Die Passage nach Maskat. Kriminalroman von Cay Rademacher

„Wenn Sie jedoch an Bord bleiben, werden Sie es bereuen.“ (Seite 10)

In Marseille sticht im Jahre 1929 der elegante Dampfer Champollion in See. Er nimmt Kurs auf Maskat im Oman, durchquert auf dem Weg das Mittelmeer und den Suezkanal, fährt entlang der jemenitischen Küste.

An Bord befindet sich unter anderem der Lichtbildner Theodor Jung, der die Reise unter dem Vorwand einer Fotoreportage antritt, jedoch eigentlich in der Nähe seiner Ehefrau Dora sein möchte, die gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder sowie dem Prokuristen ihres Vaters, Berthold Lüttgen, die Reise auf der Champollion unternimmt.

Doras Vater, Hugo Rosterg, ist ein Hamburger Kaufmann und möchte sich Waren im Oman sichern. Während Theodor hofft, durch die Reise seine Ehe zu retten, hat der Rest der Familie/Firma den großen finanziellen Coup im Auge.

Und dann verschwindet Dora plötzlich. Theodor sucht alle Decks, den vorderen Frachtraum und auch die 2. und 3. Klasse ab, doch von seiner Frau fehlt jede Spur. Doras Familie behauptet, sie sei nie an Bord des Schiffes gewesen, sei in Berlin geblieben. Kein Passagier scheint sie je getroffen zu haben, und sie habe sogar ein Telegramm aus Berlin geschickt.

Der Roman war mein erstes Buch von Cay Rademacher, und er hat mich von Anfang an begeistert. Ich liebe Geschichten, die auf Schiffen spielen, und ich habe schon lange ein Faible für Ägypten und die Arabische Halbinsel sowie für die 1920er Jahre. Dieses Buch vereinigt all diese Themen, und Rademacher gelingt es so gut, eine überzeugende Stimmung aufzubauen, dass ich die Champollion, Marseille, Aden und Maskat beim Lesen stets vor dem inneren Auge gesehen habe.

Das Verschwinden Doras empfand ich als gelungenen Paukenschlag, der alles bisher Geschehene in Zweifel zieht. Rademacher spielt hier geschickt mit Realität und Fiktion, und genau wie Theodor weiß auch der Leser nicht mehr, was er glauben soll. Das Ganze ist sehr gut gemacht, glaubwürdig und sorgt für sehr viel Spannung.

Die Passage nach Maskat ist ein sehr guter Kriminalroman, der stimmungsvoll, packend, mondän und wirklich besonders ist. Ich freue mich auf weitere Bücher des Autors (von denen erfreulicherweise bereits viele in meinem Bücherregal stehen).

Cay Rademacher: Die Passage nach Maskat. Kriminalroman. DuMont Buchverlag, 2023, 368 Seiten; 13 Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert