Die Stille des Todes von Eva García Sáenz

„Jeder Polizist hat sich diese Frage schon gestellt: Wenn der Mensch, den du am meisten liebst, ein Mörder ist, lieferst du ihn dann aus?“ (Seite 82)

Sommer 2016 in Vitoria, der Hauptstadt der spanischen Autonomen Region Baskenland: Inspector Unai López de Ayala, genannt Kraken, genießt gerade seinen freien Tag, als er einen aufgeregten Anruf seiner Kollegin Inspectora Estíbaliz Ruiz de Gauna, genannt Estí, erhält.

Zwei Leichen wurden in der Krypta der alten Kathedrale gefunden: ein junger Mann und eine junge Frau, die beide vollkommen nackt sind und eine Hand an die Wange des anderen gelegt haben.

Die Position und der Zustand der Leichen sowie die Ausschmückung des Tatortes sehen genauso aus wie bei einer Mordserie, die sich 20 Jahre zuvor zugetragen hat und für die der charismatische Tasio Ortiz de Zárate verurteilt wurde, der seitdem inhaftiert ist und der seit 20 Jahren noch nie das Gefängnis verlassen hat.

Da die Opfer in der Krypta exakt die gleichen Details wie die Morde vor 20 Jahren aufweisen, kommt erneut die Frage nach dem wirklichen Täter auf. Hat Tasio sein Täterwissen an eine andere Person weitergegeben, oder ist der tatsächliche Serienmörder seit 20 Jahren auf freiem Fuß und Tasio unschuldig?

Mir hat die Lektüre von Die Stille des Todes sehr gut gefallen, denn der Thriller ist von Anfangs an spannend und sehr stimmungsvoll. Ich kenne das Baskenland nicht von eigenen Reisen, aber Eva García Sáenz hat die Atmosphäre in Vitoria so gut eingefangen, dass ich mir die Schauplätze allesamt gut vorstellen konnte. Dabei hilft auch der kleine Stadtplan der Innenstadt Vitorias, der im Vorsatz abgedruckt ist, so dass man stets weiß, wo sich die Protagonisten befinden und wo die Leichen gefunden wurden.

Gelungen fand ich auch die vielen Informationen über die baskische Kultur, über baskische Mythen und Traditionen. So wurde ich nicht nur hervorragend unterhalten und war so gefesselt vom Buch, dass ich sogar beim Zähneputzen weitergelesen habe, sondern habe auch noch etwas gelernt, denn mit dem Baskenland habe ich mich bisher kaum beschäftigt.

Durch die Rückblenden und die den Kapiteln vorangestellten Tweets wird noch mehr Spannung aufgebaut, so dass ich das Buch in einem Rutsch und oft atemlos gelesen habe.

Die Protagonisten selbst wurden meiner Meinung nach gut gezeichnet, aber die Beziehungen zwischen ihnen empfand ich nicht immer als nachvollziehbar und glaubwürdig. Auch die Motivation einzelner Figuren wirkte in meinen Augen nicht immer realistisch, und einzelne Aspekte ihres Verhaltens und ihrer Reaktionen waren bisweilen zu konstruiert. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den zweiten Teil der Reihe, da sich das Buch trotz meiner Kritikpunkte gut und spannend liest.

Der zweite Band der Reihe (Das Ritual des Wassers) erscheint am 23. Oktober 2019 bei FISCHER Scherz, der dritte Band (Die Herren der Zeit) am 25. März 2020.

Eva García Sáenz: Die Stille des Todes. Inspector Ayala ermittelt. Aus dem Spanischen von Alice Jakubeit. FISCHER Scherz, 2019, 576 Seiten; 15 Euro.

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