Palacio de Cibeles, Infrarot, Madrid (2016)
Palacio de Cibeles, Infrarot, Madrid (2016)

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Eine andere Art von Wahnsinn von Stephen P. Hinshaw

„Menschen, die sich erinnern, beschwören den Wahnsinn durch Schmerz herauf, durch den Schmerz über den ständig wiederkehrenden Tod ihrer Unschuld; Menschen, die vergessen, beschwören eine andere Art von Wahnsinn herauf, den Wahnsinn, der durch Schmerzverleugnung und Hass auf die Unschuld entsteht, und die Welt ist vorwiegend bevölkert mit Wahnsinnigen, die sich erinnern, und mit Wahnsinnigen, die vergessen.“ (Seite 7f, Zitat von James Baldwin)

Wenn sich Stephen P. Hinshaw an seine Kindheit erinnert, sind das oft wochen- oder gar monatelange Verschwinden seines Vaters Virgil Jr. Hinshaw, das Schweigen über die Gründe hierfür und die Sorge des Sohnes, sein Vater könnte niemals wieder nach Hause zurückkehren, zentrale Themen, die sein Leben stark geprägt haben.

Als Stephen P. Hinshaw erwachsen ist, öffnet sich sein Vater ihm gegenüber plötzlich und erzählt in diesem ersten Gespräch und in vielen weiteren Unterhaltungen in den folgenden 24 Jahren von seiner psychischen Erkrankung, die er seinen Kindern und dem größten Teil seines sozialen Umfelds so lange verschwiegen hat. Er berichtet von einer ersten psychotischen Episode im Alter von 16 Jahren und zahlreichen weiteren Episoden, seinen Aufenthalten in psychiatrischen Anstalten, Fixierung und inhaltsleeren Stunden, Tabuisierung und Scham, Elektrokonvulsionstherapie und Insulinschocktherapie, Barbituraten und Antipsychotika, Gewalt und Machtlosigkeit, Schweigen und Leugnen, Isolation und Ausgrenzung. Eine andere Art von Wahnsinn von Stephen P. Hinshaw weiterlesen

Wie ein Stein im Geröll von Maria Barbal

Die Ich-Erzählerin Conxa wird im Alter von 13 Jahren zu ihrer Tante in ein benachbartes Dorf geschickt, da es dort genug Arbeit und auch genug zu essen gibt. Conxa muss damit alles Bekannte zurücklassen und fernab ihrer Eltern und Geschwister leben. Sie baut sich schließlich ein neues Leben in Pallarès auf und lernt die Liebe ihres Lebens – Jaume – kennen. Wie ein Stein im Geröll von Maria Barbal weiterlesen

Die Gesellschaft der unfreiwilligen Träumer von José Eduardo Agualusa

„Der Krieg dauerte einfach zu lang. Irgendwann hörten wir auf, noch zu wissen, warum wir uns töteten. Wir töteten nur noch aus Gewohnheit.“ (Seite 61)

Der angolanische Journalist Daniel Benchimol war schon mehrmals im Hotel Arco-Íris, und auch nach seiner Scheidung von seiner Frau Lucrétia zieht er sich hierhin zurück, mietet sich einen Bungalow, schwimmt im Meer.

Immer wieder träumt Daniel von einer Frau „mit Haaren wie Zuckerwatte“, und beim Schwimmen im Meer findet er eines Tages eine Kamera im Wasser, auf der Bilder ebendieser Frau sind.

Es handelt sich um die Künstlerin Moira Fernandes, die mit einer Reihe von fotografischen Inszenierungen ihrer eigenen Träume bekannt geworden ist. Daniel sucht Moira auf, und die beiden lernen sich kennen und lieben.

Neben dieser Geschichte erzählt José Eduardo Agualusa, dessen Roman Eine allgemeine Theorie des Vergessens ich ganz wunderbar fand, von weiteren Personen, die sich mit Träumen beschäftigen und deren Leben von der Geschichte Angolas stark geprägt wurden. Die Gesellschaft der unfreiwilligen Träumer von José Eduardo Agualusa weiterlesen