Kategoriearchiv: Frauen

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken von Sarah Lorenz

„Halt dich an der Liebe fest, die du bekommen hast, sie trägt dich, bis eine neue kommt.“

Mit elf Jahren kommt Elisa ins Heim. Ihre Mutter empfindet sie als „schwer erziehbar“, als „zu frech“. Nach eineinhalb Jahren im „großen kalten Haus“ erlaubt die Mutter ihr, wieder zu ihr zu ziehen.

Doch die Beziehung zwischen den beiden, die früher eine enge war, hat sich immer mehr verändert, Elisa erfährt keinerlei Wärme von der Mutter und so entschließt sie sich, die Wohnung der Mutter zu verlassen und auf der Kölner Domplatte zu leben. Ihr großes Vorbild ist Christiane F., „ein beinahe unstillbarer Hunger auf die Abgründe des Lebens“ treibt sie an.

Schon früh hat Elisa Trost in Büchern gefunden, die ihr die Wärme geben, die sie im echten Leben nicht erfährt – ‚keine Arme, die für mich geöffnet wurden, und keine Ohren, die mir zuzuhören gewillt waren‘.

Dieses Buch hat mich sehr berührt. Es ist stellenweise knallhart und dadurch sehr authentisch. Sarah Lorenz erzählt hier von der Sehnsucht nach Wärme, Liebe und Nähe, von Verlusten und Verletzungen, von Suizidversuchen und selbstverletzendem Verhalten, von Zwangssymptomen und Substanzkonsum, von sexueller Gewalt und Entwürdigung, von Tod und Sterben.

Ich empfand diesen autofiktionalen Roman als sehr mutig und sehr berührend. Am Ende habe ich geweint und war sehr beeindruckt von Lorenz’ Erzählstil und davon, wie geschickt sie die Gedichte von Mascha Kaléko in ihrem Roman verwoben hat.

Sarah Lorenz: Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken. Rowohlt, 2026, 224 Seiten; 14 Euro.

Im Licht des neuen Tages von Jarka Kubsova (Hörbuch)

„Wie seltsam, dass etwas zu wollen und etwas zu fürchten manchmal das Gleiche ist.“ (Track 10)

Klara, die Tochter von Elli Hajek, ist gerade aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Eigentlich war geplant, dass Elli nun mit ihrem Partner Jan zusammenzieht, doch panische Angst drängt sie weg von ihm und von der Stadt und von der Trauer um ihr einziges Kind, das nun ihr eigenes Leben in einer anderen Stadt lebt.

Vor Jahrzehnten hat Elli von ihrer tschechischen Großmutter Märchen erzählt bekommen, und oft ging es um Viktorka, eine junge Frau, die für wahnsinnig erklärt wurde und schließlich allein im böhmischen Wald lebte.

Nun ist Elli selbst in eine Hütte im Wald gezogen, um dort in Ruhe an ihrem Roman zu schreiben. Und plötzlich tauchen nicht nur Erinnerungen an ihre Großmutter und Viktorka auf, sondern sie sieht Viktorka auch zwischen den Baumstämmen – als ob diese noch am Leben wäre.

Schließlich versteht Elli, dass die Geschichte um Viktorka nicht nur eine fiktive Erzählung ist, sondern dass es Viktorka tatsächlich gab, und Elli reist – auf der Suche nach Viktorka – in das Land, aus dem sie in ihrer Kindheit mit ihren Eltern geflohen ist.

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Grüne Welle von Esther Schüttpelz

„Ich glaube, es gibt nichts, vor dem man sich mehr fürchten sollte als vor sich selbst.“ (Seite 121)

Eine Frau, deren Namen wir erst spät im Buch erfahren, folgt einer Umleitung. Es ist nachts, sie kommt gerade von einem Kinobesuch mit ihrer Freundin und bemerkt irgendwann, dass sie eine falsche Straße gewählt und sich verfahren hat.

Zu Hause wartet ihr Mann auf sie, doch ihr Handy ist leer und sie kann ihn nicht informieren. Sie nimmt sich (immer wieder) vor, bei der nächsten Gelegenheit zu wenden, doch sie fährt immer weiter und weiter.

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Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami

„Von wegen Erfolg verdirbt die Menschen. Erfolg verdirbt niemanden. Er bringt nur das zum Vorschein, was zuvor verborgen blieb.“ (Seite 26f)

Said Mardini flieht aus seiner Heimat Damaskus, kommt 1971 über Beirut nach Frankfurt, reist von da aus weiter nach Heidelberg, hat eine Zulassung für die Universität Heidelberg bekommen.

Erzählt wird initial von seiner ersten Zeit in Deutschland, vom Publizieren auf Arabisch, vom Übersetzen und von seiner Freundschaft mit dem Arzt Klaus, den er bisweilen unterstützt, wenn dieser Arabisch sprechende Menschen behandelt.

Said und Klaus verlieren sich aus den Augen, doch dann meldet sich Klaus nach 31 Jahren überraschend bei Said, weil ein schwerkranker Patient von ihm – Nadim – Said gerne seine Lebensgeschichte erzählen will, in der Frauen eine ganz besondere und wichtige Rolle gespielt haben, und sich wünscht, dass Said diese aufschreibt und veröffentlicht.

„Ich bin ein Mann, der ganz und gar von den Frauen geprägt wurde. […] Was ich denke, wie ich handle, was ich dabei fühle – all das und noch mehr haben die Frauen mir geschenkt.“ (Seite 39f)

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Good Night Stories for Rebel Girls. 100 außergewöhnliche Frauen von Elena Favilli und Francesca Cavallo

„Jede der hundert Geschichten in diesem Buch beweist, dass ein Herz voller Vertrauen die Kraft hat, die Welt zu verändern.“ (Seite 12)

Good Night Stories for Rebel Girls enthält Illustrationen und kurze Texte zu Frauen, die außergewöhnlich waren beziehungsweise sind. Vorgestellt werden hier zum Beispiel Evita Perón, Coco Chanel, Kleopatra, Maria Callas, Maya Angelou und Sophie Scholl.

Zu jeder der einzelnen Frauen werden Name, Beruf, Heimatland, Geburts- und Sterbedatum sowie eine knappe Zusammenfassung ihres Lebens und ihrer Lebensleistung geboten.

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Eine Frau verschwindet von Cécile Tlili

„Zwei Fahrten über das Mittelmeer, um zu begreifen, dass ich meinen Kummer nicht hinter mir lassen kann.“

Sonntag, 3:14 am Morgen: Alice wird wach. Wie häufiger in letzter Zeit findet sie keinen Schlaf mehr. Tagsüber versucht sie, dem Schmerz durch ihre Arbeit aus dem Weg zu gehen, ist gar nach Korsika geflohen, um ihrem Schmerz und ihren Erinnerungen zu entkommen. Doch der Schmerz kehrt jede Nacht zurück.

Alice’ Ehemann Damien hat sie verlassen. Und so entschließt sich Alice, ihren Ehemann und ihre Tochter zurückzulassen, zieht nach der von Damien ausgesprochenen Trennung ohne jede Information aus, sucht sich eine Wohnung in sicherer Entfernung.

In ihrer neuen Bleibe trifft sie auf die Nachbarin Siham. Hilft ihr beim Einkaufen und geht mit ihr zu ihrer Tante. Übernachtet mehrmals bei Siham und entschließt sich schließlich, die junge Frau vor dem zu retten, was diese belastet.

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Das Dream Hotel von Laila Lalami

„Stell dir die Frauen vor. Die Kinder. Was, wenn du sie vor solchen Monstern retten könntest? Du musst dafür nicht einmal etwas tun. Du hast längst die allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptiert.“ (Seite 7)

Sara T. Hussein kommt von einer Konferenz aus London zurück, und bei der Passkontrolle am Flughafen in Los Angeles wird festgestellt, dass ihr Risikowert zu hoch ist. Hier greift das sogenannte Pre-Crime-Gesetz, in ihren Träumen hatten sich Auffälligkeiten gezeigt.

Nun sitzt sie im Madison ein, in einem Einbehaltungszentrum. Sie hat – genau wie die anderen sogenannten Programmteilnehmerinnen, Einbehaltenen, Registrierten oder Bewohnerinnen – nichts getan, doch ihr wird eine zukünftige Tat zur Last gelegt, weshalb sie unter forensischer Beobachtung steht.

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Mit anderen Augen von Jane Tara

„Kein sterblicher Mensch hat die Dinge jemals so gesehen, wie sie sind, obwohl uns diese Formulierung geläufig ist wie jedes andere Alltagswort und alle sie ständig im Munde führen.

Wir können die Dinge nicht sehen, wie sie sind, denn unsere Natur zwingt uns dazu, sie nur so zu sehen, wie wir sind. Uns selbst werden wir niemals los.“ (Seite 7)

Die 52-jährige Tilda Finch bemerkt, dass ihr rechter kleiner Finger verschwunden ist. Was zuerst unglaublich und unmöglich scheint – vielleicht eine Folge von unbewusstem Drogenkonsum? – ist bald bittere Realität und erst der Anfang.

Der Finger ist nicht weg, sondern unsichtbar, und Tilda sucht nach einer Erklärung. Und schon ist auch ihr rechtes Ohr verschwunden.

Tilda geht zu ihrer vertrauten Ärztin Dr. Majumdar, die sie untersucht und ihr rückmeldet, dass sie an der Unsichtbarkeitserkrankung – Morbus Invisibilis – leidet, einer Krankheit, die vorwiegend bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr auftritt.

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Mathilde und Marie von Torsten Woywod (Hörbuch)

„Bücher verändern uns. Bücher retten uns. Ich weiß das, weil ich es selbst erlebt habe.“ (Zitat von Elif Shafak, Track 5)

Die 26-jährige Studentin Marie Ledoux muss raus aus Paris, will räumlich und gedanklich Abstand schaffen zu bestimmten Geschehnissen. Sie fährt kurzerhand mit dem TGV nach Brüssel und dann in die belgische Provinz.

Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, eine 77‑jährige Buchhändlerin, die in Redu lebt und Marie spontan mit in ihr Dorf nimmt.

Redu ist ein kleiner Ort in den belgischen Ardennen, hat 390 Einwohner, 13 Buchhandlungen, einen Fernseher, einen Internetanschluss und ringsherum wunderschöne Natur. Und dort trifft Marie auch auf die mürrische Mathilde.

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