Schlagwort-Archive: Erfahrungen

Bücher über psychische Störungen

In diesem Post liste ich Bücher über psychische Störungen auf. Dabei weiche ich diesmal von meiner Gliederung in Belletristik, Sachbücher etc. ab und gruppiere die Bücher nach psychischen Störungen bzw. nach anderen Themen. Aus diesem Grunde finden sich einige Bücher unter verschiedenen Überschriften, z.B. sowohl unter „affektive Störungen“ als auch unter „Suizid“. Bücher über psychische Störungen weiterlesen

Heiter bis wolkig von Myrthe van der Meer

„Viele Dinge in der Psychiatrie sind erniedrigend. Eingewiesen zu werden ist eins davon. Einen Psychiater zu haben bringt auch nicht gerade viele Punkte ein. Mit deinem Lebensgefährten zu deinem Psychiater zu gehen, um eingewiesen zu werden, ist wahrscheinlich der Inbegriff der Erniedrigung.“ (Seite 20)

Myrthe van der Meer ist eigentlich auf dem Weg zum Abschlussgespräch mit ihrer Psychiaterin, wird von einem Vertretungsarzt jedoch kurzerhand auf Station eingewiesen, da sie Medikamente gebunkert und auf ganz rationale Art ihren Suizid geplant hat. Sie war in den letzten zwei Jahren fünf Monate in der Psychiatrie und mehrere Monate in der Tagesklinik, hat verstanden, dass ihre Depression immer wieder kommen wird, und möchte so nicht weiterleben. Heiter bis wolkig von Myrthe van der Meer weiterlesen

ICH ist manchmal ein anderer. Mein Leben mit Schizophrenie von Cordt Winkler

„Ich selbst verband den Begriff Schizophrenie noch immer mit Vorurteilen und Ängsten. Eine groß angelegte Analyse über die Inhalte einiger deutschsprachiger Printmedien hatte bereits vor einigen Jahren ergeben, dass es den meisten Menschen damit genauso ging wie mir. […] In den meisten Fällen wurde der Begriff nur metaphorisch für etwas Absurdes, Abwegiges, Ärgerliches verwendet. […] Generell war das Wort Schizophrenie sehr häufig negativ besetzt. Diese negativen Eigenschaften wurden dabei den Betroffenen als Charaktermerkmale und nicht als Symptome der Krankheit zugeschrieben.“ (Seite 156f)

Cordt Winklers Vater litt an Schizophrenie, so dass dem Autor die Symptome der Erkrankung von Kindesbeinen an geläufig sind. Als Winkler in eine neue Stadt zieht und ein Studium beginnt, beschäftigt er sich mehr mit Schizophrenie und dem Leben seines Vaters – und erkrankt schließlich selbst.

In ICH ist manchmal ein anderer erzählt Winkler von High-Expressed-Emotions und Rückfallquote, Prodromalsymptomen und Früherkennung, Wahneinfall und Wahnsystem, Angst und postpsychotischer Depression, doppelter Buchführung und Psychiatrieaufenthalten, Psychopharmakotherapie und Nebenwirkungen, Vulnerabilitäts-Stress-Modell und kognitiver Verhaltenstherapie, Antipsychiatrie und Compliance. ICH ist manchmal ein anderer. Mein Leben mit Schizophrenie von Cordt Winkler weiterlesen

Von Goa nach Walsrode von Florian Reisewitz

„Ich selbst war mir sicher, dass ich wusste, was ich tat.“ (Seite 28)

Florian Reisewitz hatte seine erste psychotische Episode vor mehr als 20 Jahren und erzählt in seinem Erfahrungsbericht vom ersten Kontakt mit Cannabis, Spaß mit Freunden, regelmäßigem Gebrauch und erster Paranoia, von Goa-Partys, von seinem Experimentieren mit Psilocybin, Lachgas, Ecstasy, Speed, MDMA und LSD, von Horrortrips, von Beziehungsideen und von Verfolgungswahn. Von Goa nach Walsrode von Florian Reisewitz weiterlesen

Morgen bin ich ein Löwe von Arnhild Lauveng

„Früher verbrachte ich meine Tage als Schaf,
während sich alles in mir danach sehnte, über die
Savanne zu jagen.
Und ich ließ mich treiben, vom Pferch auf die Weide
und wieder in den Stall, wenn sie sagten, das sei für
ein Schaf so das Beste.
Und ich wusste, dass das falsch war.
Und ich wusste, dass es so nicht ewig gehen würde.

Früher verbrachte ich meine Tage als Schaf.
Aber morgen bin ich ein Löwe.“ (Seite 9)

Arnhild Lauveng war schizophren. Dies ist eine Phrase, die es in der Psychiatrie eigentlich nicht gibt, denn entweder ist man schizophren oder man ist es nicht. Man hat bestensfalls ein symptomfreies Intervall, aber die F20, mit der die Schizophrenie in der ICD-10 verschlüsselt ist, ist eine sogenannte Lebenszeitdiagnose, die man im Normalfall nie wieder los wird, auch wenn man nur eine einzige schizophrene Episode im Leben gehabt haben sollte.

Lauveng hat es jedoch geschafft, diese Diagnose wieder los zu werden (auch wenn es einige Menschen gibt, die das nicht akzeptieren möchten und/oder an einer initialen Schizophrenie-Diagnose zweifeln), nachdem sie insgesamt 6-7 Jahre ihres Lebens in psychiatrischen Kliniken verbracht hat. Morgen bin ich ein Löwe von Arnhild Lauveng weiterlesen

Der Zahlendieb. Mein Leben mit Zwangsstörungen von Oliver Sechting

„Das seltsame Gefühl wurde zu Angst. Aus der einfachen Regel […] wurde ein Regelwerk, dessen Vorschriften mir unkontrolliert in den Sinn kamen und ihre strikte Befolgung verlangten.“ (Seite 34)

Oliver Sechting beginnt recht früh damit, Stifte etc. nach einer bestimmten Ordnung zu sortieren und das Treten auf Fugen zu vermeiden, doch nach dem Entdecken der eigenen Homosexualität und dem Tod des Vaters verstärken sich diese leichteren Auffälligkeiten, werden drängend, bekommen eine starke emotionale Komponente und sind an ein komplexes und starres Regelwerk gekoppelt, dessen Verletzung extreme Ängste auslöst.

Die Angst übernimmt Sechtings Leben. Sie taucht in immer neuen Situationen auf, dominiert seinen Alltag, und mit der Angst kommen mehr und mehr Zwangshandlungen, mit denen er versucht, die Angst zu reduzieren.

Im Laufe seines Lebens fluktuieren Sechtings Angst und seine Zwangshandlungen, sind abhängig von äußeren Einflüssen und depressiven Phasen, aber sie holen ihn immer wieder ein, lähmen ihn und reißen ihn aus seinem Alltag. Der Zahlendieb. Mein Leben mit Zwangsstörungen von Oliver Sechting weiterlesen

Belletristik, Sachbücher, Bildbände und Erfahrungsberichte über den Wald

In diesem Post liste ich Belletristik, Sachbücher, Bildbände und Erfahrungsberichte über den Wald auf.

Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe. Belletristik, Sachbücher, Bildbände und Erfahrungsberichte über den Wald weiterlesen

Am Himmel kein Licht von Gulwali Passarlay

„Damals, kurz nach meinem Aufbruch aus Afghanistan, war ich noch ein ängstlicher kleiner Junge gewesen. Das war lange her.“

Im Alter von 12 Jahren wird Gulwali Passarlay von seiner Mutter aus Afghanistan weggeschickt und macht sich zusammen mit seinem Bruder auf die lange und beschwerliche Reise nach Europa. Schon bald wird er von seinem Bruder getrennt und schlägt sich allein durch – immer mit der Hoffnung, in Sicherheit leben zu können und seinen Bruder wiederzufinden. Nach mehr als einem Jahr voller Gefahren und Entbehrungen kommt Passarlay schließlich in Großbritannien an, wo er sich ein neues Leben aufbauen möchte. Am Himmel kein Licht von Gulwali Passarlay weiterlesen