Archiv der Kategorie: Nigeria

Belletristik, Sachbücher und Reiseberichte aus und über Nigeria

In diesem Post liste ich Belletristik, Sachbücher und Reiseberichte aus und über Nigeria auf.

Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe.

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Der dunkle Fluss von Chigozie Obioma

„[…] denn die Zukunft war das, was wir aus ihr machten, eine leere Leinwand, auf die sich alles Mögliche projizieren ließ. Das alles war vorbei, als Vater wegzog.“ (Seite 10 der gebundenen Ausgabe)

Der neunjährige Ich-Erzähler Ben lebt zusammen mit seinen älteren Brüdern Ikenna, Boja und Obembe, seinen Eltern sowie dem kleinen Bruder David und dem Baby Nkem in Akure, einer Stadt im Südwesten Nigerias.

Das Leben der Familie verändert sich deutlich, als der Vater ins mehr als 1000 Kilometer entfernte Yola im Norden des Landes zieht und nur noch an den Wochenenden zu seiner Familie zurückkehrt. Ein weiterer Wendepunkt tritt ein, als die Brüder beginnen, im dunklen Fluss zu fischen, was die Eltern streng verboten hatten, da hier schon viele Erwachsene verschwunden sind.

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Das Baby ist meins von Oyinkan Braithwaite

„Beinahe über Nacht schien das Leben zum Stillstand gekommen zu sein, und es wurde nicht länger als sicher angesehen, sich frei unter andere Menschen zu mischen. Also blieben wir zu Hause.“ (Track 1)

Bambi lebt gerade mit seiner aktuellen Partnerin Mide zusammen, als auch in Nigeria ein Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie beschlossen wird. Als Mide dahinter kommt, dass Bambi fremdgegangen ist, setzt sie ihn – trotz verschärfter Ausgangsregelungen – kurzerhand vor die Tür.

Bambi hat nicht viel Handlungsspielraum und entschließt sich, zu seiner Tante – Auntie Bidemi – zu fahren, die ein kleines Baby hat und deren Ehemann gerade an Covid-19 verstorben ist.

Bei Auntie Bidemi trifft er aber nicht nur auf die Tante und ihr Baby Remi, sondern auch auf Esohe, die Ex-Geliebte seines Onkels.

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Schwarze Schwestern von Chika Unigwe

„Die Menschen kannten die Risiken und gingen sie ein, weil sie wussten, dass sich der Einsatz, waren sie erst einmal am Ziel, lohnen würde.“ (Seite 80)

Sisi, Ama, Joyce und Efe kamen alle über den Menschenhändler Dele von Nigeria nach Europa. Sie leben in Antwerpen, verkaufen sich in den Schaufenstern des Rotlichtmilieus an unzählige Männer, um ihre Schulden bei Dele zu begleichen, und träumen von einem Leben nach der Prostitution.

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Trauer ist das Glück, geliebt zu haben von Chimamanda Ngozi Adichie

„Schuldgefühle nagen an meiner Seele. Ich denke an all die Dinge, die hätten geschehen können, und all die Möglichkeiten, die Welt umzugestalten, um zu verhindern, was am 10. Juni passierte, es un-geschehen zu machen.“ (Seite 21)

Wenige Tage vor dem Tod ihres Vaters kamen Chimamanda Ngozi Adichie, ihre Geschwister und ihre Eltern noch einmal bei einem Zoom-Meeting zusammen, und am Tag vor seinem Tod spricht Adichie zum letzten Mal mit ihrem geliebten Vater.

In Trauer ist das Glück, geliebt zu haben erzählt Adichie von Trauer und Schmerz, den sie körperlich spürt, von Erinnerungen an ihren Vater und verschiedenen Anekdoten, von Angst und Schuld, von Wut und Trauerprozess, von dem, was beim Trauern und Abschiednehmen hilft, und dem, was nicht hilft, von Lernerfahrungen und dem Vermächtnis ihres Vaters, von dem, was für immer verloren ist, und von dem, was bleibt.

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Das Mädchen mit der lauternen Stimme von Abi Daré

„die Zukunft arbeitet ständig, ist immer damit beschäftigt, bessere Dinge zu enthüllen, und auch wenn es manchmal nicht so scheint, darauf können wir hoffen“ (Seite 363)

Die 14-jährige Adunni lebt nach dem Tod ihrer Mutter zusammen mit ihrem Vater und ihren Geschwistern in ihrem Heimatdorf in Nigeria. Der Vater ist Alkoholiker und hat Geldsorgen, weshalb er Adunni mit Morufu, einem deutlich älteren Taxifahrer „mit Ziegenbartgesicht“ verheiratet, um von einem Teil des Brautpreises die Miete und Essen bezahlen zu können.

Morufu hat bereits zwei Ehefrauen, wobei die Erstfrau Adunni tyrannisiert und die Zweitfrau Adunni unterstützt, wo sie nur kann. Von ihrem Ehemann Morufu, der sich sehnlichst einen Sohn wünscht, wird Adunni immer wieder vergewaltigt, und sie, die wegen ihres Vaters die Schule abbrechen musste, träumt weiterhin davon, wieder zur Schule zu gehen, zu lernen, später zu arbeiten und Geld zu verdienen.

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Boko Haram von Mike Smith

„Doch da ist dieses Meer der Gleichgültigkeit, in dem die Aufständischen operieren können […].“

Mike Smith erzählt in seinem Buch Boko Haram nicht nur von der Geschichte der islamistischen Sekte, sondern auch von der Geschichte Nigerias: von Islamisierung und dem Kalifat von Sokoto, von Kolonialismus und Unabhängigkeit, von Bürgerkrieg und Diktatur.

Er beschreibt den Aufstieg des Boko Haram-Führers Mohammed Yusuf, seinen Tod und das darauffolgende (kurzzeitige) Verschwinden von Boko Haram, das Wiederauftauchen der Sekte mit Abubakar Shekau an der Spitze und die Gewalttaten, durch die Boko Haram auch in der westlichen Welt bekannt geworden ist.

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Würde von Andrew Brown

„Die Seele meines Landes ist durch und durch verfault.“

Stefan Svritsky hat einen Jungen überfahren, ihn sterbend auf der Straße zurück gelassen und dann Fahrerflucht begangen. Es gibt zwar einen Zeugen für den Unfall, aber diese Person hat einen falschen Namen und eine falsche Adresse angegeben, ist unauffindbar.

Der Anwalt Richard Calloway vertritt Svritsky und verliert nach und nach die Kontrolle über sein eigenes Leben. Würde von Andrew Brown weiterlesen

Die Sterne dort unten von Ken Saro-Wiwa

„Die Geister von Dukana“

Die Sterne dort unten beinhaltet 19 Erzählungen des nigerianischen Autors Ken Saro-Wiwa, der sich in seiner Heimat für Menschenrechte und Umweltschutz einsetzte, für den Friedensnobelpreis 1996 nominiert und 1995 trotz internationaler Proteste hingerichtet wurde.

In seinen Erzählungen berichtet der Autor von seiner Heimat Nigeria, von den Menschen, von den Lebensumständen. Dabei sind die einzelnen Geschichten miteinander verbunden und nicht unabhängig voneinander.

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Bleib bei mir von Ayọ̀bámi Adébáyọ̀

„Wenn die Last zu groß ist, zu groß über eine zu lange Zeit, knickt selbst die Liebe ein, bekommt Risse, droht zu zerbrechen und zerbricht manchmal. Aber auch wenn sie in tausend Scherben verstreut um unsere Füße liegt, ist es noch immer Liebe.“ (Seite 28)

Yejide und Akin haben aus Liebe geheiratet und sich – ganz entgegen der nigerianischen Tradition – gegen die Polygamie entschieden. Doch dass Yejide nicht schwanger wird, belastet nicht nur das Paar, sondern wird zunehmend von Akins Familie thematisiert. Jeden Monat schickt Akins Mutter eine potenzielle Heiratskandidatin in Akins Büro, doch er lehnt stets ab. Bis er Funmi vorgestellt wird, die er schließlich heiratet, weil sie ihm der beste Kompromiss zu sein scheint, denn Funmi erklärt sich bereit, nicht im gleichen Haus wie Yejide und Akin zu leben.

Die Beziehung zwischen Akin und Yejide bekommt Brüche, und Yejide weiß, dass sie schwanger werden muss, um Akin zu halten. Und sie ist bereit, dafür jeden Preis zu zahlen. Bleib bei mir von Ayọ̀bámi Adébáyọ̀ weiterlesen