Alle Beiträge von Infraredhead

Der Kalligraph von Isfahan von Amir Hassan Cheheltan

„Hier ist Isfahan, nur einen Schritt von der Hölle entfernt!“

Der Erzähler der Rahmengeschichte entdeckt nach dem Tod seines Vaters einen Familienstammbaum, der ihm Rätsel aufgibt. Auf der Suche nach Erklärungen und Antworten reist er nach Delhi und findet dort in der Bibliothek eines Sammlers ein Büchlein. Dieses Büchlein enthält den „Bericht des Enkels des großen Kalligraphen aus der Zeit der Belagerung von Isfahan“, und im weiteren Verlauf des Romans wird die Geschichte um Allahyâr (den Enkel des Kalligrafen) erzählt, der im Jahre 1722 in Isfahan lebte und der vom Ende der persischen Safawiden-Dynastie und der Belagerung der Stadt durch die Afghanen berichtete. Der Kalligraph von Isfahan von Amir Hassan Cheheltan weiterlesen

Iran-Thema im Oktober 2017

In Teheran (Quelle: Kamyar Adl auf Flickr)

Der Iran fasziniert mich schon seit vielen Jahren, und obwohl ich sehr viele Iraner kenne, die mir ihr Heimatland, das sie aufgrund der politischen Entwicklungen seit der Rückkehr Ruhollah Chomeinis aus dem französichen Exil und der Gründung der Islamischen Republik verlassen haben, kulturell, landschaftlich und historisch schmackhaft gemacht haben, habe ich den Iran noch nie selbst bereist. Iran-Thema im Oktober 2017 weiterlesen

Belletristik, Sachbücher, Reiseberichte aus und über Italien

In diesem Post liste ich Belletristik, Sachbücher und Reisebücher aus und über Italien auf. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe. Belletristik, Sachbücher, Reiseberichte aus und über Italien weiterlesen

Savoir-vivre. Leben wie eine Französin von Murielle Rousseau

„C’est ça, la vie“

Murielle Rousseau erzählt in Savoir-vivre alles Wissenswerte über das Leben in Frankreich. Zwischen „Académie française“ und „Zut“ findet der Leser Informationen zur Kunst des Lebens, zu Sprache, Essen, Getränken, Landschaften, Literatur, Kunst, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Mentalität, Humor, Lebensfreude, Traditionen und verschiedenen Persönlichkeiten.

Rousseau berichtet mit einem Augenzwinkern von ihrem Heimatland, bedient dabei durchaus Klischees, räumt aber auch mit Vorurteilen auf. Das Resultat ist ein unterhaltsames Buch, das dem Leser Frankreich nahebringt und die Franzosen entmystifiziert. Savoir-vivre. Leben wie eine Französin von Murielle Rousseau weiterlesen

Im Schatten der Pineta von Marco Malvaldi

„Die Nase in die Angelegenheiten anderer stecken.“

Sommer in der Toskana: Im kleinen Küstenstädtchen Pineta ist die Welt noch in Ordnung. Hier treffen sich tagtäglich vier alte Herren in der BarLume und vertreiben sich die Zeit mit Gesprächen, Kartenspielen und Espresso. Doch als ganz in der Nähe des Cafés die Leiche eines Mädchens in einem Müllcontainer gefunden wird, gerät die Idylle aus den Fugen und die Suche nach dem Täter beginnt. Im Schatten der Pineta von Marco Malvaldi weiterlesen

Der Tod in Venedig von Thomas Mann (Hörbuch)

„Wer hätte nicht einen flüchtigen Schauder, eine geheime Scheu und Beklommenheit zu bekämpfen gehabt, wenn es zum ersten Male oder nach langer Entwöhnung galt, eine venezianische Gondel zu besteigen? Das seltsame Fahrzeug, aus balladesken Zeiten ganz unverändert überkommen und so eigentümlich schwarz, wie sonst unter allen Dingen nur Särge sind, es erinnert an lautlose und verbrecherische Abenteuer in plätschernder Nacht, es erinnert noch mehr an den Tod selbst, an Bahre und düsteres Begängnis und letzte, schweigsame Fahrt.“

Gustav von Aschenbach zieht sich nach dem Tod seiner Frau zurück, ist einsam und verreist nicht mehr. Doch dann weckt ein flüchtiger Blick auf einen Fremden vor dem Münchner Friedhof sein Reisefieber, und er macht sich auf den Weg nach Italien.

Nach einem kurzen Aufenthalt auf einer Adria-Insel kommt er mit dem Schiff in Venedig an und trifft dort im Hotel auf eine polnische Familie, deren Sohn Tadzio ihn sofort fesselt. Er verliebt sich in den schönen Jungen, beobachtet ihn, folgt ihm durch die Stadt und ist regelrecht besessen von ihm, ohne je mit ihm gesprochen zu haben. Der Tod in Venedig von Thomas Mann (Hörbuch) weiterlesen

Nichts als die Nacht von John Williams (Hörbuch)

„Die Angst, die dir die Kehle schnürt,
soll haben keine Macht;
wohin der längste Weg auch führt,
da ist nichts als die Nacht.“
(A.E. Housman)

„Er spürte heftige Enttäuschung, als er den Hörer zurück auf die Gabel legte. Er hatte sich vor der Stimme seines Vaters gefürchtet. Als er sie dann aber nicht hörte, war er enttäuscht. Und mit der Enttäuschung kam die Angst.“

Die Novelle Nichts als die Nacht erschien bereits 1948 im englischsprachigen Original, wurde aber erst jetzt – nach den großen Erfolgen von John Williams Romanen Stoner, Butcher‘s Crossing und Augustus – ins Deutsche übersetzt. Es handelt sich bei Nichts als die Nacht um Williams‘ Debüt, das er mit Anfang 20 geschrieben hatte und das initial von mehreren Verlagen abgelehnt wurde.

Im Mittelpunkt der Novelle steht Arthur Maxley, der ein schwermütiger Mensch ist und noch immer von einem Trauma aus seiner Kindheit geplagt wird. Maxley scheint weder zu arbeiten noch zu studieren und versucht, sein Leben durch tägliche Spaziergänge zu strukturieren. Dann reißt ihn ein Brief seines verhassten Vaters aus der Lethargie und aus seinem lähmenden Alltag, und nach einem anfänglichen Widerstreben, den Vater zu treffen, durchströmt Maxley eine seltsame Wärme beim Gedanken an seinen Vater, mit dem er lange keinen Kontakt hatte, und er greift zum Telefon. Nichts als die Nacht von John Williams (Hörbuch) weiterlesen

Mit Zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung von Valentina D’Urbano

„Es gibt tausend Sachen, die ich ihn hätte fragen wollen und die ich nun nicht mehr erfahren werde.“

Beatrice erzählt vom Leben in La Fortezza, von ihrer Kindheit und Jugend in ärmlichen und trostlosen Verhältnissen, von Alfredo, an dessen Grab sie zu Beginn des Romans steht, der über Jahre hinweg ihr bester Freund war, der sie nun allein zurückgelassen hat. Mit Zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung von Valentina D’Urbano weiterlesen

Das Geheimnis der Winterschläfer von Lisa Warnecke

„Doch der Begriff <Winterschlaf> ist denkbar irreführend. Denn erstens schlafen Tiere während dieser Zeit gar nicht und zweitens muss sie nicht zwingend im Winter liegen.“

In Das Geheimnis der Winterschläfer erzählt die promovierte Biologin Lisa Warnecke von dem Zustand, der in der Allgemeinbevölkerung als „Winterschlaf“ bekannt ist, von Biologen jedoch „Torpor“ genannt wird und zu dem nur Vögel und Säugetiere fähig sind, die so ihren Energiebedarf um 99 Prozent senken. Im Torpor werden lebenserhaltende Funktionen wie der Stoffwechsel, der Herzschlag und die Körpertemperatur stark heruntergefahren, so dass die Tiere leblos erscheinen, obwohl sie den Zustand selbst stark regulieren und aus eigener Kraft wieder verlassen können. Das Geheimnis der Winterschläfer von Lisa Warnecke weiterlesen

Das geheime Netzwerk der Natur von Peter Wohlleben (Hörbuch)

„Die Natur ist wie ein großes Uhrwerk. Alles ist übersichtlich geordnet und greift ineinander, jedes Wesen hat seinen Platz und seine Funktion.“

In Das geheime Netzwerk der Natur erzählt der Förster Peter Wohlleben von Wölfen und Uferneugestaltung, Kranichen und spanischer Schinkenproduktion, Amerikanischen Seeforellen und Hirschpopulationen, Rehen und Photosynthese, Speichel und Salicylsäure, Vergissmeinnicht und Ameisen, Borkenkäfern und Klimawandel, Wachsmotten und Fledermäusen, Linsenfliegen und Verwesung, Windpocken und Afrikanischer Schweinepest, Zecken und Ginster, Terpenen und Klima, Sichelzellanämie und Malaria. Das geheime Netzwerk der Natur von Peter Wohlleben (Hörbuch) weiterlesen