Schlagwort-Archive: Literatur

Die Nickel Boys von Colson Whitehead (Hörbuch)

„Hier drin ist es genauso wie draußen, nur muss hier keiner mehr so tun als ob.“ (CD 2, Track 21

Florida in den 1960er Jahren: Der 16-jährige Elwood lebt mir seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee. Er bewundert Martin Luther King und erlebt hautnah, wie sich die Rassentrennung langsam ändert.

Als Elwood einen Platz am College bekommt, scheint ihm die Welt offen zu stehen, doch dann wird er in einem gestohlenen Auto aufgegriffen und ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gebracht.

Dort erlebt er körperliche Züchtigung, brutale Bestrafungen, Entwürdigung, Ungerechtigkeit und einen tief verwurzelten Rassismus, der ihm Tag für Tag das Leben zur Hölle macht.

Die Nickel Boys von Colson Whitehead (Hörbuch) weiterlesen

Das Licht ist hier viel heller von Mareike Fallwickl

„Jetzt ist er blind für alles, was ihn umgibt, und für die Geschichten, die dahinterstecken, erst recht. Stumpf kommt ihm die Welt vor und auserzählt.“ (Seite 93)

Maximilian Wenger scheint die Kontrolle über sein Leben verloren haben: Die letzten drei Bücher des ehemaligen Bestsellerautors waren Flops; seine Ehefrau Patrizia hat ihn für einen Jüngeren verlassen; seine Kinder Zoey und Spin empfinden die Besuche bei ihm eher als Belastung und als Zeitverschwendung.

Nun sitzt Wenger allein und ungepflegt in einer zugemüllten Wohnung, phantasiert über seinen Suizid, kann sich für nichts motivieren und hat keine Ideen mehr.

Da entdeckt er in seinem Briefkasten einen Brief, der an seinen Vormieter Albert Trattner adressiert ist, liest ihn und ist wie gebannt. Weitere Briefe folgen, die Wenger schließlich aus seiner Lethargie reißen und ihm Inspiration für Neues bieten.

Das Licht ist hier viel heller von Mareike Fallwickl weiterlesen

Belletristik und Sachbücher über die Levante

In diesem Post liste ich Belletristik und Sachbücher aus und über die Levante auf.

Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe.

Belletristik und Sachbücher über die Levante weiterlesen

Das Schneckenhaus. Tagebuch eines Voyeurs von Mustafa Khalifa

„Anfangs rief ich Gott um Hilfe – ich, der ich mein Lebtag mit meinem Atheismus geprahlt hatte. Doch angesichts der Allmacht der Militärpolizei konnte Gott nichts ausrichten! Ich fragte grollend: Wo ist Gott? Hof 1 ist der größte Beweis für die Nichtexistenz eines Wesens namens Gott!“ (Seite 42)

Der Protagonist des Romans stammt aus einer arabischen Familie christlich-katholischen Glaubens, hat sechs Jahre in Frankreich gelebt und an einer Pariser Filmhochschule studiert, doch dann beschließt er, in seine syrische Heimat zurückzukehren.

Am Flughafen in Damaskus wird er vom Geheimdienst empfangen, in ein Gebäude in der Nähe gebracht und gefoltert. Ihm wird vorgeworfen, der verbotenen Muslimbruderschaft anzugehören, und als er sich als Christ bzw. Atheist zu erkennen gibt, wird er in das berühmt-berüchtigte Wüstengefängnis bei Palmyra (Tadmor) gebracht, wo er die nächsten 13 Jahre seines Lebens verbringen wird.

Das Schneckenhaus. Tagebuch eines Voyeurs von Mustafa Khalifa weiterlesen

Dschungel von Friedemann Karig

„Wenn ein Mensch verschwindet, hinterlässt er ein Loch. So unendlich tief und dunkel, man kann hineinfallen und nie wieder auftauchen. Viel dunkler aber als das Loch ist das, womit wir es füllen. Viel schlimmer als die Abwesenheit einen Menschen ist die Vorstellung, was mit ihm passiert ist. Wie ist er gestorben?“

Felix ist verschwunden. Vor mehr als einem Monat. Irgendwo an der kambodschanischen Küste. Seither fehlt jede Spur von ihm.

Felix‘ Mutter bittet seinen besten Freund, der Felix schon jahrelang kennt, mit ihm große Krisen bewältigt und viele glückliche Momente geteilt hat, nach Kambodscha zu reisen, um Felix zu finden.

Der Ich-Erzähler lässt seine Freundin Lea zurück und macht sich allein auf den Weg nach Kambodscha, trifft dort auf Backpacker, Hippies, Drogenkonsumenten und allerlei Leute, die Felix gesehen und mit ihm Zeit verbracht haben. Doch von Felix selbst fehlt nach wie vor jede Spur.

Dschungel von Friedemann Karig weiterlesen

Langsame Jahre von Fernando Aramburu (Buch und Hörbuch)

„Don Victoriano sagt, Baske ist nur der, der Euskera spricht. Alle anderen sind bloß halbe Basken oder gleich Koreaner.“ (Seite 38)

Ein achtjähriger Junge wird zu Verwandten nach San Sebastían gebracht, da seine alleinerziehende Mutter in Armut lebt, ihn und seine Geschwister nicht mehr versorgen kann. Der Junge teilt sich ein Zimmer mit seinem Cousin Julen, der ihn anfangs piesackt, jedoch bald mit ihm spielt, ihm immer mehr vertraut und ihm schließlich den baskischen Patriotismus nahebringt.

Langsame Jahre wird aus zwei Perspektiven erzählt: Der Junge erzählt einem Autor von seinem Leben, da dieser die Erinnerungen in einem Roman verarbeiten möchte. Der Autor (Fernando Aramburu) macht sich Notizen, die für das Schreiben des Romans essentiell sind, merkt z.B. an, wo er mehr recherchieren muss, wie Orte und Situationen beschrieben werden sollen.

Langsame Jahre von Fernando Aramburu (Buch und Hörbuch) weiterlesen

Eine überflüssige Frau von Rabih Alameddine

„Ich bin der Blinddarm meiner Familie, das überflüssige Anhängsel.“ (Seite 25)

Die 72-jährige Aaliya lebt allein in ihrer Beiruter Wohnung und blickt zurück auf ein einsames und entbehrungsreiches Leben, nachdem ihr leiblicher Vater früh verstorben ist, sie im Alter von 16 Jahren verheiratet und vier Jahre später geschieden wurde.

Aaliyas große Freude und Liebe ist die Literatur, die sie nicht nur liest und als Buchhändlerin verkauft, sondern auch übersetzt. Jedes Jahr am 1.1. beginnt sie mit einem neuen Buch, das sie unter Zuhilfenahme der englischen und französischen Übersetzung ins Arabische überträgt. Nie handelt es sich um ein Buch, das ursprünglich in Englisch oder Französisch geschrieben wurde, nie veröffentlicht sie ihre Übersetzung. Stets legt sie das fertige Manuskript in einem Karton ab, den sie ins Dienstmädchenzimmer oder ins Dienstmädchenbad ihrer Wohnung stellt und dort für Jahre und Jahrzehnte lagert.

Eine überflüssige Frau von Rabih Alameddine weiterlesen

Belletristik, Sachbücher und Reiseberichte aus und über Tschechien und die Slowakei

In diesem Post liste ich Belletristik, Sachbücher und Reiseberichte aus und über Tschechien und die Slowakei auf.

Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe.

Belletristik, Sachbücher und Reiseberichte aus und über Tschechien und die Slowakei weiterlesen

Im Schrank von Tereza Semotamová

„Auf dem Weg verfange ich mich in unsichtbaren Spinnennetzen von Elend und Trostlosigkeit und versinke in Schwermut. Nun ist es also erledigt, geschafft. Es gibt keinen Ausweg mehr. Heute erwartet mich meine erste Nacht im Schrank.“ (Seite 31)

Eine junge Frau lässt ihr Leben in Deutschland hinter sich und kehrt zurück in ihre tschechische Heimat. Hinter ihr liegen Ereignisse, von denen der Leser erst spät im Roman Details erfährt, die jedoch dazu geführt haben, dass sie den Boden unter den Füßen verloren hat, dass sie nicht mehr zurück in ihren Alltag, in ihre Gewohnheiten und Routinen findet.

Sie kommt zuerst bei ihrer Freundin Jana unter, doch bald merkt sie, dass sie Raum für sich und Abstand von anderen Menschen braucht, und so zieht sie kurzerhand in einen alten Schrank, den sie von ihrer Schwester übernimmt und den sie – heimlich und sichtgeschützt – in einer Hinterhofecke abstellt.

Im Schrank von Tereza Semotamová weiterlesen

All das zu verlieren von Leïla Slimani (Hörbuch)

„Sie ist euphorisch, wie Betrüger es sind, die man noch nicht entlarvt hat. Voller Dankbarkeit, geliebt zu werden, und starr vor Angst bei der Vorstellung, all das zu verlieren.“ (Track 22)

Adèle lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn im 18. Arrondissement in Paris, arbeitet in einer Redaktion, hat anscheinend alles, was man sich wünschen kann.

Doch Adèle fühlt nichts als Leere, und sie versucht, diese Leere durch wahllosen Sex mit unzähligen Männern zu füllen. Sie führt ein Doppelleben zwischen ihrem gesellschaftlich akzeptiertem Leben als Ehefrau, Mutter und Journalistin und dem Leben, in dem sie immer wieder (sexuelle) Grenzen überschreiten muss. Sie ist getrieben, die Suche nach etwas, das die Leere füllt, hat Suchtcharakter und bringt sie dazu, alles zu riskieren und alles in Frage zu stellen.

All das zu verlieren von Leïla Slimani (Hörbuch) weiterlesen