Schlagwort-Archiv: Judentum

33 Place Brugmann von Alice Austen

„Was denkbar ist, ist auch möglich.“ (Seite 7, Zitat von Ludwig Wittgenstein)

August 1939 in Brüssel: Am Place Brugmann 33 lebt unter anderem die jüdische Familie Raphaël, die über Nacht verschwindet. Kurz darauf beginnt der Zweite Weltkrieg und der Einmarsch der Nationalsozialisten in Belgien.

Der Roman erzählt von den Bewohnern des Hauses, deren Geschichte und deren Leben miteinander verwoben sind. Da sind (neben den Raphaëls) z.B. die Studentin Charlotte, die mit ihrem Vater, dem Architekten Sauvin, in der 3. Etage lebt, der verwitwete Colonel Warlemont im 2. Stock, die Näherin Masha im Dienstbotenzimmer in der 4. Etage sowie der Rechtsanwalt Martin DeBaerre im ersten Stock.

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Oroppa von Safae el Khannoussi (Hörbuch)

„In einer Sprache, die leuchtet, kratzt und singt, gleitet dieses schillernde Debüt durch Erinnerung und Identität und schenkt dem Entwurzelten eine poetische Heimat.“ (Klappentext, Zitat von Samira el Ouassil)

Salomé Abergel, eine jüdisch-marokkanische Künstlerin, lebt in Amsterdam.

Doch die Geschichte in Oroppa beginnt damit, dass Salomé nur noch um die 40 Kilogramm wiegt, an einer Lungenentzündung erkrankt ist und im Sterben liegt.

Gegen alle Prognosen erholt sich Salomé wieder, und der Roman erzählt schließlich von Salomé, von ihrem sozialen Umfeld und vom Leben in Städten wie Paris, Tunis und Casablanca.

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Fräulein Gold. Der Preis der Freiheit von Anne Stern (Hörbuch)

„Das ist der Grundsatz, nach dem ich gelebt habe: Bereite dich auf das Schlimmste vor. Erwarte das Beste. Und nimm, was kommt.“ (Track 1, Zitat von Hannah Arendt)

Berlin im Jahre 1932: Hulda Gold arbeitet mittlerweile als Hebamme im Frauengefängnis Barnim, wo sie schwangere Inhaftierte betreut. Hier trifft sie auf Anna Marwitz, die schwanger ist und einen Mord gestanden hat.

Als Annas einzige Vertraute im Gefängnis tot in der Toilette gefunden wird, geht die Polizei kurzzeitig von einem natürlichen Tod aus, doch dann stellt die Kommissarin Irma Siegel den Geruch nach Bittermandel fest, und es zeigt sich, dass sie mit Zyankali getötet wurde. So rückt Anna in den Fokus der Polizei, denn auch der Mord, für den Anna einsitzt, wurde mit Zyankali verübt.

Doch Hulda kann sich nicht recht vorstellen, dass die junge Frau einen (weiteren) Mord begangen hat.

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Leben und Sterben in Auschwitz von Dietmar Reinhard

„Der Führer hat die Endlösung der Judenfrage befohlen. Die Juden sind die ewigen Feinde des deutschen Volkes und sie müssen ausgerottet werden. Wir, die SS, haben diesen Befehl des Führers durchzuführen.“ (Seite 45)

Rudolf Höß, ehemaliger Lagerkommandant von Auschwitz, kehrt im April 1947 in die polnische Stadt zurück, und hier wird sein Todesurteil vollstreckt.

Dietmar Reinhard erzählt in seiner Graphic Novel vom Aufbau des KZ Auschwitz, von Kapos und Lagerleben, Tod und Sterben, Gewalt und Willkür, Schikanen und Strafen, Hunger und Krankheiten, der Endlösung und der Befreiung des KZ. Er berichtet zudem von Höß’ Einfluss und seinen Ideen, die die Todesmaschinerie erst möglich gemacht haben.

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Lázár von Nelio Biedermann

„Der Junge sollte lernen, was es heißt, ein Mann, ein Baron, ein von Lázár zu sein.“ (Seite 40)

Um die Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts wird Lajos von Lázár geboren: „das durchsichtige Kind mit den wasserblauen Augen.“ (Seite 11).

Lajos ist eindeutig das Kind des Knechts, wie unschwer zu erkennen ist. Doch seine Mutter Mária lebt die Lüge, dass es der Sohn ihres Mannes Sándor ist, und Sándor ist allzu bereit, diese Lüge zu glauben.

Nelio Biedermann erzählt in seinem Roman von der Geschichte der Familie Lázár, die zur Zeit der k. und k. Monarchie in einem Waldschloss in Ungarn lebt.

Biedermann berichtet von Sándors Vater, der spurlos verschwunden ist und dessen Leiche nie gefunden wurde, von Sándors Mutter, die täglich in den Wald läuft und das Jagdschloss ihres Mannes sucht, das es nie gegeben hat, und die eines Tages nicht mehr zurückkehrt. Und er erzählt vom Sándors Bruder Imre, der über der Lektüre von E.T.A. Hoffmann verrückt geworden ist.

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Wannsee. Graphic Novel von Fabrice Le Hénanff

„Wir wissen nicht mehr, wohin mit den Juden… Kurz, wir sind hier versammelt, um die technischen Einzelheiten für die Endlösung der Judenfrage zu regeln.“ (Seite 22)

Die Graphic Novel behandelt eines der Schlüsselereignisse des Holocausts an den europäischen Juden: die Wannsee-Konferenz.

Am 20. Januar 1942 treffen sich in einer prächtigen Villa am Wannsee 15 hochrangige Vertreter des Dritten Reiches, „um den Willen des Führers umzusetzen“ (Seite 13). Es handelt sich um eine geheime Zusammenkunft mit Obergruppenführer Heydrich, der die Konferenz leitet.

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Jerusalem. Die Geschichte einer Stadt von Vincent Lemire und Christophe Gaultier

„Seit 4000 Jahren haben sich meine Wurzeln tief in den Boden gegraben, meine Äste haben sich dem Himmel entgegen gestreckt. Ich habe alles gesehen, alles erlebt. Heute kann ich euch alles erzählen. Die ganze Geschichte von Jerusalem!“ (Seite 9)

Zaytun/Olivia ist 4000 Jahre alt, steht auf dem Gipfel des Ölbergs und erzählt ihre Geschichte von dem Moment an, als sie aus einem Olivenkern, den ein Hirte ausgespuckt hatte, keimte und wuchs. Und sie erzählt die Geschichte Jerusalems.

Zaytun berichtet vom ersten Tempel, der von Nebukadnezar zerstört wurde, von der Invasion des persischen Großkönigs Kyros, von Alexander dem Großen und von Kaiser Hadrian.

Sie führt den Leser ein in die Entstehung des christlichen Jerusalem, in Al-Quds, die Heilige Stadt des Islam, in die Kreuzzüge sowie das Erbe Saladins und der Mameluken.

Zaytun erzählt schließlich vom Frieden der Ottomanen, von der neu erfundenen Heiligen Stadt, vom Traum von Zion und von der geteilten Hauptstadt nach der Gründung des Staates Israel.

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Kaltes Krematorium. Bericht aus dem Land namens Auschwitz von József Debreczeni

„Ich glaube, irgendwo in Osteuropa, entlang eines Bahndammes, an einem Waldrand voller blühender Bäume vollzog sich eine erstaunliche Metamorphose. Hier wurden die Menschen der plombierten Höllenzüge zu Tieren. So wie alle anderen, die Hunderttausenden, die der Wahnsinn aus fünfzehn Ländern in die Todesfabriken und Gaskammern spie.

Das war der Moment, in dem uns zum ersten Mal unsere aufrechte Haltung genommen wurde.“ (Seite 16f)

Im Jahre 1944 wurde der ungarische Journalist József Debreczeni (Pseudonym von József Bruner) nach Auschwitz und schließlich in weitere Konzentrationslager deportiert. Die letzte Station vor der Befreiung war die Krankenbaracke des Zwangsarbeitslagers Dörnhau, das sogenannte „kalte Krematorium“.

Debreczeni erzählt von Transport und Selektion, von Lagerhierarchie und dem täglichen Kampf ums Überleben, von Entmenschlichung, von Tod und Sterben, von Qualen und Appell, von Krankheiten und Parasiten. Er berichtet aber auch von Solidarität, von Unterstützung und von der Befreiung der Konzentrationslager.

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Fräulein Gold. Nacht über der Havel. Die Hebamme von Berlin 7 von Anne Stern (Hörbuch)

„Berlin, 1930: In der Stadt rumort es gewaltig.“ (Klappentext)

Die Welt hat sich verändert, und auch in Berlin sind die Wirtschaftskrise und die politisch aufgeladene Situation tagtäglich spürbar.

Auch die Hebamme Hulda Gold merkt den immer mehr erstarkenden Antisemitismus, die Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen und die wachsende Armut unter den Frauen, Müttern, Kindern, Familien.

Dann wird ein junger Mann tot an der Havel gefunden, der Mitglied der Wandervogel-Bewegung war. Alles deutet auf Fremdverschulden hin, und sein Bruder wird vorerst verhaftet. Seine Schwester Jutta verhält sich auffällig, und es scheint, als wüsste sie mehr über die Geschichte, als sie der Polizei gegenüber zugibt.

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Rath von Volker Kutscher (Buch und Hörbuch)

„Der Bahnhof war einer der hässlichsten der Stadt, trotzdem mochte sie ihn; wenn sie Berlin verließ oder zurückkehrte, war es fast immer der Bahnhof Zoologischer Garten, in dem sie ein- oder ausstieg. Und die Gedächtniskirche sagte ihr jedesmal: Du bist wieder da, bist wieder in Berlin, mein Kind.“ (Seite 29)

September 1938: Gereon Rath ist mit einem gefälschten US-amerikanischen Pass wieder nach Deutschland gereist, da sein Vater im Sterben liegt. Er und Charly sind wieder vereint – zumindest alle vier Wochen, wenn sie sich heimlich und unter falscher Identität in einem Hotel treffen. Gereon gilt nach wie vor als tot, muss sich verstecken, am besten so schnell wie möglich das Land wieder verlassen, fühlt sich aber wegen seines Vaters, der doch nicht so schnell stirbt wie gedacht, noch gebunden an Deutschland. Charly möchte lieber früher als später in die USA ausreisen, solange das noch möglich ist und bevor es zum Krieg kommt.

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