Schlagwort-Archive: Psychiatrie

Borderline. Das Selbsthilfebuch von Andreas Knuf und Christiane Tilly

„Selbsthilfe ist kein Therapieersatz und soll auch keine Fremdhilfe ersetzen. Beides sind verschiedene, wenn auch sich ergänzende Hilfen bei psychischen Problemen. […] Selbsthilfe ist […] eine sehr wichtige Ergänzung, die noch viel zu wenig gewürdigt wird. Das eigene Selbsthilfepotenzial zu entdecken und zu nutzen bedeutet unabhängiger von der Hilfe anderer zu werden und auch ohne therapeutische Unterstützung besser zurechtzukommen.“ (Seite 9)

Andreas Knuf und Christiane Tilly berichten in ihrem Selbsthilfebuch von diagnostischen Kriterien und Problembereichen der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung, von Umgang mit und Funktion von Symptomen, vom Umgang mit (als unangenehm empfundenen) Emotionen, von Notfallkoffer, Absprachen mit sich und anderen, Zurechtkommen mit den Folgen der Erkrankung wie Narben und Lücken im Lebenslauf, von Selbsthilfegruppen und Trialog, Psychotherapie und Psychopharmaka, Traumatisierung und Erinnerung.

Borderline. Das Selbsthilfebuch von Andreas Knuf und Christiane Tilly weiterlesen

Psychiatrische Krisenintervention zu Hause. Das Praxisbuch zu StäB & Co von Stefan Weinmann, Andreas Bechdolf und Nils Greve

„Wenn die Psychiatrie zu mir nach Hause kommt, muss es eine andere sein als die, die ich von der Akutstation kenne.“ (Seite 133)

Seit 2018 gibt es in denjenigen Regionen Deutschlands, in denen die sogenannte Stationsäquivalente Behandlung (StäB) Teil des Hilfesystems ist, für alle gesetzlich Krankenversicherten die Möglichkeit, bei psychischen Krisen eine Behandlung zu Hause zu bekommen. Seit ich zum ersten Mal von dieser Option gehört habe, war ich begeistert von StäB, weil so auch diejenigen Personen behandelt werden können, die sonst durchs Netz fallen würden.

Psychiatrische Krisenintervention zu Hause. Das Praxisbuch zu StäB & Co von Stefan Weinmann, Andreas Bechdolf und Nils Greve weiterlesen

Ein Spalt Luft von Mischa Mangel

„Wenn ich mir meine Mutter vorstelle, stelle ich sie mir meist als unglücklichen Menschen vor. Ein Mensch, der seit Jahrzehnten in einer Wohnung voller unliebsamer Erinnerungen lebt, und die Erinnerungen lassen nicht los, haben aber den entscheidenden Vorzug, bekannt zu sein. Die Welt außerhalb der Wohnung hingegen ist unbekannt, und das macht Angst.“ (Seite 97)

Vier Monate nach seiner Geburt entwickelt seine Mutter erstmals eine Psychose. Sie zieht sich von allen zurück, lebt allein mit ihrem Sohn in einer Zweizimmerwohnung, die sie kaum noch verlässt.

Sein Vater erhält schließlich das alleinige Sorgerecht, nimmt den Jungen bei sich auf, der Kontakt zur Mutter bricht daraufhin ab.

Ein Spalt Luft von Mischa Mangel weiterlesen

Zwangsstörungen verstehen und bewältigen. Hilfe zur Selbsthilfe von Susanne Fricke und Iver Hand

„Der Zwang hat sich langsam in Ihrem Haus ausgebreitet und es sich so richtig gemütlich gemacht. Er lässt sich nicht so schnell vertreiben, sondern leistet Widerstand und arbeitet mit Tricks, um bleiben zu können. Also ist Geduld ganz wichtig!“ (Seite 116)

Susanne Fricke und Iver Hand klären initial, was eine Zwangsstörung ist, welche Zwänge es gibt, wie man Zwänge von anderen Erkrankungen unterscheiden kann. Danach beschreiben sie, wie Zwänge entstehen und wie sie aufrechterhalten werden, wie man Zwänge behandelt, wie Partner und Familie einbezogen werden können sowie wie man weitere Unterstützung erhält.

Zwangsstörungen verstehen und bewältigen. Hilfe zur Selbsthilfe von Susanne Fricke und Iver Hand weiterlesen

Normal, gestört, verrückt. Über die Besonderheiten psychiatrischer Diagnosen von Peter Schneider

„Neue Diagnosen, wie das ‚psychosis risk syndrome‘, mit dem das erhöhte Risiko von Jugendlichen diagnostiziert wird, an einer Psychose zu erkranken, oder die Diagnostizierbarkeit einer Depression bereits zwei Wochen nach dem Verlust eines geliebten Menschen erweitern – so die Kritik – die Möglichkeiten der Pharmaindustrie, nicht nur die wehrlosen Patienten in den psychiatrischen Kliniken mit Pillen vollzustopfen, sondern auch eigentlich völlig Gesunde.“

Peter Schneider beantwortet in Normal, gestört, verrückt die Fragen, worauf sich psychiatrische Diagnosen beziehen, warum sie sich über die Jahre hinweg oft so stark verändern, wie Psychotherapie, Hypothesen über Ursachen von psychischen Störungen, veränderte soziale Bedingungen etc. auf die Systematik von Diagnosen einwirken.

Schneider erzählt unter anderem von Biomarkern und klinischen Diagnosen, DSM-5 und Normalität, Mill‘scher Krankheit und Modediagnosen, Wahn und Spiritualität, Burnout und Depression, Eugen Bleuler und Schizophrenie, Lobotomie und Elektrokonvulsionstherapie, Suchterkrankungen und Rückfälle, Ödipus und Psychoanalyse, LGBT und Konversionstherapie, kosmetischer und rekonstruktiver Chirurgie, ADHS und Ritalin, komplizierter Trauer und Verbitterungsstörung, Placebos und Psychopharmaka, Deinstitutionalisierung und Autismus-Spektrum-Störung.

Normal, gestört, verrückt. Über die Besonderheiten psychiatrischer Diagnosen von Peter Schneider weiterlesen

Borderline-Störung von Martin Bohus

„DBT may be the best therapy currently available for borderline patients but it is far from being good.“ (Seite 101, Zitat von Marsha Linehan)

Martin Bohus hat in seinem Fortschritte der Psychotherapie-Band in komprimierter Weise das Wichtigste zum Thema Borderline-Persönlichkeitsstörung zusammengetragen.

Er beschreibt initial die Störung, erwähnt dabei diagnostische Kriterien nach DSM-5 und ICD-11, die klinische Symptomatik, die Epidemiologie, den Verlauf und die Prognose sowie Differentialdiagnosen und Komorbiditäten, bevor er im weiteren Verlauf auf das Störungsmodell, die Diagnostik und die Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung mit der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) eingeht. Am Ende des Buches geht Bohus zudem auf alternative und andere evidenzbasierte Behandlungen sowie auf Pharmakotherapie ein.

Borderline-Störung von Martin Bohus weiterlesen

Nächster Halt: Klinik. Ein Wegweiser für die Psychotherapieausbildung von Sarah von Brachel

„Das Ziel ist es, sich einzufühlen und sich gleichzeitig professionell distanzieren zu können – das müssen Sie immer wieder neu lernen.“ (Seite 131)

Sarah von Brachel hat in ihrem Buch Nächster Halt: Klinik wichtige Informationen rund um die praktische Tätigkeit (PT) im Rahmen einer Psychotherapieausbildung zusammengefasst.

Sie erzählt u.a. von Aufgabenverteilung in Kliniken, dem Klinikalltag einer Psychotherapeutin, therapeutischer Haltung und Beziehungsgestaltung, Einzelgesprächen und Gruppentherapie, Arbeit mit Angehörigen, Suizidalität, kultursensiblem Arbeiten, Ethik und Recht, besonderen Vorkommnissen wie Aggression sowie von Selbstfürsorge.

Nächster Halt: Klinik. Ein Wegweiser für die Psychotherapieausbildung von Sarah von Brachel weiterlesen

Forensische Psychiatrie interdisziplinär von Manuela Dudeck

„Während bei der Einführung der Maßregeln 1933 noch der Sicherungsgedanke im Vordergrund stand, geht es seit langem zuerst um die Besserung der zur Einweisung führenden Diagnose des psychisch kranken Straftäters. Deshalb sind Maßregeln nicht allein von der Schuld des psychisch kranken Straftäters abhängig und stellen keine Strafe dar, denn sie sollen in erster Linie der Behandlung des Patienten und erst dann der Sicherung der Allgemeinbevölkerung dienen.“ (Seite 95)

Manuela Dudeck befasst sich in dem schmalen Band, der zur Reihe „Horizonte der Psychiatrie und Psychotherapie – Karl Jaspers-Bibiothek“ gehört, mit philosophischen Themen wie Menschenbild und Moral, mit Determinismus und Willensfreiheit sowie mit Straftheorien, Schuldfähigkeit, psychischen Erkrankungen im Zusammenhang mit §63 und §64 StGB, historischer Entwicklung des Maßregelvollzugs, Reasoning and Rehabilitation Programm und Good Lives Model, Sexualität im Maßregelvollzug und sexuellem Missbrauch.

Forensische Psychiatrie interdisziplinär von Manuela Dudeck weiterlesen

Beziehungsgestaltung mit narzisstischen Menschen von Claas-Hinrich Lammers

„Das vulnerable Selbst spielt eine entscheidende Rolle sowohl in der therapeutischen Arbeit als auch in unserer Beziehungsgestaltung mit narzisstischen Patienten. Wir helfen ihnen weniger dadurch, dass wir sie mit ihrem grandiosen Selbst konfrontieren, sondern vielmehr dadurch, dass wir ihnen einfühlsam die Auseinandersetzung mit ihrem vulnerablen Selbst ermöglichen.“ (Seite 25)

Claas-Hinrich Lammers berichtet in seinem Buch von der positiven Seite des Narzissmus, aber auch von problematischem Verhalten. Er beschreibt sehr genau, wie der Umgang mit narzisstischen Menschen im klinischen Kontext gelingen kann, was man bei bestimmten Konflikten/Problemen tun kann und erwähnt Techniken der Beziehungsgestaltung in der Psychotherapie.

Beziehungsgestaltung mit narzisstischen Menschen von Claas-Hinrich Lammers weiterlesen

Posttraumatische Belastungsstörungen von Mareike Augsburger und Andreas Maercker

„Experten und Expertinnen im Bereich Traumafolgestörungen sind sich einig, dass die Therapie der (klassischen) PTBS bisher eine Erfolgsgeschichte war.“ (Seite 10)

Mareike Augsburger und Andreas Maercker haben auf etwa 100 Seiten die wichtigsten Informationen zur (komplexen) Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS bzw. KPTBS) zusammengetragen.

Diese Informationen sind selbstverständlich stark komprimiert, doch kann man in Posttraumatische Belastungsstörungen mehr über das klinische Bild und die diagnostischen Kriterien der PTBS und der KPTBS, Häufigkeit von PTBS und KPTBS, Komorbidität und Begleitemotionen, Entstehungsmodelle, Diagnostik, Differenzialdiagnose, Behandlung der PTBS durch evidenzbasierte Verfahren wie Prolongierte Expositionstherapie, Narrative Expositionstherapie, Kognitive Verarbeitungstherapie sowie EMDR, Therapie der KPTBS und mögliche Schwierigkeiten bei der Therapie lesen.

Posttraumatische Belastungsstörungen von Mareike Augsburger und Andreas Maercker weiterlesen