Schlagwort-Archive: Erfahrungen

Belletristik und Sachbücher über Sucht

In diesem Post liste ich Belletristik, Erfahrungsberichte und Sachbücher über Sucht auf. Dabei fasse ich den Begriff etwas weiter und verstehe darunter sowohl stoffgebundene als auch nicht-stoffgebundene Süchte, Missbrauch und Abhängigkeit.

Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

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Muttermale und Vaters Spuren. Ein Reiseführer für mutige Selbstentdecker von Maren Lammers

„Der Schwerpunkt des Buches ist die Auseinandersetzung mit den verinnerlichten Strukturen, den mächtigen Grundannahmen über sich, das Leben und andere Menschen.“ (Seite 11)

Maren Lammers erzählt in Muttermale und Vaters Spuren von Kontrolle und Kontrollverlust, Grundannahmen und Veränderung, Kindheit und Erziehungsstil der Eltern, Lebensgeschichte der Eltern und Einfluss durch Geschwister, Nähe und Distanz, Konflikten und Streitkulturen, Rollenverteilung und Parentifizierung, Auswirkungen von Kindheitsprägungen sowie von eigenen Stärken und Schwächen.

Zudem bietet Lammers Übungen und Strategien, die helfen können, eigene (Zwischen-) Ziele auf dem Weg des Verstehens und der Veränderungen zu erreichen.

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Von Goa nach Walsrode von Florian Reisewitz

„Ich selbst war mir sicher, dass ich wusste, was ich tat.“ (Seite 28)

Florian Reisewitz hatte seine erste psychotische Episode vor mehr als 20 Jahren und erzählt in seinem Erfahrungsbericht vom ersten Kontakt mit Cannabis, Spaß mit Freunden, regelmäßigem Gebrauch und erster Paranoia, von Goa-Partys, von seinem Experimentieren mit Psilocybin, Lachgas, Ecstasy, Speed, MDMA und LSD, von Horrortrips, von Beziehungsideen und von Verfolgungswahn. Von Goa nach Walsrode von Florian Reisewitz weiterlesen

Sektenkinder. Über das Aufwachsen in neureligiösen Gruppierungen und das Leben nach dem Ausstieg von Kathrin Kaufmann, Laura Illig und Johannes Jungbauer

„In den Gesprächen zeigte sich über die unterschiedlichen religiösen Gruppierungen hinweg ein erschreckendes Ausmaß an Gewalt. Die meisten Sektenkinder offenbarten uns in den Gesprächen, in ihrer Kindheit und Jugend Opfer körperlicher und seelischer Misshandlungen geworden zu sein.“ (Seite 39)

In Sektenkinder kommen mehrere Personen zu Wort, die in Sekten (z.B. Neuapostolische Kirche, Zeugen Jehovas, Moon-Bewegung, verschiedene Freikirchen) aufgewachsen und schließlich ausgestiegen sind.

Diese Betroffenen berichten im ausführlichsten Kapitel des Buches von emotionaler Vernachlässigung, körperlicher und sexueller Gewalt, Trennung von den Eltern, Regeln, Willkür, (unerfüllten) Grundbedürfnissen, sekundärer Viktimisierung, Bestrafung, Isolation, Ausgrenzung, „Sektenpersönlichkeit“, aber auch von Verbundenheitsgefühl, Solidarität und Zuwendung.

Weitere Kapitel widmen sich unter anderem dem Ausstieg aus der Sekte und der Zeit danach.

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Irrenhäuser. Kranke klagen an. Reprint der Ausgabe von 1969 von Frank Fischer

„Warum ein fast 50 Jahre altes Taschenbuch erneut publizieren, das die menschenunwürdige Anstaltsversorgung analysiert, die Vergangenheit ist und die sich heute kaum noch jemand vorstellen kann? Aber wenn wir diese überwundene Vergangenheit dem Vergessen überlassen, dann fördert das die Gefahr der Rückkehr von menschenunwürdigen Versorgungsformen in anderer Gestalt.“ (Seite VII)

Ausgelöst durch den Besuch eines Bekannten in einer psychiatrischen Anstalt, der mit Verdacht auf eine Schizophrenie eingeliefert wurde, untersucht Frank Fischer schließlich – in Wallraffscher Manier – die Zustände in Anstalten und die Bedingungen der Insassen. Er schleust sich hierfür als Hilfspfleger in sieben verschiedenen psychiatrischen Krankenhäusern ein und verbringt so fast ein Jahr in Anstalten in Deutschland, England und Österreich.

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Bücher über psychische Störungen

In diesem Post liste ich Bücher über psychische Störungen auf. Dabei weiche ich diesmal von meiner Gliederung in Belletristik, Sachbücher etc. ab und gruppiere die Bücher nach psychischen Störungen bzw. nach anderen Themen. Aus diesem Grunde finden sich einige Bücher unter verschiedenen Überschriften, z.B. sowohl unter „affektive Störungen“ als auch unter „Suizid“. Bücher über psychische Störungen weiterlesen

Heiter bis wolkig von Myrthe van der Meer

„Viele Dinge in der Psychiatrie sind erniedrigend. Eingewiesen zu werden ist eins davon. Einen Psychiater zu haben bringt auch nicht gerade viele Punkte ein. Mit deinem Lebensgefährten zu deinem Psychiater zu gehen, um eingewiesen zu werden, ist wahrscheinlich der Inbegriff der Erniedrigung.“ (Seite 20)

Myrthe van der Meer ist eigentlich auf dem Weg zum Abschlussgespräch mit ihrer Psychiaterin, wird von einem Vertretungsarzt jedoch kurzerhand auf Station eingewiesen, da sie Medikamente gebunkert und auf ganz rationale Art ihren Suizid geplant hat. Sie war in den letzten zwei Jahren fünf Monate in der Psychiatrie und mehrere Monate in der Tagesklinik, hat verstanden, dass ihre Depression immer wieder kommen wird, und möchte so nicht weiterleben. Heiter bis wolkig von Myrthe van der Meer weiterlesen

ICH ist manchmal ein anderer. Mein Leben mit Schizophrenie von Cordt Winkler

„Ich selbst verband den Begriff Schizophrenie noch immer mit Vorurteilen und Ängsten. Eine groß angelegte Analyse über die Inhalte einiger deutschsprachiger Printmedien hatte bereits vor einigen Jahren ergeben, dass es den meisten Menschen damit genauso ging wie mir. […] In den meisten Fällen wurde der Begriff nur metaphorisch für etwas Absurdes, Abwegiges, Ärgerliches verwendet. […] Generell war das Wort Schizophrenie sehr häufig negativ besetzt. Diese negativen Eigenschaften wurden dabei den Betroffenen als Charaktermerkmale und nicht als Symptome der Krankheit zugeschrieben.“ (Seite 156f)

Cordt Winklers Vater litt an Schizophrenie, so dass dem Autor die Symptome der Erkrankung von Kindesbeinen an geläufig sind. Als Winkler in eine neue Stadt zieht und ein Studium beginnt, beschäftigt er sich mehr mit Schizophrenie und dem Leben seines Vaters – und erkrankt schließlich selbst.

In ICH ist manchmal ein anderer erzählt Winkler von High-Expressed-Emotions und Rückfallquote, Prodromalsymptomen und Früherkennung, Wahneinfall und Wahnsystem, Angst und postpsychotischer Depression, doppelter Buchführung und Psychiatrieaufenthalten, Psychopharmakotherapie und Nebenwirkungen, Vulnerabilitäts-Stress-Modell und kognitiver Verhaltenstherapie, Antipsychiatrie und Compliance. ICH ist manchmal ein anderer. Mein Leben mit Schizophrenie von Cordt Winkler weiterlesen

Morgen bin ich ein Löwe von Arnhild Lauveng

„Früher verbrachte ich meine Tage als Schaf,
während sich alles in mir danach sehnte, über die
Savanne zu jagen.
Und ich ließ mich treiben, vom Pferch auf die Weide
und wieder in den Stall, wenn sie sagten, das sei für
ein Schaf so das Beste.
Und ich wusste, dass das falsch war.
Und ich wusste, dass es so nicht ewig gehen würde.

Früher verbrachte ich meine Tage als Schaf.
Aber morgen bin ich ein Löwe.“ (Seite 9)

Arnhild Lauveng war schizophren. Dies ist eine Phrase, die es in der Psychiatrie eigentlich nicht gibt, denn entweder ist man schizophren oder man ist es nicht. Man hat bestensfalls ein symptomfreies Intervall, aber die F20, mit der die Schizophrenie in der ICD-10 verschlüsselt ist, ist eine sogenannte Lebenszeitdiagnose, die man im Normalfall nie wieder los wird, auch wenn man nur eine einzige schizophrene Episode im Leben gehabt haben sollte.

Lauveng hat es jedoch geschafft, diese Diagnose wieder los zu werden (auch wenn es einige Menschen gibt, die das nicht akzeptieren möchten und/oder an einer initialen Schizophrenie-Diagnose zweifeln), nachdem sie insgesamt 6-7 Jahre ihres Lebens in psychiatrischen Kliniken verbracht hat. Morgen bin ich ein Löwe von Arnhild Lauveng weiterlesen

Der Zahlendieb. Mein Leben mit Zwangsstörungen von Oliver Sechting

„Das seltsame Gefühl wurde zu Angst. Aus der einfachen Regel […] wurde ein Regelwerk, dessen Vorschriften mir unkontrolliert in den Sinn kamen und ihre strikte Befolgung verlangten.“ (Seite 34)

Oliver Sechting beginnt recht früh damit, Stifte etc. nach einer bestimmten Ordnung zu sortieren und das Treten auf Fugen zu vermeiden, doch nach dem Entdecken der eigenen Homosexualität und dem Tod des Vaters verstärken sich diese leichteren Auffälligkeiten, werden drängend, bekommen eine starke emotionale Komponente und sind an ein komplexes und starres Regelwerk gekoppelt, dessen Verletzung extreme Ängste auslöst.

Die Angst übernimmt Sechtings Leben. Sie taucht in immer neuen Situationen auf, dominiert seinen Alltag, und mit der Angst kommen mehr und mehr Zwangshandlungen, mit denen er versucht, die Angst zu reduzieren.

Im Laufe seines Lebens fluktuieren Sechtings Angst und seine Zwangshandlungen, sind abhängig von äußeren Einflüssen und depressiven Phasen, aber sie holen ihn immer wieder ein, lähmen ihn und reißen ihn aus seinem Alltag. Der Zahlendieb. Mein Leben mit Zwangsstörungen von Oliver Sechting weiterlesen