Schlagwort-Archive: Gewalt

Zerrissene Sonne von Jean D’Amérique

„Du wirst allein sein in der großen Nacht. Es ist nicht das erste Mal, dass ich diesen Satz höre.“ (Seite 17)

Die zwölfjährige Têle Fêlée lebt mit ihrer alkoholabhängigen Mutter, die als Prostituierte Geld verdient, und dem Mann, den sie ‚Papa‘ nennt, der jedoch nicht ihr leiblicher Vater ist, in der Cité de Dieu, einem Slum in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.

Têle Fêlée, deren Vater der beste Söldner des mächtigsten Gangsters im Viertel ist, wächst mit häuslicher Gewalt auf, erlebt, beobachtet und hört von körperlicher und von sexueller Gewalt. Sie lernt früh, dass Gewalt ein probates Mittel ist, um sich abzugrenzen, um sich zu schützen, um Rache zu üben, um zu überleben.

Neben all dem Elend, das Têle Fêlée erlebt, gibt es jedoch auch Schönes, Hoffnungsvolles in ihrem Leben: die Liebe zu Silence, die Haiti jedoch verlässt und fortan in den USA lebt.

Zerrissene Sonne von Jean D’Amérique weiterlesen

Monique bricht aus von Édouard Louis

„Ich habe mich von deinem Vater befreit und dachte, jetzt wird alles besser, jetzt fängt ein neues Leben an, aber es geht wieder los, es geht wieder von vorne los, […], Ich weiß auch nicht, warum mein Leben so scheiße ist, warum ich immer an Männer gerate, die mich nicht glücklich machen, die wollen, dass ich leide, das hab ich doch nicht verdient,
bin ich denn so ein schlechter Mensch?“
(Seite 10)

Nach der Trennung von Édouard Louis’ Vater lebt seine Mutter mit einem neuen Partner in einer Hausmeisterwohnung in der Pariser Innenstadt. Der Mann beleidigt sie, beschimpft sie, demütigt sie, wertet sie ab.

Als Louis während eines Telefonats mit seiner Mutter den Mann im Hintergrund schreien und wüten hört und die Mutter weint, weint Louis mit ihr und bietet ihr seine Wohnung an, wo sie unterkommen kann, während er selbst gerade im Ausland ist.

Seine Mutter nimmt das Angebot an, packt einige wenige Dinge ein und verschwindet aus dem Leben des Mannes.

Monique bricht aus von Édouard Louis weiterlesen

Bye Bye Lolita von Lea Ruckpaul

„Meine letzte Begegnung mit Humbert Humbert liegt einundzwanzig Jahre zurück. Jahre, in denen ich versucht habe, Dolores zu sein. Aber ich kann Lolita nicht abschütteln. Andere Menschen haben eine chronische Krankheit, mit der sie sich ein Leben lang abmühen, ich habe Humbert Humbert. Zu den Symptomen zählen Erbrechen, Depressionen, Taubheitsgefühle, Vergesslichkeit, Veränderung der Persönlichkeit.“ (Seite 11)

Dolores Haze ist 38 Jahre alt, und ihre Zeit mit Humbert Humbert liegt schon viele Jahre zurück, doch nach wie vor prägt er ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihr Verhalten, ihren Umgang mit Nähe, ihre Sexualität.

Sie beginnt, ihre Geschichte aufzuschreiben und hofft, dass sie irgendwann an den Punkt kommt, an dem sie auch Humbert Humberts Aufzeichnungen lesen kann, die er in einem Taschenkalender niedergeschrieben hat, den sie seit Jahren mit sich herumträgt.

Bye Bye Lolita von Lea Ruckpaul weiterlesen

Als wir Schwäne waren von Behzad Karim Khani

„Es ist die Begegnung eines Menschen, der ein Land hinter sich gelassen hat, in dem es für ihn kein Weiter gab, mit einem Menschen aus einem Land, in dem es ein Weiter gibt, dem sich dieser aber verweigert.“ (Seite 19)

Reza verlässt zusammen mit seinen Eltern den Iran und lebt fortan in einer Plattenbauwohnung in Bochum. Die Gegend ist ein Problemviertel mit Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Diskriminierung, und die neue Heimat fühlt sich so gar nicht nach Heimat an:

Als wir Schwäne waren von Behzad Karim Khani weiterlesen

Scham von Inès Bayard

„Ein einziger tragischer Vorfall in ihrem Leben hatte zu dieser Tat geführt.“ (Seite 9)

Gleich beim Einstieg ins Buch erfahren wir, dass Marie sich und ihren Sohn Thomas vergiftet und dass ihr Mann Laurent überlebt hat.

Danach erzählt Inès Bayard von den Geschehnissen zuvor: von der glücklichen Beziehung zwischen Marie und Laurent, von ihrem Kinderwunsch, von ihrer Karriere in einer Bank und seiner als Anwalt. Die beiden sind ein schönes Paar, leben in Paris, sind erfolgreich und beliebt.

Dann wird Marie vom Direktor der Bank brutal vergewaltigt, doch sie schweigt darüber, erzählt keinem davon, leidet still, ekelt sich vor Laurent und vor Sex, versucht mit aller Kraft, das Geschehene hinter sich zu lassen. Doch sie wird immer wieder von dem Erlebnis eingeholt.

Scham von Inès Bayard weiterlesen

Geordnete Verhältnisse von Lana Lux

„Sie war gekommen, um mein bester Freund zu werden.“ (Seite 19)

Der 10-jährige Philipp ist das einzige rothaarige Kind an der katholischen Grundschule, an der er die 3. Klasse wiederholt. Er ist kleiner als alle anderen, sommersprossig, nässt manchmal ein, wenn er die Zeit vergisst oder sich aufregt, wird verspottet. Seine Mutter ist Alkoholikerin, so dass er mehrere Jahre bei seiner Tante Martha aufwächst.

Philipp wünscht sich mehr als alles auf der Welt, einen besten Freund zu haben, und als die rothaarige Faina aus der Ukraine neu in Philipps Klasse kommt, freunden sich die beiden an.

Geordnete Verhältnisse von Lana Lux weiterlesen

Warum Menschen Böses tun. Eine forensische Psychiaterin erzählt von ihren Fällen von Gwen Adshead und Eileen Horne

„[…] wie und warum Zuhören und Mitfühlen einen Unterschied machen können“ (Seite 10)

Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet Gwen Adshead als forensische Psychiaterin mit straffällig gewordenen Menschen. In Warum Menschen Böses tun erzählt sie von verschiedenen Fällen ihrer Laufbahn, thematisiert dabei unter anderem Serienmord und Psychopathie, Psychose und posttraumatische Belastungsstörung, Othello-Syndrom und narzisstische Persönlichkeitsstörung, Bindungstheorie und Suizidalität, Religion und Seelsorge, Pädophilie und Pädosexualität, Stalking und Erotomanie, Sorgerecht und Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, Gruppentherapie und Sinnfindung.

Warum Menschen Böses tun. Eine forensische Psychiaterin erzählt von ihren Fällen von Gwen Adshead und Eileen Horne weiterlesen

Maxima Culpa. Jedes Verbrechen beginnt im Kopf von Joe Bausch (Hörbuch)

„Vor ein paar Jahren habe ich von einer ziemlich ausgefallenen Statistik erfahren. Demnach begegnet jeder von uns während seines Lebens im Durchschnitt rund sechsunddreißig Mördern, einundfünfzig Sexualstraftätern und Vergewaltigern sowie rund dreihundertsiebzig Psychopathen.“ (Track 1)

Joe Bausch arbeitete 32 Jahre als Anstaltsarzt in der Justizvollzugsanstalt Werl und erzählt in Maxima Culpa von besonders spannenden und spektakulären Kriminalfällen.

In Maxima Culpa geht es u.a. um Sicherungsverwahrung und Todesstrafe, Vergiftungen und Tötung durch Krankenpflegepersonal, Sexualstraftaten und Amoklauf.

Maxima Culpa. Jedes Verbrechen beginnt im Kopf von Joe Bausch (Hörbuch) weiterlesen

Die Schlampen von Dennis Cooper

„Ich persönlich mag meine Jungs ein wenig gebraucht.“ (Seite 11)

Der Roman besteht aus Internetbewertungen eines Escorts, der (meist) Brad genannt wird und bei dem sich die Geister scheinbar scheiden. Zumindest berichten verschiedene Bewerter, die ihn gebucht hatten, von ganz unterschiedlichem Verhalten, haben einen vollkommen unterschiedlichen Eindruck von Brad, erzählen von Erfahrungen und Beobachtungen, die oft wenig miteinander gemein haben, die sich oft nicht im Geringsten ähneln.

So richtig weiß der interessierte Kunde des Escorts nicht, was ihn erwartet, und auch der Leser wird in eine Geschichte gezogen, die oft unglaublich ist, aber in all den abstoßenden Details sicherlich so passieren kann und wahrscheinlich überall auf der Welt so ähnlich passiert.

Die Schlampen von Dennis Cooper weiterlesen

Der Junge von Nadia Bozak

„Sie hat vergessen, weswegen sie hierhergekommen ist, so grenzenlos ist die Demütigung, die Kontrolle über ihr Leben – über alles – verloren zu haben.“ (Seite 132)

Honey hat ihre Mutter Marianne seit mehr als zwei Jahren nicht mehr gesehen, und als sie sie auch telefonisch nicht mehr erreicht, macht sie sich auf den Weg in die Grenzregion, in der Marianne zusammen mit ihrem Hund Baez lebt.

Als Honeys Auto eine Panne hat, nimmt sie den Greyhound, wagt sich allein in die extrem abgelegene Gegend.

Auf dem Grundstück der Mutter gibt es keine Spur von ihr und ihrem Hund. Und schließlich wird Honey überfallen und schleppt sich schwer verletzt durch die fiktive Oro-Wüste, begleitet von Chávez, einem Jungen, der selbst auf der Flucht ist und behauptet, er wisse, wo Marianne und Baez sind. Für 5000 Euro ist Chávez bereit, Honey zu ihrer Mutter zu führen.

Der Junge von Nadia Bozak weiterlesen