Schlagwort-Archive: Spanien

Nacht in Caracas von Karina Sainz Borgo

„Beim Aufsetzen ihrer Grabinschrift begriff ich, dass sich der Tod als Erstes in der Sprache vollzieht, in diesem Akt, die Personen aus der Gegenwart zu reißen und in die Vergangenheit zu pflanzen. Sie in abgeschlossene Handlungen zu verwandeln. In Dinge, die in einer erloschenen Zeit begannen und endeten. In etwas, was war und nicht mehr sein wird.“ (Seite 7f)

Mit dem Tod ihrer Mutter verliert Adelaida Falcón ihre wichtigste Bezugsperson und ihren sicheren Hafen mitten in der Unsicherheit, die Venezuela seit Jahren bietet.

Ihr Land und ihre Heimat hat Adelaida schon lange verloren, seit Entführungen, Überfälle, Vergewaltigungen und Inflation an der Tagesordnung in Caracas sind, und schließlich verliert sie auch die Wohnung, in der sie aufgewachsen ist und die voller Erinnerungen an ihre Mutter steckt, an eine Gruppe von Frauen, die ihre Wohnung besetzen und verwüsten, geliebte Erinnerungsstücke zerstören und Adelaida zwingen, ihren einzigen Zufluchtsort aufzugeben.

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Langsame Jahre von Fernando Aramburu (Buch und Hörbuch)

„Don Victoriano sagt, Baske ist nur der, der Euskera spricht. Alle anderen sind bloß halbe Basken oder gleich Koreaner.“ (Seite 38)

Ein achtjähriger Junge wird zu Verwandten nach San Sebastían gebracht, da seine alleinerziehende Mutter in Armut lebt, ihn und seine Geschwister nicht mehr versorgen kann. Der Junge teilt sich ein Zimmer mit seinem Cousin Julen, der ihn anfangs piesackt, jedoch bald mit ihm spielt, ihm immer mehr vertraut und ihm schließlich den baskischen Patriotismus nahebringt.

Langsame Jahre wird aus zwei Perspektiven erzählt: Der Junge erzählt einem Autor von seinem Leben, da dieser die Erinnerungen in einem Roman verarbeiten möchte. Der Autor (Fernando Aramburu) macht sich Notizen, die für das Schreiben des Romans essentiell sind, merkt z.B. an, wo er mehr recherchieren muss, wie Orte und Situationen beschrieben werden sollen.

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Fettnäpfchenführer Spanien. Wie man den Stier bei den Hörnern packt von Lisa Graf-Riemann

„Vielleicht stellen Sie tatsächlich fest, dass Spanien anders ist, als Sie es sich immer vorgestellt haben, auf jeden Fall reicher, vielfältiger und spannender.“ (Seite 10)

Am Beispiel der Sozialwirtin Lena und des Programmierers Tom erzählt Lisa Graf-Riemann von den Fettnäpfchen und Fallstricken, in die man in Spanien geraten kann. Dabei empfand ich Tom als eher unsympathischen Zeitgenossen und Lena als insgesamt sympathischer; gemeinsam ergeben die beiden Reisenden aber eine gute Mischung, die unterhält und informiert.

Graf-Riemann thematisiert in ihrem Fettnäpfchenführer Spanien Regionalsprache und Dialekt, cruasán und Tapas, Brot und Wein, Trinkgeld und geteilte Rechnungen, Händeschütteln und besitos, Telefonieren und Smalltalk, Feilschen und Geburtstagsfeiern, Schinkenmuseum und Stierkampf, ETA und Franco-Diktatur, Zuhören und Unterbrechen, Alleinsein und Flirten, Bedanken und Fluchen, Picknick und Vegetarier, Vollkasko und Vetternwirtschaft, Retiro und Drogenprobleme, Flamenco und Taxifahrten, Mauren und Christen, Glückstrauben und rote Dessous.

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Die Stille des Todes von Eva García Sáenz

„Jeder Polizist hat sich diese Frage schon gestellt: Wenn der Mensch, den du am meisten liebst, ein Mörder ist, lieferst du ihn dann aus?“ (Seite 82)

Sommer 2016 in Vitoria, der Hauptstadt der spanischen Autonomen Region Baskenland: Inspector Unai López de Ayala, genannt Kraken, genießt gerade seinen freien Tag, als er einen aufgeregten Anruf seiner Kollegin Inspectora Estíbaliz Ruiz de Gauna, genannt Estí, erhält.

Zwei Leichen wurden in der Krypta der alten Kathedrale gefunden: ein junger Mann und eine junge Frau, die beide vollkommen nackt sind und eine Hand an die Wange des anderen gelegt haben.

Die Position und der Zustand der Leichen sowie die Ausschmückung des Tatortes sehen genauso aus wie bei einer Mordserie, die sich 20 Jahre zuvor zugetragen hat und für die der charismatische Tasio Ortiz de Zárate verurteilt wurde, der seitdem inhaftiert ist und der seit 20 Jahren noch nie das Gefängnis verlassen hat. Die Stille des Todes von Eva García Sáenz weiterlesen

Berta Isla von Javier Marías

„Auch das würde ich nie erfahren, über nichts würde ich je etwas erfahren, weder wo er gewesen war, noch was er getan hatte, und ich fing an, mich damit abzufinden, dass es immer so sein würde, wenn ich mit ihm zusammenblieb. Aber ich hatte keinen anderen Plan im Leben, als mit ihm zusammenzubleiben […].“ (Seite 274)

Tomás Nevison – halb Spanier, halb Engländer – ist ein Sprachtalent, und so geht er nach der Schulzeit in Madrid zum Studium nach Oxford. Seine Freundin Berta Isla bleibt in Madrid, und nach Tomás‘ Rückkehr nach Madrid heiraten die beiden und bekommen zwei gemeinsame Kinder. Doch seit seiner Oxford-Zeit hat sich Tomás verändert, ist noch undurchschaubarer und geheimnisvoller als zuvor.

Was Berta nicht weiß, ist, dass Tomás in Oxford von seinem Professor Peter Wheeler für eine Geheimdiensttätigkeit angeworben wurde. Zwar hat Tomás anfangs abgelehnt, aber als seine Affäre Janet kurz nach seinem Besuch bei ihr ermordet wurde und Tomás unter Tatverdacht gerät, helfen ihm Wheeler und dessen Bekannte aus der Klemme, und so beginnt Tomás‘ Doppelleben, in dem er immer wieder auf Reisen geht, längere Zeit aus Madrid verschwindet, Berta und seine Kinder in Unwissenheit und Ungewissheit zurücklässt, ein Leben im Geheimen und mit unterschiedlichen Identitäten führt. Berta Isla von Javier Marías weiterlesen

Don Quixote von Miguel de Cervantes und Rob Davis (Graphic Novel)

„Ich sag dir was, dieses Zweite Buch von Don Quixote ist längst nicht so gut wie das Erste.“ (Seite 263)

In einem Ort in La Mancha lebte einst ein Edelmann, der all sein Geld in Bücher über das Rittertum investierte, sich schließlich in den Geschichten verliert und die kuriose Idee entwickelt, selbst ein fahrender Ritter werden zu wollen.

In einer halb verfallenen Rüstung und auf dem klapprigen Gaul Rosinante macht sich Don Quixote, wie er sich nun nennt, auf zu seinem ersten Abenteuer. Mit von der Partie ist sein Knappe Sancho Pansa, und zu Hause wartet die holde Dame Dulcinea del Toboso auf die Rückkehr ihres Ritters (die im echten Leben ein Bauernmädchen ist und kein bisschen auf den Don wartet). Don Quixote von Miguel de Cervantes und Rob Davis (Graphic Novel) weiterlesen

Ein Jahr in Madrid. Reise in den Alltag von Anne Grüttner

„De Madrid al cielo, y un agujerito para verlo.“ (Seite 189)

Anne Grüttner hat ein paar Jahre in Südamerika gelebt, doch nun zieht es sie wieder nach Europa. Zusammen mit ihrem Mann entscheidet sie sich für ein Leben in Madrid, wo sie erst einmal für ein Jahr wohnen möchten.

Architektur in Infrarot, Madrid (2016)

Palacio Real in Infrarot, Madrid (2016)

Palacio Real, Infrarot, Madrid (2016)

Säulen, Infrarot, Madrid (2016)

In Ein Jahr in Madrid erzählt Grüttner von Alcobendas und La Moraleja, Steuernummer NIE und Portero, Puerta del Sol und Plaza Mayor, Conjuntada und Nagelstudios, Prado und Palacio Real, El Escorial und Valle de los Caídos, Francisco Franco und Juan Carlos, Urbanización und Pueblo, Schweineschnauze und Eintopf, Mittagspause und ARHOE, Katalonien und Nationalismus, Gesundheitszentrum und Fehltagen, Silvester und Reyes Magos, Fluchen und Germanofobia, Verboten und Bußgeldern, Tapas und Parque del Retiro, Matanza und Stierkampf.

Palacio de Cibeles, Infrarot, Madrid (2016)

Palacio de Cibeles, Infrarot, Madrid (2016)

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Wie ein Stein im Geröll von Maria Barbal

Die Ich-Erzählerin Conxa wird im Alter von 13 Jahren zu ihrer Tante in ein benachbartes Dorf geschickt, da es dort genug Arbeit und auch genug zu essen gibt. Conxa muss damit alles Bekannte zurücklassen und fernab ihrer Eltern und Geschwister leben. Sie baut sich schließlich ein neues Leben in Pallarès auf und lernt die Liebe ihres Lebens – Jaume – kennen. Wie ein Stein im Geröll von Maria Barbal weiterlesen

Das Schweigen des Sammlers von Jaume Cabré

„Dass so viel Schmerz in einen drei Finger dicken Stapel Buchseiten passen soll, ist doch der reinste Hohn!“

Adrià Ardèvol i Bosch erlebt eine Kindheit voller Kontrolle, Zwang und Gehorsam, ohne elterliche Liebe und Zuneigung. Sein Vater hat große Ziele – Adrià soll mindestens 10 Sprachen sprechen und später Jura und Geschichte studieren. Seine Mutter wünscht sich, dass aus ihrem Sohn ein Geigenvirtuose wird. Eines Tages vertauscht Adrià die vom Vater geliebte, wertvolle Geige aus dem 18. Jahrhundert, mit der eigenen Geige, um seinem Freund Bernat die berühmte Storioni zu zeigen. Doch dann verlässt der Vater mit der falschen Geige das Haus und wird kurz darauf getötet.

Jahre später versucht Adrià, das Geheimnis um den Tod des Vaters zu lüften sowie der Herkunft und der tragischen Geschichte der Storioni auf die Spur zu kommen. Das Schweigen des Sammlers von Jaume Cabré weiterlesen

Ein Jahr in Barcelona. Auswandern auf Zeit von Barbara Baumgartner

„Man kann nichts tun, als demütig abzuwarten, bis das Unheil vorübergeht“

Barbara Baumgartner und ihr Mann ziehen ohne viel Vorbereitung, ohne Spanisch-Kenntnisse und ohne Freunde in der Stadt nach Barcelona.

In Ein Jahr in Barcelona erzählt die Autorin von Eixample und Barri Gòtic, Spanisch und Català, Tibidabo und Montjuϊc, Sagrada Familia und Gaudí, Rambla und Raval, Fahrradfahren und Corridas de toros, Kirchen und Kinos, Taschendieben und Einbrechern, Bauboom und Behördengängen, Bochorno und Orxata, Parc Güell und Pedro Almodóvar. Ein Jahr in Barcelona. Auswandern auf Zeit von Barbara Baumgartner weiterlesen