
„Ich beginne, diese Briefe zu lesen, versuche zu rekonstruieren, was für ein Leben meine Vorfahren gelebt haben, was für rasante persönliche und gesellschaftliche Entwicklungen sie durchgemacht haben – und wie schmerzlich alles, was sie sich mühselig und kühn erarbeitet hatten, von einer Sekunde auf die andere zunichtegemacht wurde. Bevor dann sie zunichtegemacht werden sollten.“ (Seite 9)
Isidor – oder Innozenz oder Ignaz oder Israel – ist der Wiener Urgroßonkel von Shelly Kupferberg. Einst war Isidor ein herrischer Mann, doch nach einer Verhaftung durch die Nazis am Tag des Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich im Jahre 1938 hatte Isidor Angst und war nur noch ein Schatten seiner selbst.
Bis dahin war Isidor ein sogenannter gemachter Mann, wurde von vielen (aber nicht von allen) „bewundert für das, was er geschafft hatte“ (Seite 13)
Aufgewachsen ist Isidor mit vier Geschwistern im Schtetl im ostgalizischen Tłumacz, später hat er in Lemberg und Wien studiert und ist zu großem Reichtum gekommen – und hat diesen durch die Nazis wieder verloren.
„Die Nazis hatten ihn binnen kürzester Zeit zu dem gemacht, was sie in ihm sehen wollten: eine Elendsfigur.“ (Seite 209)
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