Schlagwort-Archiv: Roman

Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale von Jean-François Parot

„nichts ist näher an einem Abgrund als ein Gipfel.“ (Seite 57)

Paris im Jahre 1770: Monsieur de Sartine hat Nicolas Le Floch den Personenschutz für die königliche Familie anlässlich der Heirat des Dauphins mit Marie-Antoinette übertragen. Mit einem spektakulären Feuerwerk soll die bevorstehende Vermählung gefeiert werden, und die Straßen Paris‘ sind voller Menschen und Kutschen.

Durch fehlgeleitete Feierwerkskörper bricht schließlich ein Feuer aus, und es kommt zu einer Massenpanik: Menschen versuchen, durch die vollgestopften Straßen zu fliehen, werden zu Tode getrampelt oder fallen in die Seine und ertrinken. Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale von Jean-François Parot weiterlesen

Pandora im Kongo von Albert Sánchez Piñol

„Der Kongo. Ein grüner Ozean. Und unter den Bäumen – nichts.“

Sommer 1914: Der 19-jährige Ich-Erzähler Thomas Thomson ist ein „literarischer Neger“, er schreibt Bücher für andere. Nach diversen Beerdigungen trifft Thomson auf den Rechtsanwalt Edward Norton, der möchte, dass Thomson die Geschichte des Häftlings und angeklagten Mörders Marcus Garvey in Buchform bringt. Dies bildet den Rahmen für den Bericht über Garveys Erlebnisse im Kongo, wohin er die beiden Brüder Richard und William Craver begleitet hatte, die dort das schnelle Geld machen wollten. Pandora im Kongo von Albert Sánchez Piñol weiterlesen

Eine Geschichte der Wölfe von Emily Fridlund

„Ehrlich gesagt, machen sie einen ziemlich harmlosen Eindruck. Sie brauchen jemanden, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Jemanden, der ihnen den Wald zeigt.“ (Seite 59)

Die 14-jährige Ich-Erzählerin Madelaine („Linda“) ist einsam. Sie lebt mit ihren Eltern, die mit ihrer Kommune gescheitert sind, an einem See in den dunklen Wäldern von Minnesota. In der Schule ist sie eher schlecht, Freunde hat sie nicht, sie wird ausgegrenzt und wie ein Freak behandelt.

Als ihr Geschichtslehrer Mr Grierson, der ein gewisses Interesse an Linda zeigt, die Schule aufgrund eines Skandals verlassen muss und Lindas Klassenkameradin Lily, deren Nähe Linda sucht, spurlos verschwindet, trifft Linda auf die junge Mutter Patra und ihren vierjährigen Sohn Paul, die ein Sommerhaus an der anderen Seeseite bezogen haben und für die Linda bald als Babysitterin arbeitet. Eine Geschichte der Wölfe von Emily Fridlund weiterlesen

Ein Leben mehr von Jocelyne Saucier

„Zum Glücklichsein braucht es nicht viel, man muss es nur wollen.“

Drei alte Männer (Tom, Charlie und Ted) haben sich für ein Leben im Wald entschieden: in absoluter Freiheit und weit weg von anderen Menschen. Doch eines Tages taucht eine Fotografin auf, die auf der Suche nach Ted ist, weil sie ein Fotoprojekt über die letzten Überlebenden der Großen Brände zu Beginn des 20. Jahrhunderts plant. Doch Ted ist wenige Tage zuvor gestorben.

Die Fotografin beschließt dennoch, wieder zu kommen, denn sie ist neugierig auf Tom und Charlie, auf das Leben fernab der Zivilisation geworden. Und schließlich taucht zudem eine alte Dame auf, die ihr altes Leben hinter sich lassen will und eine Hütte im Wald bezieht. Ein Leben mehr von Jocelyne Saucier weiterlesen

Belletristik und Sachbücher über das Judentum

In diesem Post liste ich Belletristik, Erinnerungen und Sachbücher über das Judentum auf.

Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe. Belletristik und Sachbücher über das Judentum weiterlesen

Hoffnung. Eine Tragödie von Shalom Auslander

„Alle alten Frauen sehen wie Anne Frank aus. Das ist eben ihr Schicksal.“

Salomon Kugel lebt mit seiner Frau Bree, seinem dreijährigen Sohn Jonah und seiner kranken Mutter im unspektakulären 2400 Seelen-Städtchen Stockton, und er hat Angst: vor dem Tod, vor dem Sterben, vor den Geräuschen auf dem Dachboden, davor, nicht die richtigen letzten Worte zu finden, davor, Opfer der aktuellen Farmhaus-Brandserie zu werden.

Kugel ist Jude und sein Leben ist bestimmt von den Holocaust-Erzählungen seiner Mutter, die unablässig und bei jeder sich bietenden Gelegenheit von ihrem Überleben in den Lagern berichtet. Hoffnung. Eine Tragödie von Shalom Auslander weiterlesen

Die letzte wahre Geschichte von Tahmima Anam

„Wir musterten einander. Du hast den Blick auf mich gerichtet, als seien wir die beiden letzten Menschen auf der Welt. Noch nie hatte mich jemand so angesehen, mit einem so offenen, klaren Blick.“ (Seite 18)

Cambridge, MA: Kurz bevor die 25-jährige Ich-Erzählerin Zubaida die USA verlässt und über Pakistan wieder in ihre Heimat Bangladesch reist, trifft sie auf einem Konzert Elijah. Die beiden sind sich sofort vertraut und verlieben sich ineinander, obwohl Zubaida mit ihrer Jugendliebe Rashid verlobt ist und ihn – ihren Adoptiveltern zuliebe – nach ihrer Rückkehr in die Heimat heiraten wird.

Elijah und Zubaida bleiben auch nach ihrer Abreise aus den USA in Kontakt, schreiben sich SMS mit Liedtexten, haben Sehnsucht nacheinander, doch nach der Hochzeit mit Rashid bricht Zubaida den Kontakt ab. Die letzte wahre Geschichte von Tahmima Anam weiterlesen

Adams Erbe von Astrid Rosenfeld

„Verschwinden die Geschichten, wenn keiner sie mehr erzählt?“

Astrid Rosenfeld erzählt von Edward und Adam, die sich zwar nie begegnet und dennoch eng miteinander verbunden sind.

Edward wächst Ende des 20. Jahrhunderts auf und wird von seinem Großvater Moses ständig mit dessen Bruder Adam verglichen. Immer wieder ist Adam, der sich eines Tages mit dem gesamten Familienvermögen abgesetzt hat und seitdem verschwunden ist, ein Thema in der Familie, und immer wieder kommt es zu Vergleichen zwischen den beiden.

Der erwachsene Edward, der nicht recht weiß, wohin es im Leben noch gehen soll, der kein Ziel und keine Wünsche hat, findet schließlich sein Erbe und damit seine Berufung in Form eines Briefes von Adam an seine große Liebe Anna. Adams Erbe von Astrid Rosenfeld weiterlesen

Der Reisende von Ulrich Alexander Boschwitz

„Ich habe keine Rechte mehr, nur aus Anstand oder aus Gewohnheit tun viele so, als hätte ich noch welche.“

Otto Silbermann, ein in Berlin lebender, wohlhabender Kaufmann jüdischer Herkunft, der sich voll und ganz deutsch fühlt und im Ersten Weltkrieg für sein Land gekämpft hat, versucht im November 1938 verzweifelt, Deutschland zu verlassen, doch die Grenzen sind mittlerweile dicht und die Ausreise in ein (noch) sicheres Nachbarland nahezu unmöglich.

Silbermann, der selbst nicht jüdisch aussieht, ergeht es noch etwas besser als anderen Juden, die offen angefeindet, beschimpft und inhaftiert werden, doch auch Silbermann erlebt mehr und mehr Ausgrenzung und Entrechtung. So muss er erkennen, dass sich (falsche) Freunde bereichern, indem sie sein Hab und Gut billig aufkaufen, er lebt in Angst und Schrecken, wird zu einem Reisenden, der quer durchs Land reist, nirgends zur Ruhe kommt und einen Weg ins Ausland sucht. Silbermann verliert schließlich alles, was ihm lieb und teuer war: sein Geschäft, sein Haus, den Kontakt zu seiner Frau, das Vertrauen in seine Freunde, das Gefühl von Sicherheit und letztendlich auch seine Würde. Der Reisende von Ulrich Alexander Boschwitz weiterlesen

Die Katze und der General von Nino Haratischwili (Hörbuch)

„Und dann, in solchen selbstvergessenen Augenblicken in mit schwarzem Molton abgehängten Probenräumen oder verrauchten Eckkneipen, gelang ihr etwas, das sich wie Glück anfühlte.“ (Track 37)

Alexander Orlow, ein russischer Oligarch, der von allen „der General“ genannt wird und im Ersten Tschetschenien-Krieg gekämpft hat, hat sich ein neues Leben in Berlin aufgebaut, doch die Erinnerungen an den Krieg lassen ihn nicht los.

Nach dem Krieg wurde der General mit drei anderen Männern angeklagt, ein tschetschenisches Mädchen entführt, vergewaltigt und getötet zu haben. Nun ist für ihn die Zeit der Abrechnung gekommen, und dafür braucht er die Hilfe einer Schauspielerin, die sich „Katze“ nennt, die dem tschetschenischen Mädchen (Nura) verblüffend ähnlich sieht und der er viel Geld bietet, damit sie in einem Video das getötete Mädchen spielt. Die Katze und der General von Nino Haratischwili (Hörbuch) weiterlesen