Ein Jahr in Südafrika. Reise in den Alltag von Kristina Maroldt

„Die afrikanische Nacht kann einem Angst machen. Weil man sich in ihr so unbedeutend fühlt wie selten sonst auf der Welt. Doch sie ist auch einer der wenigen Momente, in denen der sonst so fremde Kontinent seine Arme öffnet und jeden darin aufnimmt.“ (Seite 186)

Die Journalistin Kristina Maroldt begleitet ihren Freund Max nach Kapstadt, wo ihm eine Korrespondentenstelle angeboten wurde und wo die beiden ein ganzes Jahr verbringen.

In Ein Jahr in Südafrika erzählt Maroldt von Minibus-Taxi und Verkehrstoten, Morden und Vergewaltigungen, ANC und Apartheid, Equality Court und Rassismus, Coon Carnival und Cape Flats, Gangs und Tik, Haaren und Mode, Xhosas und Zulus, Nyanga und Transkei, HIV und antiretroviraler Therapie, Rugby und Football, Buren und Campen, Halbmarathon und Picknick, Autodiebstahl und Lässigkeit, Johannesburg und Kapstadt, Nadine Gordimer und Nelson Mandela, Korruption und Wahrheits- und Versöhnungskommission, Sangoma und Stammesrecht, Ubuntu und Sterkfontain Caves. Ein Jahr in Südafrika. Reise in den Alltag von Kristina Maroldt weiterlesen

Tagwerk. Die Kunst des Lebens und Überlebens von Iago Corazza und Greta Ropa

„Aber ist das wirklich ein Beruf in Ihrem Land?“ (Seite 10)

Als ich vor mehr als 17 Jahren für ein paar Wochen im Jemen war, habe ich mich länger mit einem Beduinen aus der Ramlat as-Sabatayn unterhalten. Als er mich fragte, was mein Beruf ist, habe ich ihm erzählt, dass ich Psychologie studiere. Mein Arabisch-Wörterbuch erwähnte ein eindeutiges Wort dafür, aber der Beduine konnte mit dem Begriff nichts anfangen, und auch als ich näher ins Detail ging, was zum Beruf eines Psychologen gehört, hatte er keinen Aha-Effekt. Der Beruf des Psychologen hatte in seiner Welt, in der man starke Familienbeziehungen hat und keinem Fremden das Herz ausschüttet, keinerlei Bedeutung und keine Entsprechung.

So ging es auch den Autoren/Fotografen des Bildbands Tagwerk, die bei ihrer Arbeit immer wieder auf Menschen trafen, die nicht recht verstanden, dass Beobachten und Staunen Teil von Gelderwerb sein können.

Umgekehrt ist es so, dass die im Buch erwähnten Berufe durchaus auch in der westlichen Welt bekannt sind, auch wenn man in Mitteleuropa nie oder kaum noch Färber, Wäscher, Weber, Lastenträger oder Münzenmacher trifft bzw. sich Berufe zwischen Europa und der „dritten Welt“ deutlich unterscheiden, z.B. Bäcker, Frisöre, Schneider oder Restaurantbesitzer. Tagwerk. Die Kunst des Lebens und Überlebens von Iago Corazza und Greta Ropa weiterlesen

Gott Aids Afrika von Bartholomäus Grill und Stefan Hippler

Nach einem Vorwort zur Taschenbuchausgabe kommt Henning Mankell zu Wort und erzählt von seinen Gedanken zu Aids/HIV und Afrika.

Im Anschluss daran berichten Bartholomäus Grill – langjähriger Afrika-Korrespondent der Zeit – und Stefan Hippler – Priester und Aids-Aktivist in Südafrika – unter anderem vom Ausmaß der HIV-Infektionen in Afrika, von der Entstehung der Hilfsorganisation HOPE Cape Town, von der südafrikanischen Aids-Politik, von der widersprüchlichen Moral der römisch-katholischen Kirche, von Hoffnungen und Grenzen antiretroviraler Medikamente und den zahlreichen Problemen und Hindernissen, die eine erfolgreiche Aufklärung und Prävention in Afrika so schwierig machen. Gott Aids Afrika von Bartholomäus Grill und Stefan Hippler weiterlesen

Provenzalische Schuld von Sophie Bonnet

„Alle Brücken abbrechen.“ (Seite 45)

Pierre Durand und seine Freundin Charlotte freuen sich auf ihren ersten gemeinsamen Urlaub, doch wenige Tage vor der Abreise erhält Pierre einen besorgten Anruf von Arnaud Rozier, dem Bürgermeister von Sainte-Valérie. Arnauds Ehefrau Nanette ist seit fast 2 Wochen verschwunden, seit sie nach einem Streit mit Arnaud das Haus verlassen hat.

Arnaud vermutet, dass Nanette etwas Abstand und Ruhe braucht, aber dann taucht die Kriminalpolizei bei ihm auf, weil diese einen anonymen Hinweis erhalten hat, dass Arnaud seiner Frau etwas angetan haben könnte. Daraufhin bittet Arnaud Pierre, inoffiziell nach Nanette zu suchen. Provenzalische Schuld von Sophie Bonnet weiterlesen

Das Herz des Jägers von Deon Meyer

„Er fragte sich, ob es Hoffnung gab. Für Afrika. Für dieses Land.“

Ein ehemals hochrangiger Mitarbeiter des Geheimdienstes, Johnny Kleintjes, befindet sich in der Gewalt von Kidnappern, die sich mit Kleintjes‘ Tochter Monica in Verbindung setzen und von ihr – unter Androhung der Tötung des Vaters – die Auslieferung einer Festplatte verlangen. Sie bittet daraufhin Thobela „Tiny“ Mpayipheli um Hilfe, der ein alter Freund ihres Vaters ist und in Ehrenschuld bei ihm steht.

Thobela, der seine kriminelle Vergangenheit hinter sich gelassen hat und nun mit Miriam und ihrem Sohn ein friedliches und geordnetes Leben führt, macht sich daraufhin auf den Weg nach Lusaka, wo er binnen 72 Stunden die Festplatte übergeben soll, um Johnny Kleintjes zu retten. Doch dann wird der Geheimdienst auf Thobela angesetzt und eine Jagd durch den Süden Afrikas beginnt. Das Herz des Jägers von Deon Meyer weiterlesen

Nelson Mandela von Christian Nürnberger und Stephan Kaußen

„Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen wegen seiner Hautfarbe, seiner Lebensgeschichte oder seiner Religion zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen, und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil.“ (Nelson Mandela)

Das Buch von Christian Nürnberger und Stephan Kaußen ist in zwei Teile gegliedert: Im ersten Teil berichtet Nürnberger vom Leben Nelson Mandelas, seiner Kindheit und Jugend, der Arbeit in einer Goldmine und in einer Anwaltskanzlei, von Widerstand und Inhaftierung, von seiner Präsidentschaft und seinem Tod. Darin verflochten ist die Geschichte Südafrikas sowie des gesamten Kontinents, die Kolonialzeit, die Unabhängigkeitsbewegung und die Apartheid. Diesen ersten Teil des Buches fand ich sehr leicht und schnell lesbar, und er bietet einen hervorragenden Einblick in die Person und die Persönlichkeit Mandelas. Die wichtigsten Aspekte sind gut zusammengefasst, so dass man erste Eckpfeiler seines Lebens kennenlernt, man mit der Fülle an Informationen aber zu keinem Zeitpunkt überfordert wird. Nelson Mandela von Christian Nürnberger und Stephan Kaußen weiterlesen

Memory Wall von Anthony Doerr

„Ohne Gedächtnis sind wir nichts.“ (Luis Buñuel)

Im amerikanischen Original beinhaltet das Buch Memory Wall sechs verschiedene Geschichten von Anthony Doerr. Die vorliegende deutsche Ausgabe enthält jedoch nur die Novelle Memory Wall. Die restlichen Geschichten sind 2017 bei C.H. Beck unter dem Titel Die Tiefe erschienen.

Alma Konachek ist 74 Jahre alt, seit wenigen Jahren verwitwet und leidet seit drei Jahren an einer fortschreitenden Demenz. Sie lebt in einem Vorort Kapstadts und nimmt seit drei Jahren an einem Projekt von einem gewissen Dr. Amnesty teil. Hierfür wurden ihr Ports implantiert, die ihr das Wiedererleben ihrer eigenen Erinnerungen mittels aufgenommenen Kassetten ermöglichen. Memory Wall von Anthony Doerr weiterlesen

Meine afrikanischen Lieblingsmärchen von Nelson Mandela

Einem Vorwort von Nelson Mandela folgen 30 Märchen vom „Schwarzen Kontinent“. Dabei stammen die meisten Märchen aus dem südlichen Afrika (z.B. aus Südafrika, Swasiland, Lesotho und Botswana), ein Teil jedoch auch aus dem arabisch-muslimischen Raum, Ost-, West- und Zentralafrika. Meine afrikanischen Lieblingsmärchen von Nelson Mandela weiterlesen

Südafrika-Thema im Juni 2018

Nelson Mandela (2008), Quelle: Wikipedia.

Den Sommer 1989 durfte ich in der Pionierrepublik Wilhelm Pieck am Werbellinsee verbringen, wo ich vier Wochen mit Kindern und Jugendlichen aus aller Welt zusammen war. Ich habe dort eine wundervolle Zeit gehabt und mich – auch aufgrund der vielen persönlichen Begegnungen – erstmals mit Politik beschäftigt.

Zwei Themen standen bei meinem Aufenthalt immer wieder im Mittelpunkt: Palästina und Südafrika. Das DDR-Regime stand Palästina sehr nahe und war Gegner der Apartheid in Südafrika, so dass im Sommer 1989 die Weichen für meine späteren Überzeugungen gestellt wurden, denn sowohl der Nahostkonflikt als auch der Kampf gegen die Apartheid sind Themen, die mich noch heute beschäftigen und bewegen. Südafrika-Thema im Juni 2018 weiterlesen