Kategoriearchiv: Judentum

Isidor. Ein jüdisches Leben von Shelly Kupferberg

„Ich beginne, diese Briefe zu lesen, versuche zu rekonstruieren, was für ein Leben meine Vorfahren gelebt haben, was für rasante persönliche und gesellschaftliche Entwicklungen sie durchgemacht haben – und wie schmerzlich alles, was sie sich mühselig und kühn erarbeitet hatten, von einer Sekunde auf die andere zunichtegemacht wurde. Bevor dann sie zunichtegemacht werden sollten.“ (Seite 9)

Isidor – oder Innozenz oder Ignaz oder Israel – ist der Wiener Urgroßonkel von Shelly Kupferberg. Einst war Isidor ein herrischer Mann, doch nach einer Verhaftung durch die Nazis am Tag des Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich im Jahre 1938 hatte Isidor Angst und war nur noch ein Schatten seiner selbst.

Bis dahin war Isidor ein sogenannter gemachter Mann, wurde von vielen (aber nicht von allen) „bewundert für das, was er geschafft hatte“ (Seite 13)

Aufgewachsen ist Isidor mit vier Geschwistern im Schtetl im ostgalizischen Tłumacz, später hat er in Lemberg und Wien studiert und ist zu großem Reichtum gekommen – und hat diesen durch die Nazis wieder verloren.

„Die Nazis hatten ihn binnen kürzester Zeit zu dem gemacht, was sie in ihm sehen wollten: eine Elendsfigur.“ (Seite 209)

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Das Geheimnis des Jüdischen Krankenhauses. Nach den Erinnerungen von Klaus Zwilsky. Graphic Novel von Charlotte Schallié (Hg.) und Gilad Seliktar

„Es ist komisch – fast immer wenn ich die Geschichte meines Überlebens erzähle, sage ich als Erstes, dass die Jahre im Jüdischen Krankenhaus in Berlin der Teil meines Lebens sind, an den ich mich am wenigsten erinnere.“ (Seite 35)

2023: Der israelische Zeichner und Autor Gilad Seliktar befragt Klaus Zwilsky bezüglich dessen Kindheit in Berlin: Zwilsky wurde 1932 in Berlin geboren, sein Vater war Apotheker, und auch seine Mutter arbeitete in einer Apotheke, allerdings nicht als Apothekerin, denn als Jüdin durfte sie nach Hitlers Machtergreifung keine Pharmazie studieren.

Um die Zeit der Kristallnacht im Jahr 1938 herum bemerkt auch das Kind Klaus, dass sich in der Stadt und im Land etwas verändert hat. Im Laufe der Zeit wird die Mutter zur Zwangsarbeit eingezogen, Klaus wird als jüdisches Kind vom Schulbesuch ausgeschlossen, sein Vater verliert sein Arbeit und bekommt schließlich eine Stelle als Apotheker imJüdischen Krankenhaus, Verwandte werden deportiert.

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Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg (Buch und Hörbuch)

„Jeder Mensch ist anders komisch.“ (Seite 16)

Martha E. ist eine alte Dame, die schäbig gekleidet ist und einen verwirrten Eindruck macht, anscheinend aber gar nicht so arm ist, wie sie mit ihrer Erscheinung wirkt.

Im Berliner Viertel, in dem sie lebt, wird gemunkelt, sie sei gar eine Millionärin, besitze ein ganzes Wohnhaus, das ihr von ihrer Affäre, einem Nazi, geschenkt worden sei, damit sie Stillschweigen über ihre Liebelei bewahre.

Shelly Kupferberg erzählt die Geschichte von Martha, die sich 1925 nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Konturistin auf eine Stelle als Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus bewirbt. Es handelt sich um das Haus der Brüder Henry und Ber Berkowitz, die eine zuverlässige Person suchen, die sich um Mieteinnahmen und Ordnung im Haus kümmert.

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33 Place Brugmann von Alice Austen

„Was denkbar ist, ist auch möglich.“ (Seite 7, Zitat von Ludwig Wittgenstein)

August 1939 in Brüssel: Am Place Brugmann 33 lebt unter anderem die jüdische Familie Raphaël, die über Nacht verschwindet. Kurz darauf beginnt der Zweite Weltkrieg und der Einmarsch der Nationalsozialisten in Belgien.

Der Roman erzählt von den Bewohnern des Hauses, deren Geschichte und deren Leben miteinander verwoben sind. Da sind (neben den Raphaëls) z.B. die Studentin Charlotte, die mit ihrem Vater, dem Architekten Sauvin, in der 3. Etage lebt, der verwitwete Colonel Warlemont im 2. Stock, die Näherin Masha im Dienstbotenzimmer in der 4. Etage sowie der Rechtsanwalt Martin DeBaerre im ersten Stock.

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Oroppa von Safae el Khannoussi (Hörbuch)

„In einer Sprache, die leuchtet, kratzt und singt, gleitet dieses schillernde Debüt durch Erinnerung und Identität und schenkt dem Entwurzelten eine poetische Heimat.“ (Klappentext, Zitat von Samira el Ouassil)

Salomé Abergel, eine jüdisch-marokkanische Künstlerin, lebt in Amsterdam.

Doch die Geschichte in Oroppa beginnt damit, dass Salomé nur noch um die 40 Kilogramm wiegt, an einer Lungenentzündung erkrankt ist und im Sterben liegt.

Gegen alle Prognosen erholt sich Salomé wieder, und der Roman erzählt schließlich von Salomé, von ihrem sozialen Umfeld und vom Leben in Städten wie Paris, Tunis und Casablanca.

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Fräulein Gold. Der Preis der Freiheit von Anne Stern (Hörbuch)

„Das ist der Grundsatz, nach dem ich gelebt habe: Bereite dich auf das Schlimmste vor. Erwarte das Beste. Und nimm, was kommt.“ (Track 1, Zitat von Hannah Arendt)

Berlin im Jahre 1932: Hulda Gold arbeitet mittlerweile als Hebamme im Frauengefängnis Barnim, wo sie schwangere Inhaftierte betreut. Hier trifft sie auf Anna Marwitz, die schwanger ist und einen Mord gestanden hat.

Als Annas einzige Vertraute im Gefängnis tot in der Toilette gefunden wird, geht die Polizei kurzzeitig von einem natürlichen Tod aus, doch dann stellt die Kommissarin Irma Siegel den Geruch nach Bittermandel fest, und es zeigt sich, dass sie mit Zyankali getötet wurde. So rückt Anna in den Fokus der Polizei, denn auch der Mord, für den Anna einsitzt, wurde mit Zyankali verübt.

Doch Hulda kann sich nicht recht vorstellen, dass die junge Frau einen (weiteren) Mord begangen hat.

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Leben und Sterben in Auschwitz von Dietmar Reinhard

„Der Führer hat die Endlösung der Judenfrage befohlen. Die Juden sind die ewigen Feinde des deutschen Volkes und sie müssen ausgerottet werden. Wir, die SS, haben diesen Befehl des Führers durchzuführen.“ (Seite 45)

Rudolf Höß, ehemaliger Lagerkommandant von Auschwitz, kehrt im April 1947 in die polnische Stadt zurück, und hier wird sein Todesurteil vollstreckt.

Dietmar Reinhard erzählt in seiner Graphic Novel vom Aufbau des KZ Auschwitz, von Kapos und Lagerleben, Tod und Sterben, Gewalt und Willkür, Schikanen und Strafen, Hunger und Krankheiten, der Endlösung und der Befreiung des KZ. Er berichtet zudem von Höß’ Einfluss und seinen Ideen, die die Todesmaschinerie erst möglich gemacht haben.

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Lázár von Nelio Biedermann

„Der Junge sollte lernen, was es heißt, ein Mann, ein Baron, ein von Lázár zu sein.“ (Seite 40)

Um die Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts wird Lajos von Lázár geboren: „das durchsichtige Kind mit den wasserblauen Augen.“ (Seite 11).

Lajos ist eindeutig das Kind des Knechts, wie unschwer zu erkennen ist. Doch seine Mutter Mária lebt die Lüge, dass es der Sohn ihres Mannes Sándor ist, und Sándor ist allzu bereit, diese Lüge zu glauben.

Nelio Biedermann erzählt in seinem Roman von der Geschichte der Familie Lázár, die zur Zeit der k. und k. Monarchie in einem Waldschloss in Ungarn lebt.

Biedermann berichtet von Sándors Vater, der spurlos verschwunden ist und dessen Leiche nie gefunden wurde, von Sándors Mutter, die täglich in den Wald läuft und das Jagdschloss ihres Mannes sucht, das es nie gegeben hat, und die eines Tages nicht mehr zurückkehrt. Und er erzählt vom Sándors Bruder Imre, der über der Lektüre von E.T.A. Hoffmann verrückt geworden ist.

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Wannsee. Graphic Novel von Fabrice Le Hénanff

„Wir wissen nicht mehr, wohin mit den Juden… Kurz, wir sind hier versammelt, um die technischen Einzelheiten für die Endlösung der Judenfrage zu regeln.“ (Seite 22)

Die Graphic Novel behandelt eines der Schlüsselereignisse des Holocausts an den europäischen Juden: die Wannsee-Konferenz.

Am 20. Januar 1942 treffen sich in einer prächtigen Villa am Wannsee 15 hochrangige Vertreter des Dritten Reiches, „um den Willen des Führers umzusetzen“ (Seite 13). Es handelt sich um eine geheime Zusammenkunft mit Obergruppenführer Heydrich, der die Konferenz leitet.

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Jerusalem. Die Geschichte einer Stadt von Vincent Lemire und Christophe Gaultier

„Seit 4000 Jahren haben sich meine Wurzeln tief in den Boden gegraben, meine Äste haben sich dem Himmel entgegen gestreckt. Ich habe alles gesehen, alles erlebt. Heute kann ich euch alles erzählen. Die ganze Geschichte von Jerusalem!“ (Seite 9)

Zaytun/Olivia ist 4000 Jahre alt, steht auf dem Gipfel des Ölbergs und erzählt ihre Geschichte von dem Moment an, als sie aus einem Olivenkern, den ein Hirte ausgespuckt hatte, keimte und wuchs. Und sie erzählt die Geschichte Jerusalems.

Zaytun berichtet vom ersten Tempel, der von Nebukadnezar zerstört wurde, von der Invasion des persischen Großkönigs Kyros, von Alexander dem Großen und von Kaiser Hadrian.

Sie führt den Leser ein in die Entstehung des christlichen Jerusalem, in Al-Quds, die Heilige Stadt des Islam, in die Kreuzzüge sowie das Erbe Saladins und der Mameluken.

Zaytun erzählt schließlich vom Frieden der Ottomanen, von der neu erfundenen Heiligen Stadt, vom Traum von Zion und von der geteilten Hauptstadt nach der Gründung des Staates Israel.

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