Schlagwort-Archive: Krieg

Der Beweis von Agota Kristof

Der Beweis setzt da an, wo Das große Heft geendet hat: Die Zwillinge haben sich getrennt – Lucas ist im Haus der verstorbenen Großmutter geblieben, während Claus über die Grenze geflohen ist, das Land verlassen hat.

Lucas lebt an der Realität vorbei, vernachlässigt seine Aufgaben und Verpflichtungen, fühlt sich nicht mehr als ganzer Mensch, seit er von seinem Zwillingsbruder getrennt lebt.

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Das große Heft von Agota Kristof

Die Zwillinge werden eines Tages von ihrer Mutter zu ihrer Großmutter in die „Kleine Stadt“ gebracht. Dort gibt es zwar mehr zu essen als in der „Großen Stadt“, und es fallen (noch) keine Bomben, doch wird den beiden Kindern keinerlei Liebe und Zuneigung von der Großmutter entgegengebracht.

Die Zwillinge beschließen, dass sie sich körperlich, geistig und emotional abhärten müssen, um ihr neues Leben ertragen zu können, und beginnen, verschiedene Übungen auszuführen, die sie irgendwann kalt, skrupellos und dumpf werden lassen.

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Der Kadaverräumer von Zoltán Danyi

„Wir haben es getan, weil wir es konnten, und wenn es so geschah, dann musste es auch so geschehen, und wenn es so geschehen musste, dann kann keiner von uns etwas dafür, dass wir es getan haben.“ (Seite 73)

Ein Mann verlässt seine serbische Heimat und kommt nach Berlin. Von hier aus will er weiter in die USA, doch letztendlich führt ihn sein Weg wieder zurück nach Serbien.

Er erzählt vom Leben in Serbien, vom Krieg und dem Kriegstrauma, das ihn seit Jahren verfolgt, von seiner Arbeit als Benzinschmuggler und als Kadaverräumer. Der Kadaverräumer von Zoltán Danyi weiterlesen

Barfuß durch Hiroshima, Band 1. Kinder des Krieges von Keiji Nakazawa

„Für manche Zyniker mag Nakazawas Glaube an das Gute im Menschen >>Barfuß<< zum Kinderbuch abstempeln, doch das Entscheidende ist, dass der Autor, wenn er von seinem eigenen Überleben berichtet, nicht bloß von den Ereignissen erzählt, die er durchlebt hat, sondern von der philosophisch-psychologischen Grundlage dieses Überlebens. Sein Werk ist humanistisch und human, denn es zeigt und unterstreicht, wie notwendig es ist, dass wir Menschen Verständnis füreinander aufbringen, wenn wir noch ein weiteres Jahrhundert erleben wollen.“ (Seite 9, Einführung von Art Spiegelman)

Ich habe mich bisher nur wenig mit dem Zweiten Weltkrieg in Japan und mit dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki beschäftigt, so dass ich mit dem Comic von Keiji Nakazawa eher unbekanntes Terrain betreten habe.

Bereits die Einführung von Spiegelman, dessen ‚Maus‘ ich vor vielen Jahren mit großer Begeisterung gelesen habe, macht jedoch schon so neugierig auf Nakazawas Barfuß durch Hiroshima-Reihe, dass ich den ersten Band in einem Rutsch durchgelesen habe. Und nach der Lektüre war mir sofort klar, dass ich auch die restlichen drei Bände der Reihe lesen werde.

Nakazawa erzählt in seinem Comic von Gen, der mit seiner Familie in Hiroshima lebt und dessen Leben von Bombenalarm, Hunger, Schikane und Gewalterfahrungen geprägt ist. Gens Vater kritisiert offen die japanische Politik und den Krieg, wird aus diesem Grunde inhaftiert, was weitreichende Folgen für die Familie hat, die dadurch Ausgrenzung und Willkür erfährt.

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Exit West von Mohsin Hamid

„Stell dir vor, du würdest hier leben. Und Millionen Menschen würden plötzlich aus aller Welt herkommen.“

„Auch in unser Land sind Millionen gekommen […]. Als in den Nachbarländern Krieg geherrscht hat.“

„Das war was anderes. Unser Land war arm. Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir etwas zu verlieren hätten.“

Saeed und Nadia könnten nicht gegensätzlicher sein: Er wohnt noch bei seinen Eltern und ist religiös, sie hat mit ihrer Familie gebrochen, um allein leben zu können, fährt Motorrad und lebt säkular. Beide wohnen in einer namenlosen Stadt, treffen bei einem Abendkurs aufeinander, verbringen mehr und mehr Zeit miteinander und verlieben sich schließlich ineinander.

Als das Leben in ihrer Heimatstadt jeden Tag gefährlicher wird, bitte Saeed Nadia, zu ihm und seinen Eltern zu ziehen, und als Terror und Krieg immer näher kommen, entschließen sich die beiden, die Stadt endgültig zu verlassen und ihr Glück in der Fremde zu suchen. Exit West von Mohsin Hamid weiterlesen

Wildauge von Katja Kettu

„Ich hatte das Gefühl, als wäre ich so angesehen worden, wie ich noch nie zuvor angesehen worden war.“ (Seite 36 der gebundenen Ausgabe)

Lappland im Sommer 1944: Der deutsche Offizier Johannes Angelhurst soll als Fotograf die finnischen Verbündeten porträtieren. Da trifft er auf eine Hebamme, die Johannes schließlich „Wildauge“ nennt.

Wildauge fühlt sich sofort zu Johannes hingezogen, und als Johannes bald darauf ins Lager Titowka versetzt wird, folgt Wildauge ihm und lässt sich als Krankenschwester in das Kriegsgefangenenlager einschleusen, um in seiner Nähe zu bleiben.

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Und die Vögel werden singen von Aeham Ahmad

„Ich wusste nicht mehr, wie ich helfen konnte, also habe ich mein Klavier mit in die Gassen genommen und begonnen, Lieder zu spielen, um den Menschen Mut zu machen.“ (Seite 257)

Aeham Ahmad, in Damaskus geboren und im Damaszener Vorort Yarmouk aufgewachsen, wurde schon früh von seinem Vater musikalisch gefördert. Was von Ahmad anfangs oft als Belastung empfunden wurde, wandelte sich schließlich zu einer Leidenschaft fürs Klavierspielen und für die Musik und wurde nach Ausbruch des Krieges in Syrien letztendlich zu einer Überlebensstrategie und einer Möglichkeit, sich selbst und anderen Menschen Mut und Hoffnung zu schenken, beim Durchhalten, Weiterkämpfen und Überleben zu helfen. Und die Vögel werden singen von Aeham Ahmad weiterlesen

Waltz with Bashir von Ari Folman und David Polonsky

Ein Freund, der von Albträumen über seine Erlebnisse im Libanonkrieg 1982 geplagt wird, weckt bei Ari Folman Erinnerungen, die dieser seit 20 Jahren erfolgreich verdrängt hat. Ari kann sich nicht an seine Zeit im Libanonkrieg und an seine Rolle bei den Massakern von Sabra und Shatila erinnern. Er macht sich schließlich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, trifft frühere Kameraden und setzt sich mit seiner Zeit als Soldat auseinander. Waltz with Bashir von Ari Folman und David Polonsky weiterlesen

Als ob es kein Morgen gäbe von Rawi Hage

Beirut galt einst als das „Paris des Nahen Ostens“, bevor es während des libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990) und schließlich im Verlauf des Libanonkrieges 2006 bombardiert und zu großen Teilen zerstört wurde.

Bassam und sein Freund George leben in Beirut und ergaunern sich Geld, während die Stadt mehr und mehr zerstört wird und Unzählige bei Bombardements sterben.

Bassam träumt von Rom, wo seiner Meinung nach die Welt noch in Ordnung ist und das Glück wartet. George schließt sich einer christlichen Miliz an und zieht in den Krieg. Aus den alten Freunden werden schließlich Todfeinde. Als ob es kein Morgen gäbe von Rawi Hage weiterlesen

Siegen heißt, den Tag überleben von Petra Ramsauer

„Syriens kollektive Tragödie besteht aus Millionen individuellen Tragödien […].“

Petra Ramsauer bietet in Siegen heißt, den Tag überleben einen gelungenen Überblick über den Krieg in Syrien und ermöglicht es dem Leser, die Ursachen, Hintergründe und Folgen für das syrische Volk und die Welt besser zu verstehen. Siegen heißt, den Tag überleben von Petra Ramsauer weiterlesen