Das Mädchen mit der lauternen Stimme von Abi Daré

„die Zukunft arbeitet ständig, ist immer damit beschäftigt, bessere Dinge zu enthüllen, und auch wenn es manchmal nicht so scheint, darauf können wir hoffen“ (Seite 363)

Die 14-jährige Adunni lebt nach dem Tod ihrer Mutter zusammen mit ihrem Vater und ihren Geschwistern in ihrem Heimatdorf in Nigeria. Der Vater ist Alkoholiker und hat Geldsorgen, weshalb er Adunni mit Morufu, einem deutlich älteren Taxifahrer „mit Ziegenbartgesicht“ verheiratet, um von einem Teil des Brautpreises die Miete und Essen bezahlen zu können.

Morufu hat bereits zwei Ehefrauen, wobei die Erstfrau Adunni tyrannisiert und die Zweitfrau Adunni unterstützt, wo sie nur kann. Von ihrem Ehemann Morufu, der sich sehnlichst einen Sohn wünscht, wird Adunni immer wieder vergewaltigt, und sie, die wegen ihres Vaters die Schule abbrechen musste, träumt weiterhin davon, wieder zur Schule zu gehen, zu lernen, später zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Nach ein paar Monaten gelingt Adunni die Flucht aus Morufus Haus, und sie kommt schließlich in Lagos unter, wo sie als Hausangestellte arbeitet.

Abi Daré nimmt den Leser von der ersten Seite an mit nach Nigeria, lässt einen am Alltag der Menschen teilhaben, und durch die Verwendung von Idiomen und die besondere Sprache von Adunni, die sich zwar verständlich machen kann, aber Defizite in Grammatik aufweist, ist der Roman sehr authentisch.

Daré erzählt in Das Mädchen mit der lauternen Stimme vom Leben in Nigeria – vom Leben der Männer, vor allem aber vom Leben der Frauen und Kinder. Sie bietet so Einblicke in einen Alltag voller Entbehrungen, Armut und Hunger, schwere Strafen und Zwangsheirat.

Dabei zeichnet sich der Roman durchaus durch Lebensfreude aus, denn Adunni bleibt trotz des schweren Lebens hoffnungsvoll und optimistisch, doch ich empfand den Roman auch als sehr bedrückend, da es Daré ausgesprochen gut gelingt, die Ungerechtigkeiten zwischen Arm und Reich, Männern und Frauen herauszuarbeiten.

Mir ist Adunni beim Lesen richtig ans Herz gewachsen, ich habe mit ihr gelitten und gebangt, mich mit ihr gefreut und mit ihr gehofft.

Darés Debütroman ist ein schönes, warmherziges, trauriges, hoffnungsvolles, wichtiges Buch über ein nigerianisches Mädchen, das eine „lauterne Stimme kriegen“ (Seite 36) möchte und gehört eindeutig zu meinen Lieblingsbüchern 2021.

Abi Daré: Das Mädchen mit der lauternen Stimme. Aus dem Englischen von Simone Jakob. Eichborn, 2021, 368 Seiten; 22 Euro.

Dieser Post ist Teil meines Nigeria-Monatsthemas im September 2021.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.