Archiv der Kategorie: Flucht und Migration

Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami

„Von wegen Erfolg verdirbt die Menschen. Erfolg verdirbt niemanden. Er bringt nur das zum Vorschein, was zuvor verborgen blieb.“ (Seite 26f)

Said Mardini flieht aus seiner Heimat Damaskus, kommt 1971 über Beirut nach Frankfurt, reist von da aus weiter nach Heidelberg, hat eine Zulassung für die Universität Heidelberg bekommen.

Erzählt wird initial von seiner ersten Zeit in Deutschland, vom Publizieren auf Arabisch, vom Übersetzen und von seiner Freundschaft mit dem Arzt Klaus, den er bisweilen unterstützt, wenn dieser Arabisch sprechende Menschen behandelt.

Said und Klaus verlieren sich aus den Augen, doch dann meldet sich Klaus nach 31 Jahren überraschend bei Said, weil ein schwerkranker Patient von ihm – Nadim – Said gerne seine Lebensgeschichte erzählen will, in der Frauen eine ganz besondere und wichtige Rolle gespielt haben, und sich wünscht, dass Said diese aufschreibt und veröffentlicht.

„Ich bin ein Mann, der ganz und gar von den Frauen geprägt wurde. […] Was ich denke, wie ich handle, was ich dabei fühle – all das und noch mehr haben die Frauen mir geschenkt.“ (Seite 39f)

Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami weiterlesen

Der Buchhändler von Gaza von Rachid Benzine

„Dieser Roman bezieht sich auf Realitäten, wie sie in Gaza-Stadt vor dem 7. Oktober 2023 vorherrschten. Zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung ist Gaza-Stadt größtenteils zerstört, die Bevölkerung traumatisiert, vertrieben oder tot.“ (Seite 5)

Gaza-Stadt im Jahre 2014: Der Fotojournalist Julien Desmanges durchstreift die Gassen der Stadt und trifft auf den Buchhändler Nabil Al Jaber. Julien möchte den Mann fotografieren, doch dieser willigt nur unter der Bedingung ein, dass er dem Fotojournalisten die Geschichte seines Lebens und seiner Heimat erzählt.

Nabil berichtet von der Nakba, vom Aufwachsen im Lager Aqabat Jaber, vom Leben im Lager von Dschabaliya, vom Sechstagekrieg, vom Studium in Kairo, vom Leben in Gaza-Stadt, von Heirat und Kindern, von der ersten und zweiten Intifada, von Gefängnis und Freilassung. Er berichtet auch von der Macht und von der Schönheit von Literatur sowie von der Palästinensischen Autonomiebehörde und dem Einfluss der Hamas.

Der Buchhändler von Gaza von Rachid Benzine weiterlesen

In die andere Richtung jetzt. Eine Reise durch Ostafrika von Navid Kermani (Hörbuch)

„Der Kolonisator verwandelt sich selbst in ein Tier, wenn er sich, um ein gutes Gewissen zu haben, daran gewöhnt, im Anderen das Tier zu sehen, und sich darin übt, ihn als Tier zu behandeln.“ (Track 3, Zitat von Aimé Césaire)

Navid Kermani hat verschiedene Länder Ostafrikas bereist und berichtet von historischen, politischen und kulturellen Aspekten Madagaskars, der Komoren, Mosambiks, Tansanias, Kenias und des Sudans. Dabei bettet er Aktuelles geschickt in Vergangenes ein, erzählt von historisch prägenden Ereignissen und von den Auswirkungen des Kolonialismus auf den afrikanischen Kontinent.

Kermani thematisiert in In die andere Richtung jetzt Kolonialismus und Bodenschätze, Klimawandel und Hungersnöte, Krieg und Gewalt, Musik und Gemeinschaft, Tradition und Moderne, Konsum und Ausbeutung, Entwicklungshilfe und den Schaden, den die westliche Welt verursacht hat und weiterhin verursacht.

In die andere Richtung jetzt. Eine Reise durch Ostafrika von Navid Kermani (Hörbuch) weiterlesen

Auf Erden sind wir kurz grandios von Ocean Vuong (Hörbuch)

„Das Angebot von Zärtlichkeit fühlt sich manchmal schon wie der bloße Beweis dafür an, dass man zerstört wurde.“ (Track 75)

Der Ich-Erzähler Little Dog schreibt einen Brief an seine Mutter, die Analphabetin ist und kaum Englisch spricht, den Brief also nie lesen kann.

Little Dog erzählt von seiner Kindheit als Sohn vietnamesischer Einwanderer in den USA, berichtet von seiner Mutter Rose, die in einem Nagelstudio arbeitet, von ihrer schwierigen Vergangenheit in Vietnam und ihrer komplexen Persönlichkeit.

Auf Erden sind wir kurz grandios von Ocean Vuong (Hörbuch) weiterlesen

Als wir Schwäne waren von Behzad Karim Khani

„Es ist die Begegnung eines Menschen, der ein Land hinter sich gelassen hat, in dem es für ihn kein Weiter gab, mit einem Menschen aus einem Land, in dem es ein Weiter gibt, dem sich dieser aber verweigert.“ (Seite 19)

Reza verlässt zusammen mit seinen Eltern den Iran und lebt fortan in einer Plattenbauwohnung in Bochum. Die Gegend ist ein Problemviertel mit Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Diskriminierung, und die neue Heimat fühlt sich so gar nicht nach Heimat an:

Als wir Schwäne waren von Behzad Karim Khani weiterlesen

Ich komme nicht zurück von Rasha Khayat

„Ich erinnere mich, dich vergessen zu haben.“ (Seite 19)

Deutschland mitten in der Corona-Pandemie: Johanna ist einsam, und seit Wochen sieht sie an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeiten eine Frau mit kurzen, dunklen Haaren, die wie ihre langjährige Freundin Zeyna aussieht, zu der sie schon lange keinen Kontakt mehr hat, nachdem es zum Bruch zwischen den beiden Freundinnen kam.

Johanna erinnert sich an ihre erste Begegnung mit Zeyna und deren Vater Nabil, an die gemeinsame Freundschaft mit Cem, der Johanna auch heute noch nahesteht, an Urlaube, an all das, was Zeyna und Johanna miteinander geteilt haben.

Ich komme nicht zurück von Rasha Khayat weiterlesen

Der ehrliche Finder von Lize Spit

„Finden zu seinem Beruf gemacht“ (Seite 17)

Jimmy ist ein einsamer Junge, der gut in der Schule ist und leidenschaftlich Flippos sammelt. Er ist immer auf der Suche nach vergessenen oder verlorenen Münzen in Zigarettenautomaten, Umkleideschließfächern, Parkuhren und Einkaufswagen, um das Geld direkt in Chips zu investieren, um so an weitere Flippos zu kommen. Neben seiner eigenen Sammlung legt er auch eine für seinen besten Freund Tristan Ibrahimi an, der aus dem Kosovo stammt, mit seinen Eltern und Geschwistern vor Krieg und Gewalt geflohen ist.

Seit über einem Jahr lebt die Familie Ibrahimi in Bovenmeer, Jimmy hilft Tristan in der Schule, erklärt, übersetzt, unterstützt ihn. Und nun bittet ihn Tristan um weitere Hilfe, denn die Familie hat einen Brief bekommen: Ihr Asylantrag wurde abgelehnt, die Familie muss zurück in den Kosovo. Nur Jimmy kann helfen, und er würde für seinen besten (und einzigen) Freund alles tun.

Der ehrliche Finder von Lize Spit weiterlesen

Ich werde leben von Lale Gül

„Sie dürfen nicht wissen, was sie wissen, nicht fühlen, was sie fühlen, nicht begehren, was sie begehren, nicht sein, was sie sind.“ (Seite 7)

Büsra hat türkische Wurzeln und lebt bei ihrer Großmutter in Amsterdam. Sie lebt ein Doppelleben zwischen den Ansprüchen, die ihre strengen, ultrakonservativen, religiösen Eltern an sie stellen, und den Vorstellungen, die sie selbst von ihrem Leben hat.

Büsra studiert, hat einen offiziellen Nebenjob, arbeitet zusätzlich heimlich in einem Restaurant und unterhält seit Jahren eine Beziehung zu einem jungen Mann, von dem ihre Familie nichts weiß und nichts wissen darf.

Ich werde leben von Lale Gül weiterlesen

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße von Maxim Leo (Hörbuch)

„Es war eine der größten und spektakulärsten Fluchten in der Geschichte der DDR. Bisher kannte niemand die Akteure und die Hintergründe. Jetzt habe ich den Mann gefunden, der alles geplant und durchgeführt hat.“ (Track 13)

Der Fortschritt meint es oft nicht gut mit Michael Hartung. Schon mehrmals im Leben durchkreuzten neue Entwicklungen und technische Errungenschaften sein Berufsleben, und nun sitzt er in seiner Videothek und hat Geldsorgen, während die Streamingdienste die Welt erobern.

Da kommt ihm der Besuch eines Journalisten im September 2019 gerade recht, denn dieser befragt ihn wegen einer Massenflucht aus der DDR, die sich am Bahnhof Friedrichstraße zugetragen hatte.

Hartung hatte damals als Stellwerksmeister gearbeitet und laut Stasi-Akte die Weiche so gestellt, dass der Zug mit 127 Menschen außerplanmäßig in die Bundesrepublik gefahren ist.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße von Maxim Leo (Hörbuch) weiterlesen

18 Tage im Sinai von Michael Obert

„Keine Arbeit, kein Geld, keine Zukunft“ (Seite 31)

Der 28-jährige Selomon ist aus seiner Heimat Eritrea in den benachbarten Sudan geflohen, wurde in Ostsudan gekidnappt, an ein internationales Menschenhändlernetzwerk verkauft und schließlich in ein Foltercamp auf der Sinai-Halbinsel verschleppt. Hier wurde er so lange gefoltert, bis seine Familie ein exorbitant hohes Lösegeld gezahlt und ihm somit die Freiheit erkauft hat.

Anhand der Geschichte Selomons erzählt Michael Obert von den Foltercamps, von Islamismus, von Menschen- und Organhandel. 18 Tage im Sinai von Michael Obert weiterlesen