Schlagwort-Archiv: Nationalsozialismus

Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg (Buch und Hörbuch)

„Jeder Mensch ist anders komisch.“ (Seite 16)

Martha E. ist eine alte Dame, die schäbig gekleidet ist und einen verwirrten Eindruck macht, anscheinend aber gar nicht so arm ist, wie sie mit ihrer Erscheinung wirkt.

Im Berliner Viertel, in dem sie lebt, wird gemunkelt, sie sei gar eine Millionärin, besitze ein ganzes Wohnhaus, das ihr von ihrer Affäre, einem Nazi, geschenkt worden sei, damit sie Stillschweigen über ihre Liebelei bewahre.

Shelly Kupferberg erzählt die Geschichte von Martha, die sich 1925 nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Konturistin auf eine Stelle als Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus bewirbt. Es handelt sich um das Haus der Brüder Henry und Ber Berkowitz, die eine zuverlässige Person suchen, die sich um Mieteinnahmen und Ordnung im Haus kümmert.

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Reichskanzlerplatz von Nora Bossong

„Sie saß so allein, als habe sich die ganze Welt von ihr abgewandt, und ich hätte mich gern zu ihr gesetzt, meine Hand auf ihren Arm gelegt, aber sie war sie sieben Jahre älter als ich, und auch wenn sie in diesem Moment verletzlich wirkte, sie hätte meine große Schwester sein können, und sie war bereits verheiratet.“ (Seite 31)

Der Reichskanzlerplatz in Berlin wurde 1904 angelegt und wurde 1933 in Adolf‑Hitler‑Platz umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wählte man vorerst den alten Namen Reichskanzlerplatz, doch 1963 wurde der Ort nach dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland benannt: Theodor‑Heuss‑Platz. Seitdem trägt er diesen Namen.

Der fast 13-jährige Ich‑Erzähler Hans Kesselbach, ein fiktionaler Charakter, lernt in der Schule Hellmut Quant kennen, spürt eine besondere Anziehung und Faszination für dessen Stiefmutter Magda Quandt, die nur wenige Jahre älter als Hans und Hellmut ist. Später werden Magda und Hans ein Liebespaar, bevor Magda die Beziehung beendet und schließlich Joseph Goebbels heiratet.

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Columbusstraße. Eine Familiengeschichte 1935 – 1945 von Tobi Dahmen

„In dem endlosen Fluss der Zeit, der alles mit sich mitreißt, sind Erinnerungen die Steine im Flussbett… das, was aus den Fluten ragt, was übrig bleibt. Die glitschigen Steine, über die wir zurückspringen können…“ (Seite 2)

Tobi Dahmen erzählt vom Geburtshaus seines Vaters in der Columbusstraße im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel. Er berichtet von Gestapo und Antisemitismus, erstarkendem Nationalsozialismus, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, von Bombenangriffen, Russlandfeldzug, Hunger, Krankheiten und Holocaust.

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Leben und Sterben in Auschwitz von Dietmar Reinhard

„Der Führer hat die Endlösung der Judenfrage befohlen. Die Juden sind die ewigen Feinde des deutschen Volkes und sie müssen ausgerottet werden. Wir, die SS, haben diesen Befehl des Führers durchzuführen.“ (Seite 45)

Rudolf Höß, ehemaliger Lagerkommandant von Auschwitz, kehrt im April 1947 in die polnische Stadt zurück, und hier wird sein Todesurteil vollstreckt.

Dietmar Reinhard erzählt in seiner Graphic Novel vom Aufbau des KZ Auschwitz, von Kapos und Lagerleben, Tod und Sterben, Gewalt und Willkür, Schikanen und Strafen, Hunger und Krankheiten, der Endlösung und der Befreiung des KZ. Er berichtet zudem von Höß’ Einfluss und seinen Ideen, die die Todesmaschinerie erst möglich gemacht haben.

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Struwwelhitler. A Nazi Story Book by Dr. Schrecklichkeit von Philip und Robert Spence

„Es handle sich beim Struwwelhitler um nichts anderes als ein etwas derbes Nebenprodukt des britischen Glaubens, daß sich durch einen Witz die verrückten Weltläufe sowie die Zumutungen des Lebens am besten bewältigen ließen.“ (Vorwort von Joachim Fest)

Bereits 1941 erschien der Struwwelhitler des Doktor Schrecklichkeit. Dabei wird Goebbels zum „Gobby“, Göring zum „flying Hermann“, Mussolini zum „Musso-Guck-in-die-Luft“ und Hitler zum „Zappel-Adolf“.

Es handelt sich um eine Parodie auf den Original Struwwelpeter, geschrieben von Robert und Philip Spence.

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Wannsee. Graphic Novel von Fabrice Le Hénanff

„Wir wissen nicht mehr, wohin mit den Juden… Kurz, wir sind hier versammelt, um die technischen Einzelheiten für die Endlösung der Judenfrage zu regeln.“ (Seite 22)

Die Graphic Novel behandelt eines der Schlüsselereignisse des Holocausts an den europäischen Juden: die Wannsee-Konferenz.

Am 20. Januar 1942 treffen sich in einer prächtigen Villa am Wannsee 15 hochrangige Vertreter des Dritten Reiches, „um den Willen des Führers umzusetzen“ (Seite 13). Es handelt sich um eine geheime Zusammenkunft mit Obergruppenführer Heydrich, der die Konferenz leitet.

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Die letzten 100 Tage Hitlers von Jean-Pierre Pécau, Filip Andronik, Senad Mavric und Jean Verney

„Wenn wir untergehen, reißen wir eine ganze Welt mit uns.“ (Seite 10)

Die Graphic Novel beginnt mit den Ereignissen am 15. Januar 1945: Adolf Hitler verlässt sein Hauptquartier für die Westfront in Hessen und macht sich auf den Weg nach Berlin.

Auch Eva Braun trifft in der Reichskanzlei ein und bezieht den Führerbunker.

Die Autoren erzählen von verschiedenen Situationen an den Kriegsfronten, von Verlusten und Scheitern, von verbrannter Erde, von Konzentrationslagern, vom Vorrücken der Roten Armee, vom Leben im Führerbunker, von Befehlen und Befehlsverweigerungen.

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Rath von Volker Kutscher (Buch und Hörbuch)

„Der Bahnhof war einer der hässlichsten der Stadt, trotzdem mochte sie ihn; wenn sie Berlin verließ oder zurückkehrte, war es fast immer der Bahnhof Zoologischer Garten, in dem sie ein- oder ausstieg. Und die Gedächtniskirche sagte ihr jedesmal: Du bist wieder da, bist wieder in Berlin, mein Kind.“ (Seite 29)

September 1938: Gereon Rath ist mit einem gefälschten US-amerikanischen Pass wieder nach Deutschland gereist, da sein Vater im Sterben liegt. Er und Charly sind wieder vereint – zumindest alle vier Wochen, wenn sie sich heimlich und unter falscher Identität in einem Hotel treffen. Gereon gilt nach wie vor als tot, muss sich verstecken, am besten so schnell wie möglich das Land wieder verlassen, fühlt sich aber wegen seines Vaters, der doch nicht so schnell stirbt wie gedacht, noch gebunden an Deutschland. Charly möchte lieber früher als später in die USA ausreisen, solange das noch möglich ist und bevor es zum Krieg kommt.

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Märzgefallene/Lunapark von Volker Kutscher (Hörbuch)

„Das Misstrauen war zur Grundbefindlichkeit des neuen Deutschlands geworden.“ (Märzgefallene, Track 258)

Inhaltsangabe von Märzgefallene:
Am Nollendorfplatz wird eine Leiche gefunden: ein Weltkriegsveteran, der obdachlos war und tagelang tot und unbeachtet an einem stählernen Pfeiler saß. Bald steht fest, dass der Mann ermordet wurde, doch aufgrund des Reichstagsbrands hat die Kripo kaum Kapazitäten, um den Fall aufzuklären.

Inhaltsangabe von Lunapark:
Berlin im Jahre 1934: Mehr als ein Jahr nach Hitlers Machtergreifung ist Deutschland fest in der Hand der Nationalsozialisten. Kommunisten werden verfolgt, Juden drangsaliert, auf den Straßen sorgt die SA für Angst und Schrecken. In diesen schwierigen Zeiten ermittelt Gereon Rath im Fall eines SA-Mannes, dessen Leiche unter einer Eisenbahnbrücke gefunden wurde: übel zugerichtet und unter einer unvollendeten kommunistischen Parole liegend. Schnell wird klar, dass er an einem Glasauge erstickt ist und dass ihm die Verletzungen post-mortem zugefügt wurden. Bald taucht eine zweite Leiche eines SA-Mannes auf. Wer steckt hinter den Verbrechen, und welche Rolle spielen die ehemaligen Ringvereine?

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Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich von Norman Ohler (Hörbuch)

„Man verzichtet doch nicht aufs Pervitin, weil es vielleicht etwas gesundheitsschädlich sein könnte. Wenn man ohnehin dazu bestimmt ist, in Kürze zu fallen!“ (Track 47)

Die Verbreitung von Drogen im Dritten Reich war lange ein eher unbekanntes Thema, und eine umfassende Darstellung, wie Rauschmittel den Alltag im Dritten Reich und den Verlauf des Zweiten Weltkriegs prägten, fehlte bis zur Veröffentlichung von Norman Ohlers Sachbuch, das ich bereits 2015 gelesen und nun als Autorenlesung gehört habe.

Für sein Buch hat Ohler unzählige, oftmals unveröffentlichte Quellen recherchiert. In Der totale Rausch erzählt er von der Volksdroge Pervitin (Methamphetamin, heute bekannt als Crystal Meth), die 1938 in den Temmler-Werken entwickelt wurde, vom extensiven Gebrauch der Droge in der Allgemeinbevölkerung, vom Einsatz von Pervitin im Zweiten Weltkrieg, von Blitzkrieg und Kriegsverlauf, von Adolf Hitler und seinem Leibarzt Theodor Morell, von Kriegsende und Hitlers Suizid.

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