Der Mann, der den Tod auslacht von Philipp Hedemann

„Ich habe eine jahrtausendealte Kultur kennengelernt und spektakuläre Landschaften gesehen. Ich habe Freunde gefunden, ich habe gelacht, ich habe den Kopf geschüttelt, ich habe geflucht, ich habe manchmal die Hoffnung aufgegeben und sie meist schnell wieder gewonnen, ich habe Angst und Freude empfunden. Verstanden habe ich Äthiopien immer noch nicht. Aber ich habe mir Mühe gegeben.“ (Seite 11)

Philipp Hedemann gibt seinen Redakteursjob in London auf und zieht nach Addis Abeba, wo seine Freundin einen Job in der Entwicklungshilfe angenommen hat. Er selbst reiste als freier Korrespondent durch Äthiopien und erzählt in Der Mann, der den Tod auslacht von Hyänenfütterung und Haile Selassie, Lachseminaren und Schwermut, Mittelalter und Moderne, Haile Mariam und Sozialismus, Armut und Träumen, Schuhputzern und Kinderarbeit, Injera und Qat, Christentum und Scharlatanen, Hochschulstudium und Arbeitslosigkeit, Bundeslade und trampenden Mönchen, Goldrausch und Straßenkindern, Danakil und Genitalverstümmelung, Hungersnot und Teff, Rastafari und Marihuana, Lippentellern und mingi-Kindern.

Ich habe mich bisher kaum mit Äthiopien beschäftigt und habe mich beim und nach dem Lesen oft gefragt, warum eigentlich nicht, denn Äthiopien ist so ein vielseitiges, spannendes Land, dass ich nun große Lust habe, in das ostafrikanische Land aufzubrechen.

Sicherlich liegt meine neue Faszination auch sehr am Schreib- und Erzählstil von Philipp Hedemann, der mich mit seinem Buch mit dem großartigen Titel Der Mann, der den Tod auslacht mit vor Ort genommen hat, so dass ich das Gefühl hatte, ich würde alles mit ihm zusammen erleben.

Hedemann ist ein wahrhaft begnadeter Erzähler, der fesselt, informiert, unterhält und mich aufgrund der Art und Weise, wie er Anekdoten wiedergibt, bisweilen richtig zum Lachen gebracht hat. Zudem ist er ein sehr genauer Beobachter und findet für seine Beobachtungen die passenden Worte und die ungewöhnlichsten Vergleiche, so dass man im Buch immer auf Passagen wie diese stößt:

„Auf einer Wiese sitzen mehrere Hundert Dscheladas und wirken wahnsinnig beschäftigt. Zunächst sieht es so aus, als würden die Affen auf unsichtbaren Schreibmaschinen hastig Briefe tippen. Doch zwischendurch führen sie ihre schlanken Finger immer wieder zum Gesicht. Uns scheinen die fleißigen Tiere überhaupt nicht zu bemerken. Als wir uns bis auf ein paar Meter herangeschlichen haben, sehen wir, dass die Affen mit flinken Bewegungen das auf dreitausend Metern Höhe nur kurzgewachsene Gras pflücken und es sich ins Maul stopfen.“ (Seite 87)

Hedemann hat mich sehr neugierig auf Äthiopien gemacht, und auch wenn ich so schnell nicht dorthin reisen werde, habe ich nun große Lust, mehr über das Land zu erfahren. Zum Glück steht bereits König der Könige des wunderbaren Ryszard Kapuściński in meinem Regal, auf das ich mich nun sehr freue.

Philipp Hedemann: Der Mann, der den Tod auslacht. Begegnungen auf meinen Reisen durch Äthiopien. DuMont Reiseverlag, 2017, 260 Seiten; 14,99 Euro.

Dieser Post ist Teil des Afrika-Monatsthemas (Länder A bis L) im April 2019 (Äthiopien).

2 Gedanken zu „Der Mann, der den Tod auslacht von Philipp Hedemann“

  1. Liebe Romy,
    nun habe ich es auch endlich geschafft, das Buch zu lesen. Habe aber zwei Anläufe gebraucht, da ich zu Beginn irgendwie nicht richtig reingekommen war.
    Insgesamt aber ein tolles Buch. Ich vermisse bei den Reiseabenteuern Bilder der Ausflüge. Wahrscheinlich werde ich nie nach Äthiopien reisen. Deshalb hätte ich gerne Fotos gesehen. 🙂
    GlG, monerl

    1. Liebes Monili, das ist schön, dass es dir auch gefallen hat. Mir macht das mit den Fotos immer nichts aus, weil ich dann einfach eine Googlesuche mache. Fotos im Buch sind natürlich praktischer und einfacher :-).

      Liebe Grüße,
      Romy

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