Schlaf von Haruki Murakami

„Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf.“ (Seite 5)

Die Ich-Erzählerin kennt Zeiten der Schlaflosigkeit, aber ihr aktuelles Nicht-schlafen-Können ist ganz anders als die Schlaflosigkeit, die sie früher plagte, die ihren Tag unaushaltbar machte, die sie belastete und sie in ihrem Alltag massiv einschränkte, da sie nie richtig wach und ausgeruht war.

Diesmal ist ihre Schlaflosigkeit ein Segen, denn die Ich-Erzählerin nutzt die neugewonnenen Stunden zum Lesen, wofür sie schon so lange keine Ruhe und keine Konzentration übrig hatte. Nun wird die alte Leidenschaft erneut entflammt, und die Ich-Erzählerin genießt die Nächte mit Romanen von Tolstoi und Dostojewski, fühlt sich vital, voller Energie und hellwach. Schlaf von Haruki Murakami weiterlesen

Die Geschichte der Welt von Ewald Frie

„Möglicherweise war der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 das erste weltweit spürbare Ereignis. Möglicherweise hatten erst die Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 oder der Zweite Weltkrieg, dessen Kernzeit von 1941 bis 1945 war, der aber in unterschiedlichen Teilen der Welt zu unterschiedlichen Zeiten begann und endete, diese einschneidende Kraft. Trotz der heute einheitlichen Datierung ist die Weltgeschichte eine Geschichte vieler Zeiten. Wann sie beginnt, ist Definitionssache.“ (Seite 43)

Ewald Frie erzählt von der Geschichte der Welt, und anders als in der Schulzeit und in gängigen Geschichtsbüchern kann der Leser mit Frie über den Tellerrand schauen, die eurozentrische Sichtweise hinter sich lassen und Geschichte ganz neu erfahren.

Frie berichtet von Entdeckungsreisen, Zeitrechnung, Zeitmessung, der Entwicklung des Menschen, Bevölkerungsentwicklung, Sprache, Ackerbau, Schrift, Hochkulturen und historischen Ereignissen, die man schon x-mal aus anderer Perspektive betrachtet, sich aber (fast) nie von außen angeschaut hat. Die Geschichte der Welt von Ewald Frie weiterlesen

Artemis von Andy Weir (Hörbuch)

Jazz Bashara lebt in Artemis, der ersten und einzigen Stadt auf dem Mond. Sie arbeitet als Trägerin, aber weil sie vom großen Geld träumt, schmuggelt sie zudem verschiedene Güter.

Eines Tages bekommt sie ein verlockendes Angebot, das es ihr ermöglicht, extrem viel Geld mit einer einzigen Aktion zu verdienen. Doch die Sache geht schief, und Jazz gerät in tödliche Gefahr, denn sie hat sich mit den falschen Leuten angelegt. Artemis von Andy Weir (Hörbuch) weiterlesen

Unheimliche Geschichten von Edgar Allan Poe

„Mein Herz schlug so ruhig wie das eines Menschen, der den Schlummer der Unschuld schläft.“ (Seite 54)

Der Band Unheimliche Geschichten‘ beinhaltet „Das verräterische Herz“, „Der schwarze Kater“ und „Der Teufel im Glockenturm“ von Edgar Allan Poe, die von Fjodor Michailowitsch Dostojewski, einem großen Bewunderer Poes, ausgewählt und mit einem Nachwort versehen wurden.

Die Illustrationen stammen von Kat Menschik, deren Zeichnungen mich immer wieder aufs Neue faszinieren, denn obwohl ich schon viele der von ihr illustrierten Bücher kenne, gleicht keines dem anderen, sondern für jede einzelne Geschichte findet Menschik die perfekte Interpretation. Unheimliche Geschichten von Edgar Allan Poe weiterlesen

Die Bäckereiüberfälle von Haruki Murakami

„Wir hatten Hunger, so viel stand fest, und deshalb wollten wir Böses tun.“ (Seite 9f)

Zwei Kriminelle haben großen Hunger und beschließen, eine Bäckerei zu überfallen. Mit Messern bewaffnet laufen sie durch eine Geschäftsstraße und steuern eine Bäckerei an. Der Bäcker macht ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung, denn er bietet den beiden Männern, die anscheinend zu jeder Übeltat bereit sind, seine Backwaren einfach so, ohne Bezahlung und ohne die Notwendigkeit einer Gewalttat an. Den beiden Kriminellen gefällt das nicht, denn sie führen Böses im Schilde und insistieren, dass sie den Bäcker umlegen möchten.

Die drei Männer gehen schließlich einen Kompromiss ein: Die Gauner bekommen Brot, wenn sie sich Richard Wagners Tristan und Isolde anhören.

Wagner ändert das Leben des Ich-Erzählers, der einer der beiden Gauner ist. Er wird anständig und heiratet, doch Jahre später erzählt er seiner Frau vom Überfall, und sie ist der Meinung, dass ein Fluch auf ihm lastet, der gebrochen werden muss. Die Bäckereiüberfälle von Haruki Murakami weiterlesen

Unter der Mitternachtssonne von Keigo Higashino

„Es kommt mir vor, als würde mein Leben unter der Mitternachtssonne stattfinden.“ (Seite 363)

Junzo Sasagaki von der Mordkommission Osaka genießt seinen freien Tag, indem er durch die Stadt streift und gegrillten Tintenfisch isst, als er plötzlich mitten in einen Polizeieinsatz gerät: Seine Kollegen untersuchen eine männliche Leiche, die in einem leerstehenden Gebäude gefunden wurde.

Das Opfer wurde erstochen, hatte sich aber anscheinend nicht gewehrt und wurde, da er seinen Führerschein und Visitenkarten dabei hatte, sofort als der Pfandleiher Yosuke Kirihara identifiziert. Dieser hatte kurz vor seinem Tod noch die junge Witwe Fumiyo Nishimoto besucht, mit der er möglicherweise eine Affäre hatte, und zudem 1 Millionen Yen von seinem Konto abgehoben.

Obwohl es zahlreiche Verdächtige und überzeugende Motive für den Mord gibt, wird der Täter nicht gefasst, doch Sasagaki gibt nicht auf, und fast 20 Jahre später versucht er immer noch, den Fall aufzuklären. Unter der Mitternachtssonne von Keigo Higashino weiterlesen

Die Ermordung des Commendatore. Band 2: Eine Metapher wandelt sich von Haruki Murakami

„Die Grube hätte nicht geöffnet werden sollen.“ (Seite 193)

Was im ersten Band von Die Ermordung des Commendatore geschah: Nach der Trennung von seiner Frau hat sich der Ich-Erzähler in ein einsames Haus in Odawara zurückgezogen, das dem Maler Tomohiko Amada, dem Vater seines Freundes Masahiko Amada, gehört. Hier geschehen bald sonderbare Dinge, nachdem der Ich-Erzähler auf dem Dachboden das Gemälde „Die Ermordung des Commendatore“ findet, das ihn beeindruckt und fasziniert. So hört der Ich-Erzähler nachts das Gebimmel von Glöckchen, die aus einer Grube hinter einem Schrein zu kommen scheinen, er trifft den leibhaftigen Commendatore, und er malt ein Porträt des ebenso reichen wie geheimnisvollen Menschiki, der auf der anderen Seite des Tals wohnt und der ihn bald um ein weiteres Porträt bittet: das seiner mutmaßlichen Tochter Marie Akikawa.

Die Handlung des zweiten Bandes knüpft direkt an die Geschehnisse des ersten Buches an: Shiko Akikawa und ihre 13-jährige Nichte Marie verbringen den Sonntagmorgen im Haus des Ich-Erzählers, der dort die ersten Skizzen des Porträts anfertigt. Dort trifft Menschiki zum ersten Mal auf das Mädchen, das jedoch wenig Interesse an dem fremden Mann zeigt. Umso interessierter ist Marie an dem Porträt, das der Ich-Erzähler von Menschiki gemalt hat, das sich aber bereits in Menschikis Besitz befindet. Kurzerhand lädt Menschiki Marie und ihre Tante in seine Villa ein, damit sie das Bild betrachten können. Die Ermordung des Commendatore. Band 2: Eine Metapher wandelt sich von Haruki Murakami weiterlesen

Verdächtige Geliebte von Keigo Higashino

„Verlassen Sie sich auf mich. Mit logischem Denken werden wir alles heil überstehen.“

Yasuko Hanaoka hat sich nach der Scheidung von ihrem gewalttätigen Mann Shinji Togashi gerade wieder ein normales Leben aufgebaut, hat den Job im Nachtclub aufgegeben, arbeitet in einem Imbiss, kümmert sich um ihre Tochter Misato.

Als ihr Ex-Mann plötzlich aus dem Nichts auftaucht, gerät Yasukos Leben aus den Fugen: Nach einem Streit schlägt Misato den verhassten Stiefvater nieder, letztendlich erwürgt Yasuko ihn mit einem Kabel.

Ihr Nachbar Ishigami, der als Mathematiklehrer arbeitet und anscheinend in Yasuko verliebt ist, hilft ihr, die Leiche verschwinden zu lassen und den Mord zu vertuschen. Doch kommt ihnen wirklich niemand auf die Schliche? Lässt sich mit Logik das perfekte Verbrechen begehen bzw. ein unerschütterliches Alibi konstruieren? Verdächtige Geliebte von Keigo Higashino weiterlesen

Böse Absichten von Keigo Higashino

„Jeder Mensch hat seine Geheimnisse.“

Der Bestsellerautor Kunihiko Hidaka wird in seinem Haus ermordet, kurz bevor er mit seiner Frau Rie nach Kanada auswandern will. Sein Freund Osamu Noniguchi und Rie finden die Leiche und informieren die Polizei.

Kommissar Kaga versucht, dem Täter auf die Spur zu kommen, aber anfangs sieht es so aus, als habe jeder im direkten Umfeld Hidakas ein hieb- und stichfestes Alibi. Böse Absichten von Keigo Higashino weiterlesen

Die unheimliche Bibliothek von Haruki Murakami

„War all das wirklich geschehen? Ehrlich gesagt, ich wusste es nicht.“ (Seite 63)

Der Ich-Erzähler geht – wie viele Male zuvor – auf dem Nachhauseweg in eine Bibliothek. Dort fragt er die Bibliothekarin nach einem Buch über Methoden der Steuereintreibung im Osmanischen Reich und wird von ihr in den Keller der Bibliothek geschickt. Dort trifft er auf einen sonderbaren, alten Mann, der ihm drei uralt aussehende Bücher in die Hand drückt und betont, dass er die Bücher nicht ausleihen dürfe, sondern hier in der Bibliothek lesen müsse.

Der Alte führt den Ich-Erzähler durch ein Kellerlabyrinth und bringt ihn schließlich in ein Verlies, das der Junge erst wieder verlassen darf, wenn er die drei Bände auswendig aufsagen und in einem Monat eine schwierige Prüfung über den Inhalt erfolgreich absolvieren kann. Die unheimliche Bibliothek von Haruki Murakami weiterlesen