Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro (Hörbuch)

„Was haben wir schließlich davon, wenn wir ständig zurückblicken und uns Vorwürfe machen, weil aus unserem Leben nicht das geworden ist, was wir uns vielleicht einmal vorgestellt hatten?“

Mr. Stevens dient schon viele Jahre als Butler auf Darlington Hall, und obwohl der Besitzer des Herrensitzes nach dem Tod Lord Darlingtons gewechselt hat, ist Stevens geblieben – als würde er zum Inventar gehören.

Als Stevens neuer Dienstherr, der Amerikaner Mr. Farraday, für mehrere Wochen in die USA reisen möchte, bietet er Stevens an, dass dieser sich seinen Wagen leihen und damit durch England fahren könne. Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro (Hörbuch) weiterlesen

18 Tage im Sinai von Michael Obert

„Keine Arbeit, kein Geld, keine Zukunft“ (Seite 31)

Der 28-jährige Selomon ist aus seiner Heimat Eritrea in den benachbarten Sudan geflohen, wurde in Ostsudan gekidnappt, an ein internationales Menschenhändlernetzwerk verkauft und schließlich in ein Foltercamp auf der Sinai-Halbinsel verschleppt. Hier wurde er so lange gefoltert, bis seine Familie ein exorbitant hohes Lösegeld gezahlt und ihm somit die Freiheit erkauft hat.

Anhand der Geschichte Selomons erzählt Michael Obert von den Foltercamps, von Islamismus, von Menschen- und Organhandel. 18 Tage im Sinai von Michael Obert weiterlesen

Gehen, ging, gegangen von Jenny Erpenbeck

„Wenn eine ganze Welt, die man nicht kennt, auf einen einstürzt, wo fängt man dann an mit dem Sortieren?“ (Seite 63)

Richard ist seit mehreren Jahren verwitwet und seit Kurzem emeritiert. Er hat Freunde und Interessen, aber auch viel Zeit, die er versucht zu füllen. Da wird er auf einen Hungerstreik mehrere Afrikaner aufmerksam, die aus ihrer Heimat geflohen sind, in Deutschland Asyl beantragen und hier arbeiten wollen.

Das Thema „Asyl“ lässt Richard nicht mehr los, und schließlich geht er zu einem Treffen in einer besetzten Kreuzberger Schule und danach in die Unterkünfte der afrikanischen Flüchtlinge. Er bietet ihnen Hilfe und Unterstützung an, und nach und nach zeigen sich zwischen Richard und diesen Menschen, die auf den ersten Blick nichts mit ihm gemein haben, mehr und mehr Parallelen und Ähnlichkeiten, z.B. ein großes Interesse für Musik oder die viele Zeit, die sie alle zur Genüge zur Verfügung haben und die sie versuchen, mit einer sinnvollen Tätigkeit zu füllen. Gehen, ging, gegangen von Jenny Erpenbeck weiterlesen

Geschenkideen für die nette Nachbarin, die immer die Blumen gießt, aber dringend mehr über Pflanzen lernen muss

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Blümchensex von Michael Allaby

„Beim Blümchensex wird also gelogen und betrogen, was das Zeug hält.“ (Seite 8)

Wer glaubt, Pflanzen seien harmlose Zeitgenossen, die kein Wässerchen trüben können, passiv am Wegesrand stehen und schüchtern auf eine vorbeifliegende Biene warten, der irrt sich! Michel Allaby zeigt dem unbedarften Leser in seinem Buch Blümchensex, was für frivole Gewächse unter uns leben: Da gibt es leichte Mädchen, aber auch Jungfern, scheue Pflänzchen und unverfrorene Gören, die unersättliche Säufer oder triebgesteuerte Vertreter des Homo sapiens anziehen.

Neben den Schilderungen des emsigen Liebeslebens von Pflanzen erklärt Allaby ganz nebenbei viele Dinge, die man als Kind im Biologieunterricht gelernt, aber wieder vergessen hat, weil der Lehrer nur die trockenen Fakten, nicht aber die heißen Details erwähnt hat: Aufbau von Blüten, Blütenformen, Bestäubung etc. Blümchensex von Michael Allaby weiterlesen

Geschenkideen für den Nachbarn, der endlich verstehen will, was Liebe ist

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Die Tiefe von Anthony Doerr

„Wohin verschwinden die Erinnerungen, wenn wir die Fähigkeit verloren haben, sie in uns wachzurufen?“

Die Tiefe enthält sechs Storys, die im amerikanischen Original unter dem Titel Memory Wall erschienen sind, wobei die amerikanische Ausgabe eine siebte Geschichte (die Titelgeschichte Memory Wall) enthält, die jedoch bereits 2016 in deutscher Übersetzung und unter dem gleichen Namen (Memory Wall) als Einzelausgabe bei C.H. Beck veröffentlicht wurde.

Ich kenne bereits mehrere Bücher des Pulitzer-Preisträgers Anthony Doerr, und während ich von Alles Licht, das wir nicht sehen und von der Novelle Memory Wall restlos begeistert war, hat mir Doerrs Erstling, der Erzählband Der Muschelsammler, deutlich weniger gefallen. Umso gespannter war ich auf die Lektüre der restlichen Geschichten des amerikanischen Memory Wall-Bandes, und nach dem Lesen von Die Tiefe kann ich erfreut sagen, dass ich diese Geschichten wieder sehr ergreifend und beeindruckend fand. Die Tiefe von Anthony Doerr weiterlesen

Kleines Land von Gaël Faye (Hörbuch)

„Wir wussten es noch nicht, aber die Zeit des Infernos war gekommen.“

Zwischen April und Juli 1994 kam es in Ruanda zu extremen Gewalttaten, die zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen das Leben kosteten. In diesen knapp 100 Tagen massakrierten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75% der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie Hutu, die sich nicht an diesem Völkermord beteiligten. Die Stimmung von Hass und Gewalt schwappte zudem auf das kleine Nachbarland Burundi über, in dem es bereits in den Jahrzehnten zuvor mehrere Kämpfe zwischen Hutu und Tutsi gab, wo die Geschehnisse in den 1990er Jahren jedoch nicht das Ausmaß des Genozids in Ruanda erreichten.

Ein Teil der Handlung in Kleines Land ist in dieser hochexplosiven Zeit angesiedelt, so dass der Leser den Autor in das kleine ostafrikanische Land begleiten und so an den Geschehnissen der 1990er Jahre teilhaben kann. Kleines Land von Gaël Faye (Hörbuch) weiterlesen