Schlagwort-Archive: Suizid

Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne von Thomas Macho

„Was wirklich der Entwicklung des Selbstmordes […] Vorschub leistet, ist nicht, daß man davon spricht, sondern wie man davon spricht.“ (Zitat von Émile Durkheim; Seite 105)

Thomas Macho beleuchtet in seinem Buch die verschiedenen Facetten des Suizids. Er berichtet von der Umwertung des Suizids von einer strafbaren Handlung zu den Möglichkeiten der aktiven Sterbehilfe, von den Anfängen und der Entwicklung der Suizidforschung, von suizidfaszinierten und suizidkritischen Epochen und Kulturen, von Suizid-Spielen, Tiersuiziden, Schülersuizid-Romanen, Scham und Schuld, Werther-Effekt, Pest und Cholera, Militarismus, Nationalsozialismus, Atomwaffen, Kollektivsuiziden, Selbstmordattentaten, Suizid in der Kunst, Suizid-Orten und Dignitas. Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne von Thomas Macho weiterlesen

Das Lächeln meiner Mutter von Delphine de Vigan

„Wahrscheinlich hatte ich gehofft, aus diesem seltsamen Material würde sich eine Wahrheit herausschälen. Aber es gab keine Wahrheit. Ich hatte nur verstreute Bruchstücke, und schon das Ordnen dieser Bruchstücke war eine Fiktion. […] Was versuchte ich eigentlich, wenn nicht dem Schmerz meiner Mutter näherzukommen, seinen Umfang, seine versteckten Winkel und den Schatten, den er warf, zu erkunden?“ (Seite 39)

Delphine de Vigan findet die Leiche ihrer Mutter Lucile in deren Wohnung, wo sie mehrere Tage lag, ohne dass jemand von ihrem Tod wusste. Nach langem Ringen mit sich entscheidet sie sich dafür, über ihre Mutter zu schreiben, befragt Familienangehörige, liest Briefe, hört Tonbandkassetten an, möchte verstehen, warum sich Lucile suizidiert hat. Das Lächeln meiner Mutter von Delphine de Vigan weiterlesen

Umgang mit suizidgefährdeten Menschen von Michael Eink und Horst Haltenhof

„Der Tod geht uns nichts an. Solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr.“ (Seite 10, Zitat von Lukrez)

Ich bin Psychologin und komme deshalb immer wieder mit Suizidalität in Kontakt, doch ich finde das Thema Suizid nicht nur aus beruflicher Sicht relevant, sondern auch aus persönlichen Gründen, da ich weiß, in welchen Abgrund man durch den Suizid eines nahestehenden Menschen gerissen wird.

Ich finde, dass man über Selbsttötung offener sprechen muss, um Menschen in Extremsituationen kompetente Hilfe anbieten, mit Vorurteilen und falschen Überzeugungen aufräumen und Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben, eine emotionale Stütze geben zu können, denn der Verlust durch Suizid ist meiner Meinung nach anders als ein Verlust durch schwere körperliche Krankheit oder einen Unfall und hinterlässt bei den Angehörigen oft eine tiefe Schuld, eine ausgeprägte Wut und/oder ein völliges Unverständnis. Umgang mit suizidgefährdeten Menschen von Michael Eink und Horst Haltenhof weiterlesen

Die Mittellosen von Szilárd Borbély

„Das Leben ist schwarzweiß. Oder farblos und deshalb unsichtbar.“

Der namenlose Ich-Erzähler wächst Ende der 1960er Jahre in einem ungarischen Dorf auf. Seine Kindheit ist geprägt von Gewalt, Armut, Hunger, Trostlosigkeit und emotionaler Abgestumpftheit.

Im Dorf sind Antisemitismus und Antiziganismus an der Tagesordnung, und auch der Ich-Erzähler und seine Familie werden geächtet und ausgegrenzt.

Szilárd Borbély beschreibt in Die Mittellosen eine grausame Kindheit, die man sich kaum vorstellen kann und deren Realitätsgehalt man gerne als reine Fiktion abtun möchte. Beim Lesen des Anhangs wird jedoch schnell klar: Der Roman weist autobiografische Züge auf, und die Verarbeitung seiner eigenen Kindheitserlebnisse führten beim Autor zu einer schweren Depression, die schließlich in einem Suizid endete. Die Mittellosen von Szilárd Borbély weiterlesen