Eine Geschichte der Wölfe von Emily Fridlund

„Ehrlich gesagt, machen sie einen ziemlich harmlosen Eindruck. Sie brauchen jemanden, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Jemanden, der ihnen den Wald zeigt.“ (Seite 59)

Die 14-jährige Ich-Erzählerin Madelaine („Linda“) ist einsam. Sie lebt mit ihren Eltern, die mit ihrer Kommune gescheitert sind, an einem See in den dunklen Wäldern von Minnesota. In der Schule ist sie eher schlecht, Freunde hat sie nicht, sie wird ausgegrenzt und wie ein Freak behandelt.

Als ihr Geschichtslehrer Mr Grierson, der ein gewisses Interesse an Linda zeigt, die Schule aufgrund eines Skandals verlassen muss und Lindas Klassenkameradin Lily, deren Nähe Linda sucht, spurlos verschwindet, trifft Linda auf die junge Mutter Patra und ihren vierjährigen Sohn Paul, die ein Sommerhaus an der anderen Seeseite bezogen haben und für die Linda bald als Babysitterin arbeitet.

So entflieht Linda ihrer Einsamkeit, doch als Patras Ehemann Leo von seinem Forschungsaufenthalt auf Hawaii zurück zu seiner Familie kommt, wird Linda nicht mehr gebraucht und fällt zurück in die alte Isolation.

Ich empfand den Einstieg ins Buch als sehr gelungen und packend erzählt, doch im weiteren Verlauf hat mich Emily Fridlund bisweilen verwirrt zurückgelassen, denn ich habe lange keinen roten Faden in der Geschichte gesehen und fand es oft unnachvollziehbar, wohin die Reise noch gehen soll.

Auch nach dem Auslesen von Fridlunds Debütroman hat sich mein anfänglicher Eindruck von Eine Geschichte der Wölfe nicht verändert. Der Roman hat mir stellenweise exzellent gefallen, wird sehr ruhig erzählt, ist aber dennoch kraftvoll und ergreifend. Doch immer wieder tauchen Facetten in der Coming-of-age-Geschichte auf, die ich zu ausufernd, zu wenig stringend erzählt, zu weitschweifig fand. Meiner Meinung nach wollte Fridlund zu viele Themen in ihrem Roman ansprechen und hat sich deshalb ein wenig verzettelt, ist immer wieder von ihrem Weg abgekommen und hat manches Thema wiederum nur grob angeschnitten, wodurch Teile des Buches eher oberflächlich bleiben, während andere sehr in die Tiefe gehen.

Ich finde, der Roman hätte entweder geradliniger erzählt werden sollen oder aber noch ausschweifender, dann aber auch weniger oberflächlich hinsichtlich der Seitenwege, die Fridlund immer wieder nimmt und wo sie vom Hauptpfad abkommt.

Emily Fridlund: Eine Geschichte der Wölfe. Übersetzung von Stephan Kleiner. Berlin Verlag, 2018, 384 Seiten; 22 Euro.

Dieser Post ist Teil des Wald-Monatsthemas im Dezember 2018.

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