Archiv der Kategorie: Judentum

Belletristik und Sachbücher über das Judentum

In diesem Post liste ich Belletristik, Erinnerungen und Sachbücher über das Judentum auf.

Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe. Belletristik und Sachbücher über das Judentum weiterlesen

… Deine Lise. Die Physikerin Lise Meitner im Exil von Stefan Frankenberger (Hörbuch)

„Nichts liegt vor mir, alles hinter mir.“ (CD1, Track 1)

Lise Meitner war Deutschlands erste Professorin für Physik, arbeitete 30 Jahre lang mit Otto Hahn zusammen und war inoffizielle Assistentin bei Max Planck. Im Jahre 1933 wurde Meitner aufgrund ihrer jüdischen Abstammung die Lehrbefugnis entzogen, und 1938 gelang ihr mit der Hilfe Hahns die illegale Ausreise ins Exil, wo sie ihre Forschungen fortsetzte.

In Deine Lise findet sich der Briefwechsel zwischen Meitner und Hahn sowie die Korrespondenz mit ihrem Neffen, dem Kernphysiker Otto Robert Frisch, Werner Heisenberg, Planck u.a. … Deine Lise. Die Physikerin Lise Meitner im Exil von Stefan Frankenberger (Hörbuch) weiterlesen

Hoffnung. Eine Tragödie von Shalom Auslander

„Alle alten Frauen sehen wie Anne Frank aus. Das ist eben ihr Schicksal.“

Salomon Kugel lebt mit seiner Frau Bree, seinem dreijährigen Sohn Jonah und seiner kranken Mutter im unspektakulären 2400 Seelen-Städtchen Stockton, und er hat Angst: vor dem Tod, vor dem Sterben, vor den Geräuschen auf dem Dachboden, davor, nicht die richtigen letzten Worte zu finden, davor, Opfer der aktuellen Farmhaus-Brandserie zu werden.

Kugel ist Jude und sein Leben ist bestimmt von den Holocaust-Erzählungen seiner Mutter, die unablässig und bei jeder sich bietenden Gelegenheit von ihrem Überleben in den Lagern berichtet. Hoffnung. Eine Tragödie von Shalom Auslander weiterlesen

Ich kann nicht vergeben von Rudolf Vrba (Hörbuch)

„Arbeit macht frei. Bald sollte diese Inschrift uns alle verhöhnen wie ein makaberer Aprilscherz. Doch an jenem Juniabend glaubte ich daran und fasste neuen Mut.“ (Track 65)

Rudolf Vrba war 17 Jahre alt, als er seine slowakische Heimat verließ und schließlich nach Auschwitz deportiert wurde.

In Ich kann nicht vergeben erzählt er vom Alltag im Konzentrationslager Auschwitz I (Stammlager) und später in Auschwitz II-Birkenau, berichtet minuziös vom täglichen Überlebenskampf, von Freundschaft und Liebe, von Verrat und Verlust, von Krankheit und Tod, von Hunger und schwerer Arbeit, von der Untergrundbewegung und von seiner Flucht aus Auschwitz. Ich kann nicht vergeben von Rudolf Vrba (Hörbuch) weiterlesen

Schnellkurs Judentum von Monika Grübel

Im Schnellkurs Judentum findet man die Geschichte des Judentums von den (nur durch die Bibel „belegten“) Anfängen bis zur Shoa und der Gründung des Staates Israel. Die Autorin erklärt zudem wichtige Begriffe, Feiertage, Bräuche wie Sefarad, Aschkenas, Schabbat, Jom Kippur, Schtetl, Speisevorschriften, Zionismus. Ergänzt werden die Texte durch zahlreiche Abbildungen und Zeittafeln. Schnellkurs Judentum von Monika Grübel weiterlesen

Das Tagebuch der Anne Frank von Ari Folman und David Polonsky (Graphic Diary)

© Ari Folman / David Polonsky – S. Fischer Verlag 2017

„Es ist mir nun mal unmöglich, alles auf der Basis von Tod, Elend und Verwirrung aufzubauen. Ich sehe, wie die Welt langsam immer mehr in eine Wüste verwandelt wird, ich höre den anrollenden Donner immer lauter, der auch uns töten wird, ich fühle das Leid von Millionen Menschen mit.“

© Ari Folman / David Polonsky – S. Fischer Verlag 2017

Ari Folman und David Polonsky haben – nach dem gemeinsamen Erfolg mit dem Animationsfilm und der Graphic Novel Waltz with BashirDas Tagebuch der Anne Frank als Graphic Diary umgesetzt. Ich habe das Tagebuch vor etwa 20 Jahren gelesen, konnte mich jedoch kaum noch an Details erinnern, so dass ich das Graphic Diary nicht nur als visuell spannende Variante des Tagebuchs, sondern auch als inhaltliche Auffrischung verstanden und erlebt habe. Das Tagebuch der Anne Frank von Ari Folman und David Polonsky (Graphic Diary) weiterlesen

Adams Erbe von Astrid Rosenfeld

„Verschwinden die Geschichten, wenn keiner sie mehr erzählt?“

Astrid Rosenfeld erzählt von Edward und Adam, die sich zwar nie begegnet und dennoch eng miteinander verbunden sind.

Edward wächst Ende des 20. Jahrhunderts auf und wird von seinem Großvater Moses ständig mit dessen Bruder Adam verglichen. Immer wieder ist Adam, der sich eines Tages mit dem gesamten Familienvermögen abgesetzt hat und seitdem verschwunden ist, ein Thema in der Familie, und immer wieder kommt es zu Vergleichen zwischen den beiden.

Der erwachsene Edward, der nicht recht weiß, wohin es im Leben noch gehen soll, der kein Ziel und keine Wünsche hat, findet schließlich sein Erbe und damit seine Berufung in Form eines Briefes von Adam an seine große Liebe Anna. Adams Erbe von Astrid Rosenfeld weiterlesen

Gegen Judenhass von Oliver Polak

„Findest du Juden sympathisch?“ – „Wenn deine Antwort auf die Frage nicht ‚Mir egal‘ ist, dann stimmt etwas nicht mit dir.“

Gegen Judenhass besteht aus zwei Teilen: Im ersten Abschnitt stellt Oliver Polak dem Leser Fragen, beantwortet diese teilweise und bietet Statements. Dieser Teil ist sehr gut geeignet, um eigene Anschauungen und Einstellungen kritisch zu hinterfragen, und zeigt zudem, wo Antisemitismus anfängt. Ich empfehle jedem Leser, sich kritisch mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und sie selbst (entweder im Stillen oder schriftlich oder in Diskussion mit anderen) zu beantworten. Dieser Teil des Buches ist unpaginiert und im Layout sehr großzügig, der Fokus liegt klar auf den Fragen und Statements, die freien Stellen zwingen den Leser geradezu zum Antworten und Nachdenken. Gegen Judenhass von Oliver Polak weiterlesen

Das Verschwinden des Josef Mengele von Olivier Guez

„Bis zu den Zerstörungen der letzten Kriegsjahre haben alle vom System profitiert. Niemand hat Einspruch erhoben, als die Juden auf Knien die Bürgersteige scheuerten, und keiner hat etwas gesagt, als sie plötzlich über Nacht verschwunden sind.“

Helmut Gregor befindet sich an Bord des Ozeandampfers North King auf dem Weg von Italien nach Argentinien. Er hat einen langen Weg hinter sich, ist im Januar 1945 aus Polen geflohen und in der Wehrmacht untergetaucht, hat dann mehrere Wochen in einem amerikanischen Gefangenenlager verbracht, lebte unter falscher Identität in Bayern, und möchte sich nach vier Jahren der Rastlosigkeit und der Angst vor Entdeckung nun in Lateinamerika ein neues Leben aufbauen.

Helmut Gregor ist Josef Mengele, der berühmt-berüchtigte Lagerarzt von Auschwitz, der mit seinen menschenverachteten medizinischen Experimenten in die Annalen der Geschichte eingegangen ist.

Mit der Unterstützung von Juan und Eva Perón sowie von zahlreichen Menschen mit nationalsozialistischer Gesinnung gelingt es Mengele, sich für seine Verbrechen aus der Verantwortung zu ziehen und in Lateinamerika unterzutauchen. Das Verschwinden des Josef Mengele von Olivier Guez weiterlesen

Marlow von Volker Kutscher (Buch und Hörbuch)

„Die SS war eindeutig auf dem Weg nach oben, und das war immer auch die Richtung, die Johann Marlow bevorzugte.“ (Seite 242)

Deutschland im Sommer und Herbst 1935: Die Nationalsozialisten haben das Land fest in der Hand, nach dem Röhm-Putsch im Sommer 1934 erstarkt die SS immer mehr, und die Gestapo sorgt dafür, dass man sich nicht mehr traut, offen über Missstände und Unzufriedenheit zu sprechen.

Auch Gereon Rath leidet unter der politischen Situation in Deutschland und ist nicht mehr zufrieden mit seinem Job, bei dem er sich – aufgrund mangelnder Parteizugehörigkeit und fehlender nationalsozialistischer Gesinnung – eher auf dem Abstellgleis fühlt. Da wird er mit einem Fall konfrontiert, der sich als sehr brisant herausstellt: Ein gewisser Gerhard Brunner stirbt bei einem Unfall, als er mit einem Taxi unterwegs ist und der Fahrer frontal und ungebremst gegen eine Wand fährt. Beim Durchsuchen des Unfallwagens findet Rath eine Aktentasche, in der sich ein brauner Briefumschlag befindet, den er kurzentschlossen öffnet – und sich wünscht, es nicht getan zu haben, denn der Umschlag enthält geheime Akten, in denen kein Geringerer als Hermann Göring, der zweitmächtigste Mann im Reich, erwähnt wird. Rath hofft, dass ihn keiner beobachtet hat und sorgt schließlich dafür, dass sich der Umschlag wieder auf den Postweg macht. Marlow von Volker Kutscher (Buch und Hörbuch) weiterlesen