Umgang mit suizidgefährdeten Menschen von Michael Eink und Horst Haltenhof

„Der Tod geht uns nichts an. Solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr.“ (Seite 10, Zitat von Lukrez)

Ich bin Psychologin und komme deshalb immer wieder mit Suizidalität in Kontakt, doch ich finde das Thema Suizid nicht nur aus beruflicher Sicht relevant, sondern auch aus persönlichen Gründen, da ich weiß, in welchen Abgrund man durch den Suizid eines nahestehenden Menschen gerissen wird.

Ich finde, dass man über Selbsttötung offener sprechen muss, um Menschen in Extremsituationen kompetente Hilfe anbieten, mit Vorurteilen und falschen Überzeugungen aufräumen und Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben, eine emotionale Stütze geben zu können, denn der Verlust durch Suizid ist meiner Meinung nach anders als ein Verlust durch schwere körperliche Krankheit oder einen Unfall und hinterlässt bei den Angehörigen oft eine tiefe Schuld, eine ausgeprägte Wut und/oder ein völliges Unverständnis.

Michael Eink und Horst Haltenhof behandeln das Thema Suizid in seiner ganzen Breite, sprechen von ethischen Gesichtspunkten, der rechtlichen Situation, Epidemiologie und Begrifflichkeiten wie Parasuizid und Bilanzsuizid, Suizidraten und Methoden, Risiko- und protektiven Faktoren, psychologischen Erklärungsmodellen, Erkennen und Beurteilen von Suizidalität, Krisenintervention und Prävention sowie Folgen einer Suizidhandlung.

Die beiden Autoren räumen in ihrem Buch mit (gefährlichen) Mythen auf, die leider immer noch in den Köpfen der Menschen herumgeistern und so einer echten Hilfestellung und Unterstützung von suizidalen Menschen im Wege stehen, z.B. die Vorstellung, dass Menschen, die einen Suizid ankündigen, diesen soundso nicht ausführen werden, sowie die Idee, dass man nicht nach Suizidalität, Suizidgedanken, Lebensmüdigkeit fragen darf, weil man damit jemanden erst auf die Idee bringt.

Umgang mit suizidgefährdeten Menschen ist sehr informativ und verständich, fasst die wichtigsten Aspekte von Suizidalität auf sehr kompakte Weise zusammen und eignet sich meiner Meinung nach sowohl für interessierte Laien als auch für erfahrene Professionelle, die sich gerne mehr mit der Thematik beschäftigen möchten.

Das Buch ist ein Fachbuch, kein Selbsthilferatgeber. Mir hat es aufgrund des komplexen Auseinandersetzens der Autoren mit dem Thema aber nicht nur für meine berufliche Tätigkeit weitergeholfen, sondern das Buch hat mir auch Impulse geboten, um den Suizid eines mir wichtigen Menschen zu einem Stück weit besser akzeptieren und meinen Frieden mit seiner Entscheidung machen zu können, weil Eink und Haltenhof nicht in S/W denken, sondern Grautöne beschreiben, was sehr dabei hilft, eine radikale Entscheidung wie einen Suizid – zumindest ansatzweise – zu verstehen und nachzuvollziehen.

Michael Eink und Horst Haltenhof: Basiswissen. Umgang mit suizidgefährdeten Menschen. Psychiatrie Verlag, 2017, 160 Seiten; 18 Euro.

Dieser Post ist Teil des Monatsthemas „Psychische Störungen“ im Februar 2019.

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