Schlagwort-Archive: Frankreich

Fettnäpfchenführer Frankreich. C’est la vie – aber wie? von Bettina Bouju und Johanna Links

<<Winston Churchill hat einmal so etwas gesagt wie: „Bei den Engländern ist alles erlaubt, was nicht verboten ist. Bei den Deutschen ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Bei den Russen ist alles verboten, auch was erlaubt ist. Und bei den Franzosen ist alles erlaubt, auch was verboten ist.“>> (Seite 11)

Bettina Bouju und Johanna Links erzählen am Beispiel der fiktiven und absichtlich übertrieben dargestellten Austauschschülerin Paula und ihrer Familie von den Fettnäpfchen, die in Frankreich auf ahnungslose Besucher lauern.

Sie berichten von Paris und Metro, Frühstück und Trinkgeld, Maut und Hupen, Mode und Flirten, Smalltalk und Küsschen, Straßenverkehr und banlieue, Aussprache und Fremdwörtern, Parken und Zebrastreifen, Umweltschutz und Schulsystem, Vegetariern und foie gras, Taschendieben und Eiffelturm, Stehklos und Nacktbaden, Austern und Aperitif, Bretonisch und Verlan, Duzen und Siezen, Froschschenkeln und Schnecken, Wein und Champagner.

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Die Entflohene von Violaine Huisman

„Die Kehrseite ihrer Tobsuchtsanfälle war nicht Zurückhaltung, sondern Verehrung. Wir liebten sie über alles […].“ (Seite 14)

Wutanfälle und Beschimpfungen. Vernachlässigung und Gewalt. Alkoholmissbrauch und Medikamentencocktails. Zerbrechen von Beziehungen zum Vater und anderen Bezugspersonen. Emotionale Distanzierung und große Verzweiflung. Zwangseinweisung und Risikoverhalten.

Das ist die tägliche Lebens- und Erlebenswelt der Ich-Erzählerin in Violaine Huismans Roman Die Entflohene, in dem die Autorin von ihrer eigenen Kindheit mit ihrer Mutter mit bipolarer Störung erzählt.

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Langsame Jahre von Fernando Aramburu (Buch und Hörbuch)

„Don Victoriano sagt, Baske ist nur der, der Euskera spricht. Alle anderen sind bloß halbe Basken oder gleich Koreaner.“ (Seite 38)

Ein achtjähriger Junge wird zu Verwandten nach San Sebastían gebracht, da seine alleinerziehende Mutter in Armut lebt, ihn und seine Geschwister nicht mehr versorgen kann. Der Junge teilt sich ein Zimmer mit seinem Cousin Julen, der ihn anfangs piesackt, jedoch bald mit ihm spielt, ihm immer mehr vertraut und ihm schließlich den baskischen Patriotismus nahebringt.

Langsame Jahre wird aus zwei Perspektiven erzählt: Der Junge erzählt einem Autor von seinem Leben, da dieser die Erinnerungen in einem Roman verarbeiten möchte. Der Autor (Fernando Aramburu) macht sich Notizen, die für das Schreiben des Romans essentiell sind, merkt z.B. an, wo er mehr recherchieren muss, wie Orte und Situationen beschrieben werden sollen.

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All das zu verlieren von Leïla Slimani (Hörbuch)

„Sie ist euphorisch, wie Betrüger es sind, die man noch nicht entlarvt hat. Voller Dankbarkeit, geliebt zu werden, und starr vor Angst bei der Vorstellung, all das zu verlieren.“ (Track 22)

Adèle lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn im 18. Arrondissement in Paris, arbeitet in einer Redaktion, hat anscheinend alles, was man sich wünschen kann.

Doch Adèle fühlt nichts als Leere, und sie versucht, diese Leere durch wahllosen Sex mit unzähligen Männern zu füllen. Sie führt ein Doppelleben zwischen ihrem gesellschaftlich akzeptiertem Leben als Ehefrau, Mutter und Journalistin und dem Leben, in dem sie immer wieder (sexuelle) Grenzen überschreiten muss. Sie ist getrieben, die Suche nach etwas, das die Leere füllt, hat Suchtcharakter und bringt sie dazu, alles zu riskieren und alles in Frage zu stellen.

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Bretonisches Vermächtnis von Jean-Luc Bannalec (Hörbuch)

„das einzigartige Zusammenspiel aus Licht und Farben“ (CD 1, Track 1)

Frühsommer im bretonischen Concarneau: Kommissar Dupin genießt die Sonne und das Leben in der Stadt, während die meisten seiner Kollegen im Urlaub sind.

Doch dann ist es vorbei mit der Beschaulichkeit, denn genau vor Dupins Nase kommt zu einem tragischen Todesfall: Der wohlhabende Arzt und Kunstsammler Chaboseau stürzt aus dem vierten Stock seines Hauses in die Tiefe und wird von seiner Ehefrau tot aufgefunden. Die Obduktion zeigt Hämatome, alles deutet auf Fremdeinwirkung hin, und bald kommt es zu weiteren Vorfällen.

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Sehnsucht Frankreich von Thomas Grasberger (Hörbuch)

„Es gibt viel zu entdecken auf dieser akustischen Reise kreuz und quer durch das Sehnsuchtsland Frankreich!“ (Klappentext)

Ich liebe Frankreich, kenne Paris und den Süden Frankreichs recht gut, habe aber auch andere Regionen bereist, z.B. Alsace, Lorraine, Bourgogne, Cévennes, Auvergne und Hautes-Alpes. Nun sind bereits fünf Jahre ohne Frankreichreise vergangen, und das Hörbuch hat tatsächlich meine Sehnsucht und mein Fernweh geweckt. Hier ist der Titel Sehnsucht Frankreich also Programm. Sehnsucht Frankreich von Thomas Grasberger (Hörbuch) weiterlesen

Patria von Fernando Aramburu (Hörbuch)

„Bittori, um der Liebe Jesu Willen, warum steckst du deinen Finger in diese Wunde? Da hab ich ihm geantwortet: Um den ganzen Eiter herauszupulen, der da noch drinnen steckt. Sonst schließt sie sich nie.“

Bittori und Miren – einst beste Freundinnen, die zusammen ins Kloster gehen wollten, aber schließlich beide 1963 geheiratet haben – haben sich voneinander entfremdet: Während Bittoris Ehemann Txato vor über 20 Jahren von Terroristen der Euskadi Ta Askatasuna (ETA) erschossen wurde, sitzt Mirens Sohn Joxe Mari wegen seiner ETA-Aktivität im Gefängnis.

Seit seinem gewaltsamen Tod besucht Bittori regelmäßig das Grab Txatos und spricht mit ihm. Nun hat sie eine Entscheidung getroffen, mit der sie ihn konfrontieren möchte: Sie will am selben Abend in ihr altes Haus zurückkehren, das sie nach seiner Ermordung verlassen hat.

Bittoris Wiederauftauchen im Dorf sorgt für Aufregung bei den Bewohnern, vor allem bei Miren, die der alten Freundin nur noch ablehnende und feindliche Gefühle entgegenbringt. Patria von Fernando Aramburu (Hörbuch) weiterlesen

Kleines Land von Gaël Faye (Hörbuch)

„Wir wussten es noch nicht, aber die Zeit des Infernos war gekommen.“

Zwischen April und Juli 1994 kam es in Ruanda zu extremen Gewalttaten, die zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen das Leben kosteten. In diesen knapp 100 Tagen massakrierten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75% der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie Hutu, die sich nicht an diesem Völkermord beteiligten. Die Stimmung von Hass und Gewalt schwappte zudem auf das kleine Nachbarland Burundi über, in dem es bereits in den Jahrzehnten zuvor mehrere Kämpfe zwischen Hutu und Tutsi gab, wo die Geschehnisse in den 1990er Jahren jedoch nicht das Ausmaß des Genozids in Ruanda erreichten.

Ein Teil der Handlung in Kleines Land ist in dieser hochexplosiven Zeit angesiedelt, so dass der Leser den Autor in das kleine ostafrikanische Land begleiten und so an den Geschehnissen der 1990er Jahre teilhaben kann. Kleines Land von Gaël Faye (Hörbuch) weiterlesen

Das Verschwinden des Josef Mengele von Olivier Guez

„Bis zu den Zerstörungen der letzten Kriegsjahre haben alle vom System profitiert. Niemand hat Einspruch erhoben, als die Juden auf Knien die Bürgersteige scheuerten, und keiner hat etwas gesagt, als sie plötzlich über Nacht verschwunden sind.“

Helmut Gregor befindet sich an Bord des Ozeandampfers North King auf dem Weg von Italien nach Argentinien. Er hat einen langen Weg hinter sich, ist im Januar 1945 aus Polen geflohen und in der Wehrmacht untergetaucht, hat dann mehrere Wochen in einem amerikanischen Gefangenenlager verbracht, lebte unter falscher Identität in Bayern, und möchte sich nach vier Jahren der Rastlosigkeit und der Angst vor Entdeckung nun in Lateinamerika ein neues Leben aufbauen.

Helmut Gregor ist Josef Mengele, der berühmt-berüchtigte Lagerarzt von Auschwitz, der mit seinen menschenverachteten medizinischen Experimenten in die Annalen der Geschichte eingegangen ist.

Mit der Unterstützung von Juan und Eva Perón sowie von zahlreichen Menschen mit nationalsozialistischer Gesinnung gelingt es Mengele, sich für seine Verbrechen aus der Verantwortung zu ziehen und in Lateinamerika unterzutauchen. Das Verschwinden des Josef Mengele von Olivier Guez weiterlesen

Wer hat meinen Vater umgebracht von Édouard Louis

„Sie sind einander räumlich nah, doch sie dringen nicht zueinander durch.“ (Seite 7)

Édouard Louis hat seinen Vater seit Jahren nicht gesehen, und als er ihn nach dieser langen Zeit besucht, erkennt er ihn kaum wieder: Er ist vorzeitig gealtert, hat Probleme beim Gehen und beim Atmen, leidet an Diabetes.

In Wer hat meinen Vater umgebracht erzählt Louis von seiner Kindheit und Jugend, von der schwierigen Interaktion zwischen ihm und seinem Vater, von der zur Schau getragenen Männlichkeit und der unterdrückten Emotionalität seines Vaters, von der Trennung seiner Eltern, vom Arbeitsunfall seines Vaters, in dessen Folge dieser wochenlang das Bett hüten musste und den Rest seines Lebens von chronischen Schmerzen geplagt wurde.

Was als persönlicher Bericht über das Leben von Vater und Sohn sowie die Beziehung zwischen den beiden begann, wird nach den Schilderungen des Arbeitsunfalls und den erwähnten Kürzungen der Sozialleistungen schließlich zur politischen Debatte, zur Streitschrift, zur Abrechnung mit der französischen Regierung. Wer hat meinen Vater umgebracht von Édouard Louis weiterlesen