Schlagwort-Archiv: Vergänglichkeit

Einsamsein. Eine Befreiungsgeschichte von Daniel Haas

„Ich war einsam, nicht erst jetzt, als ausgebrannter, arbeitsloser und von der Freundin verlassener Single. Ich war schon seit langem einsam, und die Wohnungen, die ich seit meiner Studienzeit in den Achtzigerjahren bewohnt hatte, erschienen mir nun als perfekte Kulisse für meine Verfassung.“ (Seite 14)

Nach dem Suizid des Vaters 1984 entschließt sich 2021 auch die Mutter von Daniel Haas zu ihrem Suizid – mithilfe des Schweizer Sterbehilfevereins Exit.

Dazwischen liegen Jahre der Einsamkeit, der Isolation und Verwahrlosung des Autors, von Depression und Pandemie. Haas hatte irgendwann alles verloren: seinen Job als Journalist, seine Partnerin, sein Buchprojekt.

In Einsamsein erzählt Haas von seiner Mutter und ihrem zweiten Ehemann, vom Suizid der Mutter und des Vaters, von der Zeit nach dem Suizid der Mutter – und immer wieder von Einsamkeit, die ihn schon seit jeher begleitet hat. Er erzählt zudem von der Flucht nach vorn in die Manie sowie von der Suche nach Zuneigung und Verbundenheit.

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Der natürliche Sterbeverlauf. Die letzten vier Phasen am Lebensende von Michael Hatzenbühler

„Ja, wir Ärztinnen und Ärzte verfügen über Wissen über Physiologie, Pharmakologie und Anatomie, wir besitzen ein recht umfassendes theoretisches und wissenschaftlich fundiertes Wissen über den Menschen und seine Erkrankungen. Das darf uns jedoch nicht dazu verleiten, paternalistisch, bevormundend oder gar rechthaberisch zu agieren.“ (Seite 12f)

Der Palliativmediziner Michael Hatzenbühler, der etwa 5000 Sterbende begleitet hat, erzählt in seinem Buch initial, was natürliches Sterben überhaupt ist, geht näher auf unbegründete Ängste ein, spricht von natürlichen Veränderungen in den Sterbephasen, thematisiert Akzeptanz des Sterbens, bietet Empfehlungen und Anregung für Sterbende und für Angehörige, beschreibt, was die Hospizbewegung und die SAPV, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, sind. Am Ende erklärt er was kurative und was palliative Behandlung bedeutet.

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Suizid in der Psychotherapie. Informationen und Unterstützung für Behandelnde von Tobias Teismann, Birgit Wagner und Laura Hofmann

„Zusammenfassend bedeutet dies, dass das Vorliegen einer psychischen Störung einen echten Risikofaktor für suizidales Erleben und Verhalten darstellt – und gleichzeitig, dass die allerwenigsten Menschen, die an einer psychischen Störung leiden, durch einen Suizid sterben werden.“ (Seite 9)

Tobias Teismann, Birgit Wagner und Laura Hofmann setzen sich in ihrem Buch zum einen mit Grundlagen und verschiedenen Erfahrungen mit Suiziden auseinander. Sie besprechen in diesem Abschnitt zum Beispiel den Hindsight‑Bias, blicken auf die Empirie der Patientensuizide und lassen Betroffene von Patientensuizid ihre Geschichte erzählen, zum Beispiel von Suizid in der Ausbildung, im stationären oder ambulanten Setting.

Im nächsten Abschnitt gehen die Autor:innen auf emotionale Anforderungen ein, etwa Schuld- und Schamgefühle, Trauer und Selbstwirksamkeit. Sie berichten zudem von äußeren Anforderungen, zum Beispiel Angehörige oder Mitpatient:innen nach einem Suizid in der Klinik, und beschreiben schließlich die organisatorischen Anforderungen, etwa die Rolle der Institution oder Einrichtung, Postvention, Supervision und Intervision sowie Peer-Support.

Im Abschnitt 3 erfährt der Leser mehr zu rechtlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel Rechtslage und Dokumentation.

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Mama & Sam von Sarah Kuttner (Hörbuch)

„Aber um das Ausmaß der Sache zu verstehen, muss ich lesen, und zwar der Reihe nach. Also höre ich dieses Mal nicht auf, sondern will zumindest den ersten offiziellen Tag in diesem elendigen Chat zu Ende lesen.“ (Track 35)

Die Mutter der Ich-Erzählerin ist tot. Sie lag allein in ihrer Wohnung, bis Nachbarn sich über das durchgehend angeschaltete Licht und den zunehmenden Geruch wunderten.

Die Ich-Erzählerin hatte den Kontakt abgebrochen, nachdem ihre Mutter in Kontakt mit einem Love‑Scammer getreten war und vollkommen beratungsresistent weiter Kontakt hielt und dem Mann immer wieder Geld zukommen ließ.

Nach ihrem Tod zeigt sich, dass die Mutter Unsummen in diesen Mann investiert hat.

Die Ich-Erzählerin, die das Erbe ausschlägt, liest sich durch den Chatverlauf ihrer Mutter mit dem Mann, in den ihre Mutter sich verliebt hat und der letztendlich ihr Leben zerstörte.

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Über Suizidalität sprechen. Erfahrungen aus der Angehörigenberatung von DIE ARCHE – Suizidprävention und Hilfe in Lebenskrisen e.V. (Herausgeber)

„Suizid ist in unserer Gesellschaft noch immer mit einem Stigma belegt.“ (Seite 11)

Das Buch vermittelt viel Wissen darüber, wie wichtig es ist und warum es wichtig ist, über Suizidalität zu sprechen. Es werden Warnsignale erwähnt und Informationen gegeben, wie man in Kontakt mit professionellen Helfern kommen kann. Es wird beschrieben, was man konkret tun kann, wenn Angehörige suizidal sind, wie man mit der eigenen Angst umgeht und was man bezüglich Selbstfürsorge und Grenzsetzung tun sollte. Außerdem wird dargestellt, was die Wissenschaft über Suizidalität weiß und was sie nicht weiß.

Wichtig zu erwähnen finde ich, dass im Buch nur Geschichten von Bewältigungen einer suizidalen Krise erzählt werden.

„Wissen über Suizidalität vermittelt zu bekommen oder sich anzueignen, kann Orientierung geben und den Umgang erleichtern.“ (Seite 44)

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Zuversicht. Von den kleinen Wundern des Lebens von Louise Brown

„Sie konfrontierte mich mit einer Wahrheit, die ich erst heute zu verstehen meine, nämlich, dass Heilung nur bedeuten kann, mit seinen inneren Konflikten leben zu können.“ (Seite 56)

Louise Brown erzählt in Zuversicht von Gedanken und Erinnerungen, von Krankheit und Tod, von Verlusten und Abschieden, von Trauer und Dankbarkeit, von Routinen und dem Durchbrechen von Routine, von Depression und Freude, von Achtsamkeit und dem Fokus auf Dinge, die sie zum Staunen bringen.

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Therapie-Tools Lebenssinn und existenzielle Fragen von Fabian Chmielewski und Sven Hanning

„Wozu das alles? Die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem ‚Universum und dem ganzen Rest‘ ist uralt. Sie hat in der Menschheitsgeschichte viele unterschiedliche Antworten erhalten, allerdings wurde bislang noch keine letztgültige Antwort entdeckt – die Frage nach dem Sinn bleibt eine offene Frage. Auch in der Psychotherapie begegnet uns diese Frage, wenn Patient:innen Sinn suchen oder Sinn verloren haben.“ (Seite 8)

Fabian Chmielewski und Sven Hanning setzen sich in ihren Therapie-Tools zunächst mit einer Einführung ins Thema auseinander, gehen dann näher auf Diagnostik und Fallkonzept ein, stellen Besonderheiten zum Thema Enttäuschung und Bescheidenheit vor, bieten Strategien zum Finden von Orientierung, um Zugehörigkeit zu stärken, um Bedeutsamkeit zu erhöhen, um Nachvollziehbarkeit und um Echtheit zu fördern. Im letzten Abschnitt gehen sie schließlich auf Tod und Sterblichkeit ein.

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Trauerrituale – in neuer Form verbunden von Joanna Lisiak

„Die Trauer bringt alles durcheinander. Alles ist anders. Nichts kann je wieder so sein, wie es war. Vieles ist infrage gestellt. Die Strukturen zerfallen. Die Zukunft sieht ohne den geliebten Menschen unwirklich und düster aus. Das Lebensgefühl ist das eines verlorenen Kampfes, einer persönlichen Niederlage. Man fühlt sich so allein wie der letzte Mensch auf Erden. Ein Mensch, der untröstlich bleibt und dem nichts und niemand helfen kann. Außer, wenn die Umkehrung des Unumkehrbaren sich vollzöge.“ (Seite 11)

Joanna Lisiak setzt sich in ihrem Buch mit verschiedenen Trauerritualen auseinander. Dazu gehören „Rituale in der Natur“, zum Beispiel mit Blättern und Bäumen, „Rituale im Kleinformat“, zum Beispiel mit einem Handschmeichler, einer Feder oder einem bestimmten Ort, den man mit dem Verstorbenen assoziiert.

Es gibt zudem „Rituale, die nach innen gehen“, zum Beispiel bestimmte Farben oder Tees, „Rituale, die in die Tiefe gehen“, zum Beispiel um Vergebung zu bitten oder Bedauern auszusprechen, „Rituale zur Stärkung der Erinnerung und des Nicht-Vergessens“, zum Beispiel im Namen des Verstorbenen etwas spenden, „Rituale, die einfach umzusetzen sind“, zum Beispiel mit Blumen, sowie „Rituale, die über das rein Physische hinausgehen“, zum Beispiel mittels Dankbarkeit.

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Autobiografie meines Körpers von Lize Spit

„Eine Mutter ist diejenige, trotz der man existiert, eine Mama ist diejenige, dank der man existiert.“ (Seite 18)

Die Mutter von Lize Spit hat ein Ösophagus-Karzinom und lässt sich zeitgleich zur Diagnosestellung von ihrem Ehemann scheiden.

Spit erzählt von ihrem eigenen Aufwachsen, von ihren Geschwistern Siska, Jules und Tiny, von der Alkoholabhängigkeit der Mutter, von ihrer Kindheit und Jugend mit Entbehrungen und von fehlender Bindung.

Sie berichtet zudem von selbstverletzendem Verhalten, vom eigenen Alkoholkonsum, von der langen Sprachlosigkeit zwischen ihr und der Mutter, die sich durch die Diagnosestellung plötzlich verändert.

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Komplizierte Trauer (Fortschritte der Psychotherapie) von Hansjörg Znoj

„Es gibt keine genormte Trauerreaktion.“ (Seite 5)

Hansjörg Znoj berichtet in seinem Buch anfangs über verschiedene Trauerformen und setzt sich mit Störungstheorien und Störungsmodell sowie Diagnostik und Interventionen auseinander.

Im Folgenden stellt er die Behandlung und die therapeutische Unterstützung detailliert dar, beispielsweise durch Ressourcenaktivierung und eine bewältigungsorientierte Vorgehensweise.

Am Ende geht er auf Erfolgskriterien und mögliche Entwicklungen ein. Im Anhang finden sich zwei Fragebögen, eine Auflistung verschiedener Selbsthilfegruppen sowie eine Karte mit einem Leitfaden für das Erstgespräch.

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