Schlagwort-Archive: Paris

Die Entflohene von Violaine Huisman

„Die Kehrseite ihrer Tobsuchtsanfälle war nicht Zurückhaltung, sondern Verehrung. Wir liebten sie über alles […].“ (Seite 14)

Wutanfälle und Beschimpfungen. Vernachlässigung und Gewalt. Alkoholmissbrauch und Medikamentencocktails. Zerbrechen von Beziehungen zum Vater und anderen Bezugspersonen. Emotionale Distanzierung und große Verzweiflung. Zwangseinweisung und Risikoverhalten.

Das ist die tägliche Lebens- und Erlebenswelt der Ich-Erzählerin in Violaine Huismans Roman Die Entflohene, in dem die Autorin von ihrer eigenen Kindheit mit ihrer Mutter mit bipolarer Störung erzählt.

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All das zu verlieren von Leïla Slimani (Hörbuch)

„Sie ist euphorisch, wie Betrüger es sind, die man noch nicht entlarvt hat. Voller Dankbarkeit, geliebt zu werden, und starr vor Angst bei der Vorstellung, all das zu verlieren.“ (Track 22)

Adèle lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn im 18. Arrondissement in Paris, arbeitet in einer Redaktion, hat anscheinend alles, was man sich wünschen kann.

Doch Adèle fühlt nichts als Leere, und sie versucht, diese Leere durch wahllosen Sex mit unzähligen Männern zu füllen. Sie führt ein Doppelleben zwischen ihrem gesellschaftlich akzeptiertem Leben als Ehefrau, Mutter und Journalistin und dem Leben, in dem sie immer wieder (sexuelle) Grenzen überschreiten muss. Sie ist getrieben, die Suche nach etwas, das die Leere füllt, hat Suchtcharakter und bringt sie dazu, alles zu riskieren und alles in Frage zu stellen.

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Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale von Jean-François Parot

„nichts ist näher an einem Abgrund als ein Gipfel.“ (Seite 57)

Paris im Jahre 1770: Monsieur de Sartine hat Nicolas Le Floch den Personenschutz für die königliche Familie anlässlich der Heirat des Dauphins mit Marie-Antoinette übertragen. Mit einem spektakulären Feuerwerk soll die bevorstehende Vermählung gefeiert werden, und die Straßen Paris‘ sind voller Menschen und Kutschen.

Durch fehlgeleitete Feierwerkskörper bricht schließlich ein Feuer aus, und es kommt zu einer Massenpanik: Menschen versuchen, durch die vollgestopften Straßen zu fliehen, werden zu Tode getrampelt oder fallen in die Seine und ertrinken. Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale von Jean-François Parot weiterlesen

Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten von Jean-François Parot

„Zögern Sie nicht, Minen zu legen, aber lösen Sie keine Explosion aus ohne meinen ausdrücklichen Befehl.“ (Seite 48)

Oktober 1761: Commissaire Nicolas Le Floch ist aus dienstlichen Gründen in der Pariser Oper: Der Polizeipräfekt Monsieur de Sartine hat ihn beauftragt, den Saal zu überwachen, da Madame Adélaïde, die Tochter des Königs Louis XV, mit ihrem Gefolge anwesend ist und die Königsfamilie nach einem Attentat auf Louis XV in Angst lebt.

Am Ende des zweiten Aktes wird es in der Königsloge unruhig, und bald stellt sich heraus, dass der Comte und die Comtesse de Ruissec, die beide in der Oper anwesend sind, eine sehr aufwühlende Nachricht erhalten haben: Ihr ältester Sohn Vicomte Lionel war am Abend nach Hause gekommen, sofort in sein Zimmer gegangen und hatte sich darin eingeschlossen. Kurz darauf hatten die Diener einen Schuss gehört.

Vieles deutet auf einen Suizid hin, und einer der Diener erzählt, dass der Vicomte schon seit 20 Tagen Suizidgedanken geäußert hätte. Doch es gibt auch Auffälligkeiten, die für Le Floch nicht ins Bild passen, und sein Gefühl sagt ihm, dass sie es hier mit einem Mord zu tun haben. Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten von Jean-François Parot weiterlesen

Geschenkideen für die Freundin, die sich gerne das Grauen ins Haus holt

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Geschenkideen für den Schwippschwager, der viel Text unheimlich findet

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Bataclan. Wie ich überlebte von Fred Dewilde

„Getränkt vom Blut von Opfern und Tätern gehöre ich nun zu dem Teil der Menschheit, der den Geruch, den Geschmack des Grauens, des Unfassbaren kennt.“

Als Fred Dewilde am 13. November 2015 mit Freunden ins Pariser Bataclan geht, freut er sich auf einen unterhaltsamen Abend und das Konzert der US-amerikanischen Rockband Eagles of Death Metal. Was dann passiert, verändert sein zukünftiges Leben nachhaltig: Das Bataclan wird an diesem Abend eines der Ziele des Islamischen Staates, als an fünf verschiedenen Orten in Paris Attentate durchgeführt wurden, bei denen 130 Menschen starben und fast 700 verletzt wurden, davon beinahe 100 schwer.

In Bataclan. Wie ich überlebte erzählt Dewilde von den Ereignissen vor Ort, von seinem Überleben und von seinem Leben nach dem Überleben, wobei das Letztgenannte den größten Raum im Buch einnimmt und zudem nicht als Graphic Novel, sondern als längerer Fließtext abgedruckt ist. Bataclan. Wie ich überlebte von Fred Dewilde weiterlesen

Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel von Jean-François Parot

„Schließlich handelte es sich ja um eine so dicht verknäuelte Reihe von Knoten, dass weder durch Nachdenken noch Betrachten Anfang und Ende der Schlingung erkennbar war.“ (Quintus Curtius Rufus)

1759 in Frankreich: Der 19-jährige Nicolas Le Floch hat bei Jesuiten in Vannes ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert und schließlich als Notariatsgehilfe in Rennes gearbeitet. Eines Tages gibt ihm sein Patenonkel, der Marquis de Ranreuil, ein Empfehlungsschreiben für seinen Freund Monsieur de Sartine, der Polizeipräfekt in Paris ist, und schickt Nicolas zu ihm.

Sartine bietet Nicolas eine Anstellung als Sekretär im Dienste des Königs an, und Nicolas zeigt viel Talent und Eifer bei seiner Arbeit, wodurch sein Ansehen steigt. Nachdem der Polizeikommissar Lardin, in dessen Haus Nicolas untergekommen ist, verschwindet, erhält Nicolas von Sartine deshalb die vertrauensvolle Aufgabe, Lardin aufzuspüren. Bald wird eine Leiche gefunden, bei der es sich um den Polizeikommissar handeln könnte, doch Nicolas vermutet, dass es sich um eine Finte handeln könnte. Und je mehr Nicolas recherchiert, desto mehr verdächtige Personen tun sich auf, desto komplexer werden die Zusammenhänge und desto mehr gerät sein eigenes Leben in Gefahr. Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel von Jean-François Parot weiterlesen

Desorientale von Négar Djavadi

„Ich gehe. Es ist möglich, dass eine so schreckliche Sache geschieht, so wie es möglich ist zu sterben, obwohl man noch eine Sekunde zuvor gelacht hat. Genauso einfach ist das, und genauso unbegreiflich.“

Kimiâ Sadr, die Ich-Erzählerin des Romans und Alter Ego der Autorin Négar Djavadi, nimmt den Leser mit auf die Reise in die Vergangenheit ihrer Familie.

Djavadi erzählt von der Herrschaft des Schahs und der Geheimpolizei SAVAK, von Verhaftung und Eliminierung, von der kommunistischen Partei Tudeh und dem Leben im Untergrund, von der Rückkehr Chomeinis aus dem Exil und der Gründung der Islamischen Republik, von Hoffnung und Enttäuschung, von Flucht und Migration, vom Leben im Exil und den Schwierigkeiten, an einem anderen Ort anzukommen und weiterzuleben. Desorientale von Négar Djavadi weiterlesen