Archiv der Kategorie: Nordamerika

Fuchs 8 von George Saunders

„Das machte mir ein gutes Gefül, so als könnten Mänschen Libe fülen und zeigen. Mit anderen Worten, Hoffnung für di Zukunf von der gansen Erde!“

Fuchs 8 beobachtet Tag für Tag eine Menschenfamilie, eignet sich so nach und nach die Sprache der Menschen an, studiert ihr Verhalten, lernt, was die Menschen über Füchse und über andere Tiere denken.

Eines Tages wird der Lebensraum der Füchse für den Bau einer Shopping-Mall zerstört, die Nahrungsgrundlage bricht für die Füchse weg, immer mehr Tiere sterben, und so beschließt Fuchs 8, seine Sprachkenntnisse zu nutzen, um zur Mall zu gehen und mit den Menschen zu reden.

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Die Wurzeln des Lebens von Richard Powers

„Wann ist die beste Zeit, um einen Baum zu pflanzen? Vor zwanzig Jahren.“ (Seite 46, chinesisches Sprichwort)

Jørgen Hoel, der als Einwanderer von Norwegen nach Amerika kam, bestellt zusammen mit seiner Frau Vi einen Flecken Land in Iowa. Dort pflanzt er Kastanienbäume an, doch ein Baum nach dem anderen stirbt, so wie Jørgen und seine Frau auch einige ihrer Kinder zu Grabe tragen. Doch ein Baum überlebt, wächst und gedeiht, und Jørgens ältester Sohn John beginnt damit, jeden Monat am 21. ein Foto dieses Baumes aufzunehmen. Ein Ritual, das von Generation zu Generation weitergegeben wird – bis zu Nick, dem Urururenkel Jørgens, der 120 Jahre später noch immer fasziniert vom majestätischen Kastanienbaum ist. Die Farm der Hoels gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, das Land ist an Firmen verpachtet, doch das Haus und der Baum stehen noch immer.

Neben dieser Geschichte um die Hoels und ihren Kastanienbaum führt Richard Powers im ersten Kapitel („Wurzeln“) sieben weitere Erzählstränge ein, z.B. die Geschichte des chinesischen Einwanderers Sih Hsuin, der einen Maulbeerbaum pflanzt und nach seinem Tod drei Töchter, drei Jade-Ringe und eine alte, wertvolle Bildrolle hinterlässt, und die Geschichte der Wissenschaftlerin Patricia Westerford, die entdeckt, dass Bäume miteinander kommunizieren. Der gemeinsame Nenner aller Handlungsstränge ist ein Baum, der für die jeweilige Person eine besondere Bedeutung hat. Die Wurzeln des Lebens von Richard Powers weiterlesen

American War von Omar El Akkad (Hörbuch)

„Als ich jung war, sammelte ich Postkarten. […] Meine liebsten Postkarten stammen aus den 2030er und 2040er Jahren, den beiden letzten Jahrzehnten, bevor der Planet sich gegen das Land wandte und das Land gegen sich selbst. Es waren Bilder von den großen Ozeanstränden, bevor der ansteigende Meeresspiegel sie verschlang; Bilder aus dem Südwesten des Landes, bevor nur Asche davon blieb; Fotografien von den endlosen Ebenen des Mittleren Westens, menschenleer unter strahlend blauem Himmel, bevor sich in der großen Wanderung all die vielen, die ihre Heimat an den Küsten verloren hatten, hier niederließen. Bilder, die an ein Amerika erinnerten, wie es in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts gewesen war: überschäumend und übermütig, selbstvergessen, als gäbe es kein Morgen.“

Mich hat American War so begeistert, dass ich erst das Buch gelesen und direkt im Anschluss das Hörbuch gehört habe. Wie in meiner Buchrezension zu American War ausführlich beschrieben, behandelt der Roman von Omar El Akkad den Zweiten Amerikanischen Bürgerkrieg, der im Jahre 2074 begann und 2095 beendet wurde. Im Mittelpunkt des Romans steht Sara T. Chestnut, die seit ihrer Kindheit „Sarat“ genannt wird und deren Leben durch den Bürgerkrieg aus den Fugen gerät. American War von Omar El Akkad (Hörbuch) weiterlesen

9/11. Ein Tag, der die Welt veränderte von Baptiste Bouthier und Héloïse Chochois

„Eines dieser Ereignisse, bei dem jeder genau weiß, wo er gewesen ist, als er davon erfahren hat.“ (Seite 5)

Im Jahre 2001 ist die Heldin der Graphic Novel 14 Jahre alt. Zwanzig Jahre später sitzt sie in einem Flugzeug nach New York und erzählt im Rückblick von den Ereignissen des 11. September 2001. Sie berichtet davon, wie sie als Jugendliche von den Anschlägen erfahren hat, was genau am 11. September 2001 passiert ist, wie sich die Welt nach dem Anschlag verändert hat.

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América von T.C. Boyle

Bei einem Autounfall treffen zwei Welten aufeinander: Beim Fahrer handelt es sich um Delaney Mossbacher, einen reichen Kalifornier, der (wie viele seiner reichen Nachbarn) von der Angst vor Übergriffen durch Coyoten und Mexikaner getrieben wird und sich ansonsten mit Luxussorgen beschäftigt. Der Angefahrene ist der illegale Einwanderer Cándido, der mit seiner schwangeren Frau América aus Mexiko geflohen ist, um in den Vereinigten Staaten ein neues und besseres Leben zu beginnen. In den darauf folgenden Minuten und Stunden entwirft T. C. Boyle ein gnadenloses Bild einer amerikanischen Metropole und der unsäglichen Kluft zwischen Arm und Reich. América von T.C. Boyle weiterlesen

Irische Passagiere von Richard Ford (Hörbuch)

„Und er spürte, dass diese Dinge, dass all diese einzelnen Dinge in Wahrheit zusammenhingen.“ (CD 2, Track 51)

Richard Ford erzählt in den neun Erzählungen in seinem Buch Irische Passagiere davon, wie schnell sich das Leben ändern kann, spricht von Jugend und Erwachsenwerden, von Beziehungen und Trennungen, von Krankheit und Tod, von Glück und Trauer.

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Brandsätze von Steph Cha

„Wenn dies das Feuer war, waren sie die Flamme. Sie waren Teil davon, geschützt in der Glut.“ (Seite 22)

Als 2019 der unbewaffnete Highschoolschüler Alfonso Curiel im eigenen Hinterhof von einem Polizisten erschossen wird, kommt es in Los Angeles zu Unruhen. Die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt, und die Bewohner von LA fühlen sich an ähnliche Begebenheiten mit rassistischem Hintergrund erinnert, die immer wieder Schlagzeilen machen.

In dieser turbulenten Zeit verweben sich die Schicksale von zwei ganz unterschiedlichen Familien:

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Hard Land von Benedict Wells (Hörbuch)

„Bis ich dahinter wieder die Angst spürte, die ich aus meiner Kindheit kannte: Dass der Moment gleich kippen und etwas Schlimmes geschehen würde.“ (CD 1, Track 1)

Missouri im Jahre 1985: Dem 15-jährige Sam ging es schon besser, seine Mutter ist schwerkrank, der Vater arbeitslos, der beste Freund nach Kanada gezogen.

Sam ist einsam, und seine Eltern möchten das ändern, ihn nach Kansas zu Familienangehörigen schicken. Um dies abzuwenden, nimmt Sam einen Ferienjob im Kino Metropolis an.

Der Nebenjob entwickelt sich bald zu mehr, denn dadurch findet Sam neue Freunde, verliebt sich, stellt sich seinen Ängsten.

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Underground Railroad von Colson Whitehead (Buch und Hörbuch)

„Wenn man ein Ding war – ein Karren, ein Pferd oder ein Sklave -, bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeiten, die man hatte.“

Ajarry wird von Ouidah im heutigen Benin aus in die Neue Welt verschifft, unterwegs von ihrer Familie getrennt, mehrfach als Sklavin verkauft und weiterverkauft, vergewaltigt und misshandelt. Schließlich landet sie in Georgia, wo sie auf der Randall-Plantage schuftet und fünf Kinder zur Welt bringt, von denen nur eines überlebt: Mabel.

Mabel flüchtet viele Jahre später von der Plantage und lässt ihre einzige Tochter – Cora, die Hauptprotagonistin von Colson Whiteheads Roman – allein zurück.

So ist Cora im Alter von 10 oder 11 Jahren auf sich gestellt, muss auf der Baumwollplantage hart arbeiten, Vergewaltigungen, Auspeitschungen, Prügel, Benachteiligung und Isolation ohne jede Unterstützung ertragen.

Eines Tages tritt Caesar, ein anderer Sklave auf der Randall-Plantage, an Cora heran und fragt sie, ob sie mit ihm fliehen möchte. Sie lehnt ab, hat zu viel Angst vor den Konsequenzen eines gescheiterten Fluchtversuchs, aber schließlich stimmt sie doch zu, und so machen sich die beiden auf den Weg in den Norden. Underground Railroad von Colson Whitehead (Buch und Hörbuch) weiterlesen

Das Nest. Gesamtausgabe 1: Marie – Serge – Die Männer von Régis Loisel und Jean-Louis Tripp

„Geht nicht gibt‘s nicht“ (Seite 29)

Die 1920er Jahre in der kanadischen Provinz Québec: Den Eltern von Felix Ducharme gehört der Dorfladen in Notre-Dame am See, den Felix schließlich übernimmt. Zwanzig Jahre lang ist Felix mit der fünf Jahre jüngeren Marie verheiratet, und als er stirbt, überlegt Marie, ob sie nicht in ihre Heimat Chicoutimi zurückkehren soll, denn in Notre-Dame am See ist sie immer noch die Zugezogene, keine Heimische.

Doch Marie bleibt und behält den Dorfladen, arbeitet hart, ist Stütze und Hilfe für viele im Dorf.

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