Schlagwort-Archive: Sex

nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert

„Auch wenn man als Frau anscheinend immer damit rechnen muss und es das Schlimmste zu sein scheint, was passieren kann, ist es doch nichts, was wirklich geschieht. […] Vergewaltigung passiert anderen Leuten.“ (Seite 60)

Sommer in Leipzig: Anna ist gerade mit ihrem Studium fertig geworden und jobbt in einer Kneipe. Sie trinkt viel, sie macht die Nächte durch, und sie lernt über ihren besten Freund Hannes Jonas kennen.

Anna und Jonas treffen sich – nachdem sie eine Weile zuvor Sex miteinander hatten, sich dann aber wieder voneinander entfernt haben – auf einer Party wieder, auf der beide sehr betrunken sind. Was in dieser Nacht zwischen Anna und Jonas passiert, ist für ihn einvernehmlicher Sex, für sie eine Vergewaltigung, die sie zwei Monate später zur Anzeige bringt. nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert weiterlesen

Und doch ist es Heimat von Jochen Metzger

„Die Feinde sind da. Mitten in Sandheim.“

Sandheim, ein badisches Dorf zwischen Bruchsal und Karlsruhe, ist vom Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont geblieben, doch kurz vor Ende des Krieges fallen auch hier Bomben. Die Dorfbewohner warten auf den Einzug der Amerikaner, doch auch die französische Armee rückt immer näher. Und doch ist es Heimat von Jochen Metzger weiterlesen

Sagte sie. 17 Erzählungen über Sex und Macht von Lina Muzur (Herausgeber)

„In der vorliegenden Anthologie geht es um genau diese Art von Konfliktmomenten; um Momente, in denen die Anwesenden eine diametrale Sicht auf die Ereignisse haben; um Momente, die, nimmt man die englische Redewendung ganz wörtlich, im Nachhinein von ihm tatsächlich ganz anders erzählt werden als von ihr.“ (Seite 7)

Sagte sie enthält 17 Erzählungen, die sich um Angst, Scham, Wut und Schuld drehen. Angst davor, demjenigen, der Grenzen überschreitet, vor den Kopf zu stoßen. Scham wegen des Nicht-Handeln, wegen einer scheinbaren Akzeptanz des Geschehens. Wut auf sich selbst und auf den anderen, der nicht merkt, was man nicht in Worte fassen kann oder will. Schuld daran, dass man zur falschen Zeit am falschen Ort war, anscheinend nicht vorsichtig genug gewesen ist.

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Madonna von Lady Bitch Ray (Hörbuch)

„Einerseits die Mutter Jesu auf den Madonnenbildnissen der europäischen Kunst, andererseits Madonna mit ihren größtenteils sexuell konnotierten Inhalten. Madonna nimmt den Namen, füllt ihn neu und dekonstruiert damit die in vielen patriarchalischen Gesellschaften gängige Einteilung von Frauen in ‚Heilige‘ und ‚Hure‘. Und genau diese Assoziation führe ich mir regelmäßig vor Augen, allein schon des eigenen Empowerments wegen: für ein Viva la Madonna in uns!“ (CD 2, Track 1)

Lady Bitch Ray erzählt in Madonna, dem sechsten Band der KiWi Musikbibliothek, von Migrationshintergrund, Vorurteilen, Sexismus, Erotik, Feminismus, ihrer eigenen Karriere und ihren Frustrationen, die sie im Laufe ihres Lebens erlebt hat.

Dabei dreht sich das (Hör-) Buch tatsächlich vor allem um Lady Bitch Ray selbst, bisweilen um den Einfluss, den Madonna auf die Rapperin und promovierte Sprachwissenschaftlerin hatte, um bestimmte Madonna-Lieder und auch ein wenig um Madonnas Leben und deren Karriere.

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Dr. Sex von T.C. Boyle (Hörbuch)

„Wir waren Wissenschaftler, keine Moralisten. Unsere Pflicht war es, zu beobachten und aufzuzeichnen, ohne ein Urteil zu fällen.“ (CD 3, Track 12)

Alfred Kinsey war ein US-amerikanischer Sexualforscher, der umfängliche Erhebungen und Untersuchungen über das menschliche Sexualverhalten durchführte. Diese Datensammlung floss in die sogenannten Kinsey-Reports, die 1948 („Sexual Behavior in the Human Male“) und 1953 („Sexual Behavior in the Human Female“) im englischen Original erschienen und als ein Auslöser der Sexuellen Revolution gelten.

Diesem Thema widmet sich T.C. Boyle in seinem zehnten Roman, der bereits 2005 im englischen Original (The Inner Circle) und im gleichen Jahr in deutscher Übersetzung erschien.

Wie vom Autor gewohnt, vermischt Boyle hier eine wahre Geschichte mit einem fiktionalen Anteil. Erzählt wird die Geschichte von John Milk, der 1939 in sogenannten Ehekursen auf den charismatischen Professor Kinsey trifft, schließlich für ihn arbeitet und so in den inneren Kreis des Wissenschaftlers aufgenommen wird.

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Grausame Frauen. Schockierende Fälle einer forensischen Psychiaterin von Nahlah Saimeh

„Menschen sind komplexe Wesen, und die menschliche Psyche ist nicht eindimensional beschreibbar.“ (Seite 159)

Nahlah Saimeh erzählt im Vorwort von ihrem eigenen Werdegang als (forensische) Psychiaterin und stellt im Folgenden acht ausführliche Fallgeschichten vor. Der Leser erfährt dabei z.B. von einer Frau, die ihren Ex-Partner mit einem Saufänger erdolcht, und von einer Mutter, die ihre Kinder erstickt hat, sowie von einer Schülerin, die einen Amoklauf geplant und initiiert hat.

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Sektenkinder. Über das Aufwachsen in neureligiösen Gruppierungen und das Leben nach dem Ausstieg von Kathrin Kaufmann, Laura Illig und Johannes Jungbauer

„In den Gesprächen zeigte sich über die unterschiedlichen religiösen Gruppierungen hinweg ein erschreckendes Ausmaß an Gewalt. Die meisten Sektenkinder offenbarten uns in den Gesprächen, in ihrer Kindheit und Jugend Opfer körperlicher und seelischer Misshandlungen geworden zu sein.“ (Seite 39)

In Sektenkinder kommen mehrere Personen zu Wort, die in Sekten (z.B. Neuapostolische Kirche, Zeugen Jehovas, Moon-Bewegung, verschiedene Freikirchen) aufgewachsen und schließlich ausgestiegen sind.

Diese Betroffenen berichten im ausführlichsten Kapitel des Buches von emotionaler Vernachlässigung, körperlicher und sexueller Gewalt, Trennung von den Eltern, Regeln, Willkür, (unerfüllten) Grundbedürfnissen, sekundärer Viktimisierung, Bestrafung, Isolation, Ausgrenzung, „Sektenpersönlichkeit“, aber auch von Verbundenheitsgefühl, Solidarität und Zuwendung.

Weitere Kapitel widmen sich unter anderem dem Ausstieg aus der Sekte und der Zeit danach.

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Die Schande von Missoula von Jon Krakauer

„Wenn man von jemandem, den man kenne und dem man vertraue, sexuell missbraucht werde […], dann „ist die Welt auf einmal ein sehr, sehr beängstigender und unberechenbarer Ort“.“

In Die Schande von Missoula beschäftigt sich Jon Krakauer mit einer Serie von sexuellen Übergriffen, die sich zwischen 2010 und 2012 in der Universitätsstadt Missoula/Montana zugetragen haben.

Dabei führte er Interviews mit Opfern, deren Familien, Freunden und Bekannten sowie mit den mutmaßlichen Tätern. Die Schande von Missoula von Jon Krakauer weiterlesen

Im Herzen der Gewalt von Édouard Louis

„[…] ich rede mir ein, ein kleines Detail, ein winziges, unbedeutendes Detail wie ein Glas mehr oder weniger, oder auch eine kleine Pause, um mir ein paar Dutzend Meter vor der Place de la République die Schnürsenkel zu binden, oder ein kleiner Umweg durch eine Straße, die ich mag, die ich angenehmer, schöner, besonderer finde, ich frage mich, ob etwas derart Banales mir erlaubt hätte, Reda nicht zu begegnen, ob eine so lächerliche andere Entscheidung den Verlauf der Nacht und der folgenden Monate geändert hätte.“

Édouard hat den Heiligabend mit seinen besten Freunden Didier und Geoffroy verbracht und macht sich schließlich mit seinen Buchgeschenken auf den Heimweg. Da trifft er auf einen gutaussehenden, sympathischen, lächelnden Fremden, der darauf insistiert, dass Édouard mit ihm spricht und noch ein wenig Zeit mit ihm verbringt. Und nach einigem Zögern entschließt sich Édouard, den Fremden – Reda – mit zu sich zu nehmen. Sie verbringen die Nacht miteinander, reden, lachen, doch gegen Morgen kippt die Stimmung, und Reda zieht plötzlich eine Waffe. Im Herzen der Gewalt von Édouard Louis weiterlesen

Bezimena von Nina Bunjevac

„Aus dem sonderbaren Kind wurde ein noch sonderbarer junger Mann, der immerzu im Schatten lauerte und den die unheilvollen Gedanken seiner Kindheit nie ganz verlassen hatten – sie hielten sich nunmehr lediglich verborgen.“

Bezimena taucht den Kopf einer Priesterin unter Wasser, bis sie stirbt, und sie wird schließlich als Junge wiedergeboren. Die Eltern – eine wohlhabende Gerberfamilie – hatten einen langgehegten Kinderwunsch, und finden mit Benedict (Benny) vorerst ihr Glück.

Doch schon als Kind zeigt Benny auffälliges Verhalten gegenüber einer Mitschülerin, und als Erwachsener trifft er die „weiße Becky“, die er schon als Junge begehrt hat, wieder. Er findet ihr Tagebuch, in das sie Szenen sexuellen Inhalts gezeichnet hat, die Benny schließlich in die Tat umsetzt.

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