Lichtjahre. Psychosen ohne Psychiatrie von Thomas Bock

„Nie wäre ich auf die Idee gekommen, daß an meinem Weltbild etwas falsch ist.“ (Seite 112)

Thomas Bock hat für Lichtjahre 34 Geschichten über Menschen gesammelt,
– die lange Zeit durchgehend oder wiederholt Psychosen erlebt haben, ohne psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen,
– die über lange Zeit Psychosen erlebt haben, die Psychiatrie aber nur für kurze Momente nutzen,
– die vor langer Zeit mit der Psychiatrie in Berührung gekommen sind und sie seither trotz andauernder oder wiederholter Psychoseerfahrung meiden,
– die über lange Jahre Psychosen erlebten und erst spät mit der Psychiatrie in Verbindung kamen sowie
– die mehrere psychotische Episoden mit und ohne psychiatrische Hilfe erlebten.

Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Psychosen, und ich habe viel von Bock gelesen und schätze ihn sehr – als Autor und als Behandler im Bereich der Psychosenpsychotherapie. Lichtjahre hat mich sehr interessiert, weil ich gespannt war auf die Lebensgeschichten von Menschen, die psychoseerfahren sind und sich nicht (mehr) psychiatrisch behandeln lassen, was einen ganz anderen Blick auf Psychosen und einen ganz anderen Umgang mit psychotischem Erleben versprach.

Ich empfand das Buch anfangs leider als recht trocken, zu sachlich und theoretisch, habe aber aufgrund meiner Begeisterung für Bock weitergelesen. Und tatsächlich gab es immer wieder spannende Informationen und interessante Impulse, doch über weite Strecken hinweg habe ich mich anfangs eher durchs Buch gequält.

Mit Beginn der Beschreibung der Stichprobe und der Angabe der demografischen Daten empfand ich ‚Lichtjahre‘ als sehr spannend, auch wenn ich das Buch insgesamt trotzdem nicht so eingängig wie andere Bücher von Bock fand. Alles in allem ist es aber ein guter Einblick in eine Thematik, die sonst (zu) wenig Beachtung findet.

„Das Erleben in der Psychose ist nicht nur negativ, sondern hat ganz offenbar einen eigenen Reiz.“ (Seite 150)

Thomas Bock: Lichtjahre. Psychosen ohne Psychiatrie – Reprint der Ausgabe von 2001. Psychiatrie Verlag, 2014, 376 Seiten; 35 Euro.

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