18 Tage im Sinai von Michael Obert

„Keine Arbeit, kein Geld, keine Zukunft“ (Seite 31)

Der 28-jährige Selomon ist aus seiner Heimat Eritrea in den benachbarten Sudan geflohen, wurde in Ostsudan gekidnappt, an ein internationales Menschenhändlernetzwerk verkauft und schließlich in ein Foltercamp auf der Sinai-Halbinsel verschleppt. Hier wurde er so lange gefoltert, bis seine Familie ein exorbitant hohes Lösegeld gezahlt und ihm somit die Freiheit erkauft hat.

Anhand der Geschichte Selomons erzählt Michael Obert von den Foltercamps, von Islamismus, von Menschen- und Organhandel.

Ich habe schon sehr viel von Obert gelesen und bin immer begeistert von seiner Fähigkeit, den Leser mit vor Ort zu nehmen, ihn das von ihm Erlebte vom heimischen Sofa aus sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen zu lassen.

Auf wenigen Seiten gelingt es Obert auch in 18 Tage im Sinai, eine dicht geschriebene Geschichte zu entwerfen, die ebenso atmosphärisch wie informativ ist. Dabei habe ich mir beim Lesen bisweilen gewünscht, Obert könnte mich nicht auf so überzeugende Weise mit auf die Sinai-Halbinsel nehmen, denn seine Schilderungen sind grausam und zudem detailreich, bilden die Zustände in der Region aber auf sehr realistische Weise ab und vermitteln viel Wissen, das mir vor der Lektüre nicht geläufig war.

Wohin mich Obert diesmal mitgenommen hat, ist kein schöner Ort, obwohl er auch in Büchern wie Regenzauber, Die Enden der Welt oder Karma Highway keine heile Welt zeigt, sondern oft Missstände aufzeigt. 18 Tage im Sinai ist eher eine Art Höllenfahrt an einen Ort, von dem man eigentlich gar nicht hören oder lesen will, von dessen Existenz man nicht einmal wissen möchte. Das macht das Buch aber auch zu etwas sehr Wertvollem und Bereicherndem, denn durch Obert erhält man wahrhaft einzigartige Einblicke in die Zustände auf der Sinai-Halbinsel.

Michael Obert: 18 Tage im Sinai. Unterwegs ins Herz der Finsternis. DuMont Reiseverlag, 2017, 78 Seiten; 5,95 Euro.

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