Schlagwort-Archiv: Roman

Mirabellentage von Martina Bogdahn (Hörbuch)

„Und ich frage mich mit einem Mal, warum man jemanden erst vermissen kann, wenn er nicht mehr da ist. Unbeirrt lebt man sein Leben weiter. Es kommt Neues hinzu. Und immer seltener erinnert man sich an den Verlust, auch wenn der einst mit solcher Wucht kam, dass man dachte, er bleibe für immer.“ (Track 104)

Blumfeld, ein fiktives Dorf in Franken: Die Ich-Erzählerin Anna stammt von hier und hat drei Jahrzehnte lang für den Dorfpfarrer Josef als Haushälterin gearbeitet.

Anna und Josef kannten sich schon aus Kindheitstagen, und nun ist sie Anfang 50, Josef ist überraschend gestorben, und Anna steht vor einem großen Wendepunkt in ihrem Leben, ihre Zukunft ist vollkommen ungewiss.

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Galleria Umberto von John Horne Burns

„In Neapel gibt es eine Passage, halb Bahnhofshalle und Kathedrale, die Galleria Umberto Primo genannt wird. Man glaubt, in einem Museum zu sein, bis man die Bars und Geschäfte entdeckt. Früher besaß diese Passage eine große gewölbte Glasdecke, doch die Bomben, die auf Neapel fielen, zertrümmerten die Lichtkuppel, Scherben klirrten auf den Marmorboden wie grausamer Schnee. Aber das Leben in der Galleria ging weiter.“ (Seite 9)

John Horne Burns erzählt anhand von verschiedenen Personen und deren Geschichten von der Stadt Napoli und der halb zerstörten Galleria Umberto – wobei die Stadt und die Galleria die eigentlichen Hauptakteure des Romans sind.

Burns berichtet vom Leben in der Stadt im August 1944, erzählt zum Beispiel vom 27-jährigen Michael Patrick, der an seinem letzten Abend in Napoli in die Oper gehen möchte und sich nach einer Frau sehnt, bevor er wieder in die Schlacht zurückkehrt.

Er berichtet zudem von Louella, die sich als Freiwillige beim Roten Kreuz gemeldet hat, und von Giulia, die darunter leidet, wie der moralische Verfall der Menschen in Napoli auch vor ihrer eigenen Familie und ihren Freunden nicht Halt macht.

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Grüne Welle von Esther Schüttpelz

„Ich glaube, es gibt nichts, vor dem man sich mehr fürchten sollte als vor sich selbst.“ (Seite 121)

Eine Frau, deren Namen wir erst spät im Buch erfahren, folgt einer Umleitung. Es ist nachts, sie kommt gerade von einem Kinobesuch mit ihrer Freundin und bemerkt irgendwann, dass sie eine falsche Straße gewählt und sich verfahren hat.

Zu Hause wartet ihr Mann auf sie, doch ihr Handy ist leer und sie kann ihn nicht informieren. Sie nimmt sich (immer wieder) vor, bei der nächsten Gelegenheit zu wenden, doch sie fährt immer weiter und weiter.

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Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy (Hörbuch)

„Und dann wird ihr etwas noch sehr viel Verstörenderes klar: Sie darf nicht mehr sterben. Was sie seit so langer Zeit herbeigewünscht und wovor sie sich gleichzeitig gefürchtet hat, ist jetzt unmöglich geworden.“ (Track 45)

Die 83-jährige Helen Cartwright ist Witwe und kauft nach 60 Jahren in Australien ein Haus in einem kleinen Ort bei Oxford, wo sie geboren wurde.

Sie erwartet nicht mehr viel vom Leben, zieht sich zurück, wartet auf den Tod.

Im Sperrmüll ihres Nachbarn entdeckt sie eines Tages ein Aquarium, das sie in ihr Haus trägt, da es Spielfiguren enthält, die sie an ihren Sohn erinnern.

Kurz darauf bemerkt sie, dass mit den Sachen eine Maus ins Haus gekommen ist, und sie versucht, diese loszuwerden.

Doch dann beginnt sie plötzlich, sich um die Maus zu kümmern. Sie nennt den Kleinen „Merlin“, und Merlin wird schließlich zu einem neuen Sinn ihres Lebens und der Grund dafür, nicht mehr sterben zu wollen.

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Vielleicht im Sommer von Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger (Hörbuch)

„Dass er in der Hölle lebt, weiß er schon seit Jahren. Dass sie noch tiefere Abgründe hat, als zunächst angenommen, ist ihm vor einigen Monaten deutlich geworden. Und dieses Heim ändert nichts an der Situation. Es ist, als würde die Hölle ihm folgen, so als wäre sie nicht an einen Ort, sondern an ihre Verfluchten gebunden. Aber wenn die Hölle ihm folgt, ist das erst recht kein Grund zu bleiben, sondern ein Grund mehr zu gehen.“ (Track 6)

Sommer 2007: Der 15-jährige Kian lebt bei seinem kleinkriminellen Vater in Bielefeld und kommt eines Tages in ein Heim. Die Gründe hierfür erfahren wir erst viel später im Buch.

Kian versteht im Heim sofort, dass er es hier nicht aushalten wird. Er lernt Marco kennen, und die beiden fliehen gemeinsam.

Die beiden machen sich auf den Weg an die Nordsee, denn Marco hat erfahren, dass er dort eine Halbschwester hat, die er nun aufsuchen möchte.

In Vielleicht im Sommer wird die Geschichte ihrer Reise erzählt. Es geht zudem um Erwachsenwerden, um Sehnsüchte und Wünsche, um Verletzungen und Krisen, um Freundschaft und Liebe.

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Umlaufbahnen von Samantha Harvey

„Eine außerirdische Zivilisation würde sich das Ganze wahrscheinlich anschauen und fragen: Was machen die hier? Warum fahren die immer nur im Kreis?“ (Seite 10)

Sechs Personen befinden sich in einem Raumschiff – zwei Frauen und vier Männer. Sie kommen aus Amerika, aus Japan, aus Großbritannien, aus Italien und Russland, sind unterwegs mit 28.000 Kilometern pro Stunde und sind insgesamt neun Monate im All.

Während sie die Erde immer wieder umkreisen, erfahren wir von ihrem Leben, ihren Träumen und Krisen, von Sehnsüchten und Problemen. Und wir lesen davon, wie der Mensch seine Lebensgrundlage zerstört und nichts aus seinen Fehlern lernt.

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Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami

„Von wegen Erfolg verdirbt die Menschen. Erfolg verdirbt niemanden. Er bringt nur das zum Vorschein, was zuvor verborgen blieb.“ (Seite 26f)

Said Mardini flieht aus seiner Heimat Damaskus, kommt 1971 über Beirut nach Frankfurt, reist von da aus weiter nach Heidelberg, hat eine Zulassung für die Universität Heidelberg bekommen.

Erzählt wird initial von seiner ersten Zeit in Deutschland, vom Publizieren auf Arabisch, vom Übersetzen und von seiner Freundschaft mit dem Arzt Klaus, den er bisweilen unterstützt, wenn dieser Arabisch sprechende Menschen behandelt.

Said und Klaus verlieren sich aus den Augen, doch dann meldet sich Klaus nach 31 Jahren überraschend bei Said, weil ein schwerkranker Patient von ihm – Nadim – Said gerne seine Lebensgeschichte erzählen will, in der Frauen eine ganz besondere und wichtige Rolle gespielt haben, und sich wünscht, dass Said diese aufschreibt und veröffentlicht.

„Ich bin ein Mann, der ganz und gar von den Frauen geprägt wurde. […] Was ich denke, wie ich handle, was ich dabei fühle – all das und noch mehr haben die Frauen mir geschenkt.“ (Seite 39f)

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Eine Frau verschwindet von Cécile Tlili

„Zwei Fahrten über das Mittelmeer, um zu begreifen, dass ich meinen Kummer nicht hinter mir lassen kann.“

Sonntag, 3:14 am Morgen: Alice wird wach. Wie häufiger in letzter Zeit findet sie keinen Schlaf mehr. Tagsüber versucht sie, dem Schmerz durch ihre Arbeit aus dem Weg zu gehen, ist gar nach Korsika geflohen, um ihrem Schmerz und ihren Erinnerungen zu entkommen. Doch der Schmerz kehrt jede Nacht zurück.

Alice’ Ehemann Damien hat sie verlassen. Und so entschließt sich Alice, ihren Ehemann und ihre Tochter zurückzulassen, zieht nach der von Damien ausgesprochenen Trennung ohne jede Information aus, sucht sich eine Wohnung in sicherer Entfernung.

In ihrer neuen Bleibe trifft sie auf die Nachbarin Siham. Hilft ihr beim Einkaufen und geht mit ihr zu ihrer Tante. Übernachtet mehrmals bei Siham und entschließt sich schließlich, die junge Frau vor dem zu retten, was diese belastet.

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Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg (Buch und Hörbuch)

„Jeder Mensch ist anders komisch.“ (Seite 16)

Martha E. ist eine alte Dame, die schäbig gekleidet ist und einen verwirrten Eindruck macht, anscheinend aber gar nicht so arm ist, wie sie mit ihrer Erscheinung wirkt.

Im Berliner Viertel, in dem sie lebt, wird gemunkelt, sie sei gar eine Millionärin, besitze ein ganzes Wohnhaus, das ihr von ihrer Affäre, einem Nazi, geschenkt worden sei, damit sie Stillschweigen über ihre Liebelei bewahre.

Shelly Kupferberg erzählt die Geschichte von Martha, die sich 1925 nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Konturistin auf eine Stelle als Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus bewirbt. Es handelt sich um das Haus der Brüder Henry und Ber Berkowitz, die eine zuverlässige Person suchen, die sich um Mieteinnahmen und Ordnung im Haus kümmert.

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Der Buchhändler von Gaza von Rachid Benzine

„Dieser Roman bezieht sich auf Realitäten, wie sie in Gaza-Stadt vor dem 7. Oktober 2023 vorherrschten. Zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung ist Gaza-Stadt größtenteils zerstört, die Bevölkerung traumatisiert, vertrieben oder tot.“ (Seite 5)

Gaza-Stadt im Jahre 2014: Der Fotojournalist Julien Desmanges durchstreift die Gassen der Stadt und trifft auf den Buchhändler Nabil Al Jaber. Julien möchte den Mann fotografieren, doch dieser willigt nur unter der Bedingung ein, dass er dem Fotojournalisten die Geschichte seines Lebens und seiner Heimat erzählt.

Nabil berichtet von der Nakba, vom Aufwachsen im Lager Aqabat Jaber, vom Leben im Lager von Dschabaliya, vom Sechstagekrieg, vom Studium in Kairo, vom Leben in Gaza-Stadt, von Heirat und Kindern, von der ersten und zweiten Intifada, von Gefängnis und Freilassung. Er berichtet auch von der Macht und von der Schönheit von Literatur sowie von der Palästinensischen Autonomiebehörde und dem Einfluss der Hamas.

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