Schlagwort-Archive: Nordamerika

Der Tod in ihren Händen von Ottessa Moshfegh (Hörbuch)

„[…] wir müssen beharrlich am Leben festhalten, es ehren, und dürfen uns dabei nie von den Toten abwenden.“ (Track 43)

Die 72-jährige Witwe Vesta Guhl zieht nach dem Tod ihres Ehemannes Walter in den kleinen Ort Levent in Maine und lebt hier einsam und zurückgezogen mit ihrem Hund Charlie. Eines Tages findet sie bei einem Spaziergang im Wald einen Zettel, dessen Inhalt sie sehr beunruhigt:

„Ihr Name war Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie getötet hat. Hier ist ihre Leiche.“

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Das Leben ist groß von Jennifer DuBois

„Einmal, in Norwegen, habe ich fünfzehn Züge vorausgedacht, aber es hätte einen viel einfacheren Weg zum Sieg gegeben, und den habe ich übersehen. Sich zu sehr auf die Zukunft zu konzentrieren kann lähmend sein, habe ich festgestellt.“

Die Amerikanerin Irina Ellison hat eine sehr genaue Vorstellung davon, wie ihr Leben verlaufen wird: Ihr Vater litt an Chorea Huntington, ist nach 18 qualvollen Jahren gestorben, und Irina erwartet das selbe Los.

Nach dem Tod ihres Vaters stößt sie auf eine Kiste voller Zeitungsartikel über den Schachweltmeister Alexander Kimowitsch Besetow, auf eine Kopie eines Briefes, den ihr Vater an Besetow geschrieben hatte, sowie das recht nichtssagende Antwortschreiben einer gewissen Elisabeta Nasarowna.

Irina möchte die Antworten bekommen, die ihr Vater nie erhalten hat, und macht sich auf den Weg nach Russland, um Besetow zu finden. Das Leben ist groß von Jennifer DuBois weiterlesen

Grün ist die Hoffnung von T. C. Boyle (Hörbuch)

„Regen prasselte auf das Dach, und in den Ecken scharrten winzige Pfoten.“ (Track 43)

Der 31-jährige Felix ist arbeitslos, seine Ersparnisse gehen langsam zur Neige, doch dann bekommt er Besuch von seinem Freund Vogelsang, der ihm anbietet, eine halbe Million Dollar durch den Anbau von Marihuana zu verdienen.

Hierfür hat Vogelsang ein Grundstück in Kalifornien gekauft, zu dem Felix zusammen mit seinen Freunden Phil und Gesh reist. Phil und Gesh sollen Felix bei der Arbeit unterstützen und hierfür ein Drittel der halben Million erhalten.

Neun Monate verbringen die drei Freunde im „Sommerlager“, wie Felix das Grundstück nennt, und von Beginn an haben die drei jede Menge Pech, so dass der Gewinn, den sie vom Anbau erwarten, mehr und mehr schmilzt.

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Und auf einmal diese Stille. Die Oral History des 11. September von Garrett M. Graff (Hörbuch)

„Ich kann mich an keine Geräusche erinnern. Meine Erinnerungen sind geräuschlos und in Zeitlupe, aber ich weiß, dass alles mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und einer enormen Lautstärke abgelaufen ist.“ (CD1, Track 24)

Garrett M. Graff hat die Worte derer zusammengetragen, die den 11. September 2001 hautnah und vor Ort erlebt haben. Das Hörbuch zu Und auf einmal diese Stille enthält mehr als 17 Stunden Augenzeugenberichte und Beschreibungen von verschiedensten Personen. Zu Wort kommen nicht nur die Überlebenden der Anschläge, sondern auch die Verstorbenen, die vor ihrem Tod noch Nachrichten an ihre Familien, Freunde usw. geschickt haben, die Angehörigen, die Attentäter selbst, die Besatzung der Flugzeuge, die Feuerwehrleute, andere Helfer und Beteiligte, Politiker, Prominente etc.

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Winters Knochen von Daniel Woodrell

„[…] und Dad konnte sonst wo sein.“

Nach dem Verschwinden ihres Vaters kümmert sich die 16-jährige Ree Dolly um ihre psychisch kranke Mutter und ihre beiden jüngeren Brüder.

Eines Tages steht der Sheriff vor der Tür, und Ree erfährt, dass ihr Vater Jessup, ein in der Umgebung bekannter und vorbestrafter Meth-Koch, sein Haus und seinen Wald für die Kaution verpfändet hat und dass er, wenn er in der kommenden Woche nicht vor Gericht erscheint, alles verlieren wird. Ree macht sich daraufhin auf die Suche nach ihrem Vater.

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Das Licht von T. C. Boyle (Buch und Hörbuch)

„Die Vorstellung, das Ganze irgendwie steuern zu können, kam ihm vor wie ein Witz, das Konzept der Persönlichkeit wie ein Schwindel, Schizophrenie wie die einzige realistische Prognose, denn diese Drogen hießen ja nicht umsonst „Psychotomimetika“. Natürlich… natürlich… er war dabei, den Verstand zu verlieren – was sonst hatte er erwartet?

Er hatte Angst, nichts als schreckliche Angst.“ (Seite 86)

Im Dezember 1996 habe ich Albert Hofmanns LSD – mein Sorgenkind gelesen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, weil ich das Buch damals zeitgleich einem Freund geschenkt habe, den ich immer mit dem Buch und dem Thema assoziieren werde. Mein Einstieg in T.C. Boyles 17. Roman war somit ein sehr emotionaler, der viele Erinnerungen wachgerufen und der mich deshalb sofort in seinen Bann geschlagen hat.

Boyle startet Das Licht mit einer sehr eindrücklichen Szene, in der der Chemiker Hofmann, der 1938 verschiedene Amid-Derivate der Lysergsäure, darunter das Diethylamid LSD-25, synthetisierte, 1943 zum ersten Mal und unabsichtlich die Substanz zu sich nahm. Boyle schildert dabei Hofmanns Erfahrungen mit LSD und berichtet von weiteren Versuchsreihen, um mehr über die Substanz, ihre Auswirkungen und die Dosierung zu erfahren.

Nach diesem Vorspiel im Basel des Jahres 1943 steigt Boyle mit seiner eigentlichen Geschichte ein und nimmt den Leser mit nach Cambridge, wo Timothy Leary seinen Lehrstuhl für Psychologie an der Harvard University dafür nutzt, um mit psychedelischen Drogen wie Psilocybin und LSD zu experimentieren. Mit der Unterstützung des Arzneimittelherstellers Sandoz und seiner Doktoranden möchte er herausfinden, ob diese psychoaktiven Substanzen die Psychotherapie revolutionieren können, indem sie „den Kontrollturm des Gehirns außer Gefecht […] setzen“ (Seite 46). Das Licht von T. C. Boyle (Buch und Hörbuch) weiterlesen

Die Unschuldigen von Michael Crummey

„Das war der einzige Moment, in dem sie wieder Kinder sein konnten.“ (Seite 90)

Neufundland, um 1800: Nach dem Tod ihrer Eltern schlagen sich der elfjährige Evered und seine neunjährige Schwester Ada allein durch. Sie sind ganz auf sich gestellt, wissen und kennen nur das, was sie von ihren Eltern gelernt haben.

Zweimal im Jahr trifft die Hope ein, ein Schiff, mit dessen Besatzung bereits der Vater der Geschwister Handel getrieben hat. Nun fischen Evered und Ada nahezu ohne Unterlass, trocknen das Fanggut und tauschen es gegen andere Güter ein.

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Weit Gegangen von Dave Eggers

Dave Eggers hat die wahre Lebensgeschichte von Valentino Achak Deng in Romanform gebracht: Valentino ist weit gegangen und wurde deshalb auch von einigen Freunden so genannt – „Weit Gegangen“. Sein Weg führt ihn aus seiner Heimat, Marial Bai im Süden des Sudan, nach Äthiopien, Kenia und schließlich in die Vereinigten Staaten von Amerika. Sein Weg und sein Leben sind geprägt von Freundschaft und Verlusten, von Hunger, Durst und Elend, von Massakern und Tod. Weit Gegangen von Dave Eggers weiterlesen

Sprich mit mir von T.C. Boyle

„Es war, als hätte sich eine Tür, die ihr Leben lang verschlossen gewesen war, mit einem Mal geöffnet. Dieser kleine Kerl mit den redegewandten Fingern und aufmerksam blickenden Augen hatte nicht bloß einen Wunsch geäußert – nämlich dass er einen Cheeseburger wollte -, sondern war auch imstande, sich die Zukunft und einen Ort jenseits seiner unmittelbaren Umgebung vorzustellen, und das war etwas, das Tiere angeblich nicht konnten.“ (Seite 16)

Der Schimpanse Sam lebt bei Guy Schermerhorn, einem Wissenschaftler an der UCSM. Sam versteht und verwendet Gebärdensprache, tritt in Fernsehshows auf und verblüfft alle mit seiner Fähigkeit zur Kommunikation mit Menschen.

Die schüchterne Aimee, die Psychologie im Nebenfach studiert und keinerlei Erfahrung mit Primaten hat, bewirbt sich bei Schermerhorn als studentische Hilfskraft, nachdem sie den Professor und Sam im Fernsehen gesehen hat, denn sie möchte unbedingt mit Sam sprechen. Sam und sie haben sofort einen Draht zueinander, doch dann wird Sam an ein anderes Forschungsprojekt weitergereicht, und Aimee setzt alle Hebel in Bewegung, um Sam zu retten.

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Dr. Sex von T.C. Boyle (Hörbuch)

„Wir waren Wissenschaftler, keine Moralisten. Unsere Pflicht war es, zu beobachten und aufzuzeichnen, ohne ein Urteil zu fällen.“ (CD 3, Track 12)

Alfred Kinsey war ein US-amerikanischer Sexualforscher, der umfängliche Erhebungen und Untersuchungen über das menschliche Sexualverhalten durchführte. Diese Datensammlung floss in die sogenannten Kinsey-Reports, die 1948 („Sexual Behavior in the Human Male“) und 1953 („Sexual Behavior in the Human Female“) im englischen Original erschienen und als ein Auslöser der Sexuellen Revolution gelten.

Diesem Thema widmet sich T.C. Boyle in seinem zehnten Roman, der bereits 2005 im englischen Original (The Inner Circle) und im gleichen Jahr in deutscher Übersetzung erschien.

Wie vom Autor gewohnt, vermischt Boyle hier eine wahre Geschichte mit einem fiktionalen Anteil. Erzählt wird die Geschichte von John Milk, der 1939 in sogenannten Ehekursen auf den charismatischen Professor Kinsey trifft, schließlich für ihn arbeitet und so in den inneren Kreis des Wissenschaftlers aufgenommen wird.

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