Die Farbe von Milch von Nell Leyshon

„Ich erzähle dir das alles nicht gern.“

Im Jahre 1831 schreibt die 15-jährige Mary ihre Geschichte nieder. Sie erzählt vom Leben auf dem Hof ihrer Eltern, das von harter Arbeit und vielen Entbehrungen geprägt ist, berichtet von der Liebe zu ihrem Großvater und von der emotionalen Kälte ihrer Eltern und ihrer drei Schwestern.

Im Sommer 1830 wird Mary in ein benachbartes Pfarrhaus geschickt, um dort Mr Graham und seiner kranken Frau im Haushalt, bei Alltagsverrichtungen und bei der Pflege von Mrs Graham zu helfen. Dort erfährt sie zum ersten Mal Zuneigung und emotionale Wärme, doch nach dem Tod der Frau bleibt Mary allein mit Mr Graham im Pfarrhaus zurück und ihr Leben verändert sich nachhaltig.

Ich hatte vor der Lektüre sehr viel Positives über Die Farbe von Milch gelesen, und obwohl mir die Geschichte anfangs etwas zu kindlich schien, kann ich nach dem Lesen sagen, dass mich der Roman sehr bewegt und sehr bedrückt hat.

Zu Beginn des Buches empfand ich die einfache Sprache, die vielen Wiederholungen (z.B. „Die Jahre sind die Jahre des Herrn.“) und die Naivität der Ich-Erzählerin Mary ungewohnt und etwas störend, doch im Verlauf ergeben diese Aspekte Sinn und sorgen dafür, dass Mary sehr überzeugend charakterisiert wird.

Der Roman wird eindringlich erzählt und ist von der ersten Seite an unheilvoll. Damit ist Die Farbe von Milch eines jener Bücher, bei denen man von Anfang an das Gefühl hat, zusammen mit den Protagonisten auf einen Abgrund zuzurasen.

Die Farbe von Milch ist Nell Leyshons zweiter Roman, und die britische Autorin war dafür zusammen mit Zeruya Shalev und James Salter für den Prix Femina nominiert.

Nell Leyshon: Die Farbe von Milch. Aus dem Englischen von Wibke Kuhn. Eisele Verlag, 2017, 208 Seiten; 16,99 Euro (Kindle Version) bzw. 18 Euro (gebundene Ausgabe).

2 Gedanken zu „Die Farbe von Milch von Nell Leyshon“

  1. Hey,
    mir hat das Buch auch sehr gut gefallen! Ich hätte gerne noch weiter gelesen. Die anderen Figuren sind neben Mary leider recht blaß geblieben. Deshalb hatte ich „nur“ 4 Sterne vergeben.
    GlG, monerl

    1. Salut, mich hat das irgendwie gar nicht gestört, wahrscheinlich weil ich es so ratzfatz weggelesen habe, dass mir das gar nicht so aufgefallen ist :-).

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