Schlagwort-Archive: Belletristik

Die Ermordung des Commendatore. Band 1: Eine Idee erscheint von Haruki Murakami

„Hin und wieder kann man in unserem Leben die Grenze zwischen Realität und Illusion nicht richtig ziehen. Die Grenze scheint unablässig in Bewegung zu sein und zu variieren.“ (Seite 291)

Nach der plötzlichen Trennung von seiner Frau, mit der er sechs Jahre zusammen war, verliert der Ich-Erzähler die Orientierung und den Bezug zu sich:

„Und wo soll ich jetzt hin? […] Wie weit ist es mit mir gekommen? Wo bin ich? Und noch dringlicher: Wer bin ich überhaupt?“ (Seite 36).

Er macht sich spontan auf eine mehrmonatige Reise durch Japan und lässt sich danach im Haus des Vaters seines Freundes Masahiko Amada nieder.

Dieses abgelegene Haus steht schon länger leer, da der Vater, Tomohiko Amada, dement ist und in einer edlen Seniorenresidenz lebt. Tomohiko Amada war Maler – genau wie der Ich-Erzähler, der sein Geld mit Porträtmalerei verdient -, und so gibt es in dem abgelegenen Haus, neben vielen Büchern und Schallplatten, einem Garten und einem Schrein, auch ein Atelier.

Nach der Trennung von seiner Frau will der Ich-Erzähler der Porträtmalerei den Rücken kehren und lieber für sich selbst und in seinem eigenen Stil malen. Doch er bringt nichts zustande, ist nicht kreativ, findet nicht zu seinem früheren Können zurück. Die Ermordung des Commendatore. Band 1: Eine Idee erscheint von Haruki Murakami weiterlesen

Der singende Baum von Tim Winton

„Irgendwo, irgendwie bist du in einem Nebel versunken.“

Georgie Jutland lebt mit ihrem Lebensgefährten Jim Buckridge und seinen beiden Söhnen in White Point in Westaustralien. Jim ist Fischer, Georgie eigentlich Krankenschwester, schlägt sich nun aber die Nächte mit Alkohol und Internet um die Ohren.

Dann trifft Georgie den aus White Point stammenden Luther Fox, der nachts heimlich die Netze der Fischer leert. Sie und Luther verlieben sich, doch als Jim hinter die Affäre und hinter Luthers Diebstahl kommt, flieht Luther in den Norden Australiens und beginnt ein neues Leben im Outback. Der singende Baum von Tim Winton weiterlesen

Weite Welt von Tim Winton

„Geschehenes ist nie vorbei“

Weite Welt beinhaltet 17 Geschichten, die sich um Protagonisten in der Kleinstadt Angulus in Westaustralien drehen. Dabei lässt der Autor seine Charaktere mehrmals in verschiedenen Geschichten auftreten und verwebt seine Geschichten so zu einer romanhaften Lektüre über das Leben, Hoffen und Scheitern an der australischen Westküste. Weite Welt von Tim Winton weiterlesen

TICK TACK – Wie lange kannst Du lügen? von Megan Miranda

„Das Weggehen schließt die Rückkehr aus. Ich weiß nicht mehr, was ich mit Cooley Ridge anfangen soll, und Cooley Ridge weiß nichts mehr mit mir anzufangen.“ (Seite 14)

Nic Farrell erhält einen Brief ihres – dementen – Vaters, der Bezug auf das Verschwinden ihrer besten Freundin Corinne nimmt:

„Ich muss mit dir reden. Dieses Mädchen. Ich habe es gesehen.“

Corinne ist vor zehn Jahren nach einem Jahrmarktbesuch spurlos verschwunden, und Nic hat daraufhin von einem Tag auf den anderen ihre Heimatstadt verlassen.

Aufgrund des Briefes macht sich Nic wieder auf den Weg in ihre Heimat Cooley Ridge am Rand der Smoky Mountains, um dort herauszufinden, was in der Nacht vor zehn Jahren wirklich geschehen ist.

Gleich am ersten Abend in Cooley Ridge verschwindet wieder ein Mädchen: Annaleise, die vor zehn Jahren in der Nacht, in der Corinne verschwand, Nic und ihren Freunden ein Alibi gegeben hat. TICK TACK – Wie lange kannst Du lügen? von Megan Miranda weiterlesen

Kleiner Mann – was nun? von Hans Fallada

„Von weitem sieht eine Ehe außerordentlich einfach aus: Zweie heiraten, bekommen Kinder. Das lebt alles zusammen, ist möglichst nett zueinander und sucht vorwärtszukommen. Kameradschaft, Liebe, Freundlichkeit, Essen, Trinken, Schlafen, das Geschäft, der Haushalt, sonntags ein Ausflug, abends mal Kino. Fertig.

Aber in der Nähe löst sich die ganze Geschichte in tausend Einzelprobleme auf.“ (Seite 43)

Anfang der 1930er Jahre: Der 23-jährige Johannes Pinneberg und die 22-jährige Emma Mörschel, genannt „Lämmchen“, erwarten ein Kind und heiraten. Sie befinden sich in einer sehr unsicheren finanziellen Lage und müssen alles haarklein durchrechnen, um sich durchschlagen und ihr Kind mit einer gewissen Sicherheit aufziehen zu können.

Sie leben zuerst in einer kleinen möblierten Wohnung in Ducherow, einem Dorf im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, wo Pinneberg als Buchhalter arbeitet. Doch das Geld reicht hinten und vorne nicht, und als Pinneberg seine Stelle verliert und seine Mutter ihm eine Wohnung und eine Stelle in Berlin anbietet, ziehen Pinneberg und Lämmchen in die Hauptstadt.

Dort findet Pinneberg eine Anstellung in einem Bekleidungsgeschäft und ist dem täglichen Druck ausgesetzt, eine bestimmte Leistung zu erfüllen, um seine Arbeit zu behalten. Kleiner Mann – was nun? von Hans Fallada weiterlesen

Das Licht zwischen den Meeren von M.L. Stedman

„Sie bezahlt für jede Minute unseres Glücks.“

1926 auf der Insel Janus Rock vor der Westküste Australiens: Isabel, die Frau des Leuchtturmwärters Tom, wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind, doch sie hat bereits drei Fehlgeburten erlitten. Eines Tages sieht sie ihre große Chance: Ein Boot wurde am Ufer der Insel angeschwemmt, im Boot befinden sich ein toter Mann und ein kleines Baby. Tom will den Vorfall direkt melden, doch Isabel bittet ihn darum, damit zu warten. Sie kümmert sich um das kleine Mädchen, das sie Lucy nennt und das sie schließlich nicht mehr hergeben möchte. Tom fügt sich ihrem Willen, doch Jahre später holt die Geschichte die drei wieder ein. Das Licht zwischen den Meeren von M.L. Stedman weiterlesen

Nur eine Ohrfeige von Christos Tsiolkas

Sommer in Melbourne: Hector und seine Frau Aisha veranstalten ein Barbecue mit ihren Freunden und ihren Familienangehörigen. Der dreijährige Hugo, Sohn von einem befreundeten Paar, nervt alle Anwesenden und wird schließlich von Hectors Cousin Harry geschlagen. Die Eltern von Hugo schalten daraufhin Polizei und Gericht ein. Die Ohrfeige sorgt für kontroverse Diskussionen im Umfeld und entzweit Familien und Freunde. Nur eine Ohrfeige von Christos Tsiolkas weiterlesen

Broken Hill von Nicholas Shakespeare

„Der Zug war die einzige Möglichkeit hier rauszukommen. Entweder das, oder man tauchte hinab in die Erde.“

Broken Hill in New South Wales: Der Erste Weltkrieg, der im weit entfernten Europa tobt, hat auch Auswirkungen auf den abgelegenen Ort an der Grenze zum Outback. Broken Hill, berühmt für seine Blei- und Zinkminen, hat vor dem Krieg intensiven Handel mit Deutschland getrieben, doch durch den Krieg ist Broken Hills wichtigster Handelspartner weggebrochen. Broken Hill von Nicholas Shakespeare weiterlesen

Die Zweige der Esche von Laird Hunt

„Wissen Sie, was ich vor dem Krieg war?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Ich auch nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern. Oder wenn doch, dann kommt es mir vor wie das Leben eines anderen, und ich glaube nicht daran.“ (Seite 174)

Die Ich-Erzählerin Constance lässt ihren Ehemann Bartholomew auf der gemeinsamen Farm zurück, schlüpft in Männerkleidung – die Uniform der Nordstaaten – und zieht in den Amerikanischen Bürgerkrieg.

Sie nennt sich von nun an Ash Thompson und sticht aus der Masse der Soldaten hervor, da sie eine exzellente Schützin und zudem außergewöhnlich mutig ist.

In Die Zweige der Esche wird Constances/Ashes Geschichte erzählt: von den Schlachten im Amerikanischen Bürgerkrieg, von Tod und Verwundung, von Flucht und Täuschung, aber auch von ihrer verstorbenen Mutter und von ihrer großen, unerschütterlichen Liebe zu Bartholomew. Die Zweige der Esche von Laird Hunt weiterlesen

Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro (Hörbuch)

„Was haben wir schließlich davon, wenn wir ständig zurückblicken und uns Vorwürfe machen, weil aus unserem Leben nicht das geworden ist, was wir uns vielleicht einmal vorgestellt hatten?“

Mr. Stevens dient schon viele Jahre als Butler auf Darlington Hall, und obwohl der Besitzer des Herrensitzes nach dem Tod Lord Darlingtons gewechselt hat, ist Stevens geblieben – als würde er zum Inventar gehören.

Als Stevens neuer Dienstherr, der Amerikaner Mr. Farraday, für mehrere Wochen in die USA reisen möchte, bietet er Stevens an, dass dieser sich seinen Wagen leihen und damit durch England fahren könne. Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro (Hörbuch) weiterlesen