Schlagwortarchiv: Roman

Überleben von Frederika Amalia Finkelstein

„[D]as wirklich Irrationale und tatsächlich Unerklärbare ist nicht das Böse, im Gegenteil: es ist das Gute.“ (Seite 7, Zitat von Imre Kertész)

Seit die 25-Jährige Ava ein Foto von Leichen im Bataclan gesehen hat, spürt sie Hass und hat einen wiederkehrenden Albtraum. Das Foto war teilweise verpixelt, doch Ava will die unzensierte Version des Fotos finden, denn:

„Den Körper eines Toten zu verpixeln bedeutet, ihn noch einmal zu töten.“ (Seite 16)

Ava war am 13. November 2015 nicht im Bataclan und auch nicht in einem der Restaurants oder Cafés, in denen Menschen von Terroristen getötet wurden, sondern sie hat alles vom Bildschirm aus verfolgt.

Doch sie ist regelrecht besessen von dem Thema. Schon länger befasst sie sich mit zwischenmenschlicher Gewalt. Sie schaut sich immer wieder Bilder und Videos an, lernt Opferlisten auswendig und denkt sogar über einen Job bei der Armee nach.

Angst begleitet Ava auf Schritt und Tritt, lauert überall und macht es ihr schwer, den Menschen im öffentlichen Raum nicht zu misstrauen.

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Yesteryear von Caro Claire Burke (Hörbuch)

„Heute ist der letzte Tag des Lebens, wie ich es mir immer vorgestellt habe.“ (Track 2)

Natalie ist mit ihrem sechsten Kind schwanger, lebt mit ihrem Mann Caleb und ihren Kindern auf einer Farm in Idaho.

Natalie ist eine Tradwife: Sie filmt ihr ebenso traditionelles wie scheinbar rundum perfektes Leben, das geprägt ist von schwerer Arbeit, tiefem Glauben und augenscheinlich großem Glück und Leichtigkeit, und stellt den Content ihrer heilen Welt unter dem Instagram-Account „Yesterday Ranch“ ins Netz.

Doch eines Tages erwacht Natalie im 19. Jahrhundert, also im echten Yesteryear.

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Wirf einen Schatten von Elena Fischer

„Wie maß man Mut? In der Anzahl der Zweifel, die einem auf dem Weg kamen, den man doch beharrlich weiterging?“ (Seite 14)

Josephs Frau Lis ist Anfang August zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Samuel ausgezogen, und Josef hat keinerlei Kontakt zu den beiden.

Am Heiligabend des Jahres 1963 versorgt Joseph die Tiere, geht in die Kirche, verabschiedet sich, erinnert sich an seine Eltern, an Lis und an Samuel.

Joseph ist bereit für den Tod. Doch in dem Moment, in dem er sein Leben beenden will, klingelt es an der Tür.

Vor der Tür findet Joseph eine fremde Frau mit Füßen voller Blasen, um die er sich schließlich kümmert. Es handelt sich um die 20-jährige Birdie, die auf der Flucht vor ihrer Familie ist, die schließlich bei Joseph unterkommt und sein Leben beeinflusst.

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Mirabellentage von Martina Bogdahn (Hörbuch)

„Und ich frage mich mit einem Mal, warum man jemanden erst vermissen kann, wenn er nicht mehr da ist. Unbeirrt lebt man sein Leben weiter. Es kommt Neues hinzu. Und immer seltener erinnert man sich an den Verlust, auch wenn der einst mit solcher Wucht kam, dass man dachte, er bleibe für immer.“ (Track 104)

Blumfeld, ein fiktives Dorf in Franken: Die Ich-Erzählerin Anna stammt von hier und hat drei Jahrzehnte lang für den Dorfpfarrer Josef als Haushälterin gearbeitet.

Anna und Josef kannten sich schon aus Kindheitstagen, und nun ist sie Anfang 50, Josef ist überraschend gestorben, und Anna steht vor einem großen Wendepunkt in ihrem Leben, ihre Zukunft ist vollkommen ungewiss.

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Galleria Umberto von John Horne Burns

„In Neapel gibt es eine Passage, halb Bahnhofshalle und Kathedrale, die Galleria Umberto Primo genannt wird. Man glaubt, in einem Museum zu sein, bis man die Bars und Geschäfte entdeckt. Früher besaß diese Passage eine große gewölbte Glasdecke, doch die Bomben, die auf Neapel fielen, zertrümmerten die Lichtkuppel, Scherben klirrten auf den Marmorboden wie grausamer Schnee. Aber das Leben in der Galleria ging weiter.“ (Seite 9)

John Horne Burns erzählt anhand von verschiedenen Personen und deren Geschichten von der Stadt Napoli und der halb zerstörten Galleria Umberto – wobei die Stadt und die Galleria die eigentlichen Hauptakteure des Romans sind.

Burns berichtet vom Leben in der Stadt im August 1944, erzählt zum Beispiel vom 27-jährigen Michael Patrick, der an seinem letzten Abend in Napoli in die Oper gehen möchte und sich nach einer Frau sehnt, bevor er wieder in die Schlacht zurückkehrt.

Er berichtet zudem von Louella, die sich als Freiwillige beim Roten Kreuz gemeldet hat, und von Giulia, die darunter leidet, wie der moralische Verfall der Menschen in Napoli auch vor ihrer eigenen Familie und ihren Freunden nicht Halt macht.

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Grüne Welle von Esther Schüttpelz

„Ich glaube, es gibt nichts, vor dem man sich mehr fürchten sollte als vor sich selbst.“ (Seite 121)

Eine Frau, deren Namen wir erst spät im Buch erfahren, folgt einer Umleitung. Es ist nachts, sie kommt gerade von einem Kinobesuch mit ihrer Freundin und bemerkt irgendwann, dass sie eine falsche Straße gewählt und sich verfahren hat.

Zu Hause wartet ihr Mann auf sie, doch ihr Handy ist leer und sie kann ihn nicht informieren. Sie nimmt sich (immer wieder) vor, bei der nächsten Gelegenheit zu wenden, doch sie fährt immer weiter und weiter.

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Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy (Hörbuch)

„Und dann wird ihr etwas noch sehr viel Verstörenderes klar: Sie darf nicht mehr sterben. Was sie seit so langer Zeit herbeigewünscht und wovor sie sich gleichzeitig gefürchtet hat, ist jetzt unmöglich geworden.“ (Track 45)

Die 83-jährige Helen Cartwright ist Witwe und kauft nach 60 Jahren in Australien ein Haus in einem kleinen Ort bei Oxford, wo sie geboren wurde.

Sie erwartet nicht mehr viel vom Leben, zieht sich zurück, wartet auf den Tod.

Im Sperrmüll ihres Nachbarn entdeckt sie eines Tages ein Aquarium, das sie in ihr Haus trägt, da es Spielfiguren enthält, die sie an ihren Sohn erinnern.

Kurz darauf bemerkt sie, dass mit den Sachen eine Maus ins Haus gekommen ist, und sie versucht, diese loszuwerden.

Doch dann beginnt sie plötzlich, sich um die Maus zu kümmern. Sie nennt den Kleinen „Merlin“, und Merlin wird schließlich zu einem neuen Sinn ihres Lebens und der Grund dafür, nicht mehr sterben zu wollen.

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Vielleicht im Sommer von Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger (Hörbuch)

„Dass er in der Hölle lebt, weiß er schon seit Jahren. Dass sie noch tiefere Abgründe hat, als zunächst angenommen, ist ihm vor einigen Monaten deutlich geworden. Und dieses Heim ändert nichts an der Situation. Es ist, als würde die Hölle ihm folgen, so als wäre sie nicht an einen Ort, sondern an ihre Verfluchten gebunden. Aber wenn die Hölle ihm folgt, ist das erst recht kein Grund zu bleiben, sondern ein Grund mehr zu gehen.“ (Track 6)

Sommer 2007: Der 15-jährige Kian lebt bei seinem kleinkriminellen Vater in Bielefeld und kommt eines Tages in ein Heim. Die Gründe hierfür erfahren wir erst viel später im Buch.

Kian versteht im Heim sofort, dass er es hier nicht aushalten wird. Er lernt Marco kennen, und die beiden fliehen gemeinsam.

Die beiden machen sich auf den Weg an die Nordsee, denn Marco hat erfahren, dass er dort eine Halbschwester hat, die er nun aufsuchen möchte.

In Vielleicht im Sommer wird die Geschichte ihrer Reise erzählt. Es geht zudem um Erwachsenwerden, um Sehnsüchte und Wünsche, um Verletzungen und Krisen, um Freundschaft und Liebe.

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Umlaufbahnen von Samantha Harvey

„Eine außerirdische Zivilisation würde sich das Ganze wahrscheinlich anschauen und fragen: Was machen die hier? Warum fahren die immer nur im Kreis?“ (Seite 10)

Sechs Personen befinden sich in einem Raumschiff – zwei Frauen und vier Männer. Sie kommen aus Amerika, aus Japan, aus Großbritannien, aus Italien und Russland, sind unterwegs mit 28.000 Kilometern pro Stunde und sind insgesamt neun Monate im All.

Während sie die Erde immer wieder umkreisen, erfahren wir von ihrem Leben, ihren Träumen und Krisen, von Sehnsüchten und Problemen. Und wir lesen davon, wie der Mensch seine Lebensgrundlage zerstört und nichts aus seinen Fehlern lernt.

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