Archiv der Kategorie: Italien

Frau im Dunkeln von Elena Ferrante

„Die Dinge, die wir selbst nicht verstehen, sind am schwierigsten zu erzählen.“ (Seite 8)

Die 47-jährige Leda fährt allein ans Meer und verbringt mehrere Tage an der süditalienischen Küste, liegt am Strand, beobachtet Leute.

Eine Familie hat es ihr besonders angetan: die junge Mutter Nina mit ihrer kleinen Tochter Elena und anderen Verwandten. Leda ist fasziniert von Nina und Elena, aber eines Tages ist sie plötzlich genervt, steigert sich in Wut und Feindseligkeit hinein und lässt sich zu einer Tat hinreißen, die sie später bereut, die sie aber nur schwer ungeschehen machen kann. Frau im Dunkeln von Elena Ferrante weiterlesen

Acht Berge von Paolo Cognetti

„Vermutlich war schon damals klar, dass ich ihm überallhin folgen würde.“ (Seite 31)

Im Juli 1984 kommt der 11-jährige Pietro zum ersten Mal nach Grana, einem kleinen Dorf in den Alpen, wo nur noch 14 Personen leben. Er bleibt den Sommer über mit seiner Mutter auf einem kleinen Hof und freundet sich mit Bruno an, der täglich die Kühe hütet und mit dem er bald die Umgebung auskundschaftet.

Bruno ist das einzige Kind in Grana, und auch für Pietro ist die Tatsache, dass er einen Freund hat, neu und ungewohnt. Der gemeinsam verbrachte Sommer in Grana sowie das Wandern und Bergsteigen mit Pietros Vater werden bald zu einer festen Größe im Leben der beiden Freunde. Acht Berge von Paolo Cognetti weiterlesen

Der Strand bei Nacht von Elena Ferrante

„Es wird dunkel. Nicht ein Stern ist zu sehen und auch der Mond nicht. Das Rauschen des Meeres ist lauter geworden.“ (Seite 13)

Die 5-jährige Mati hat eine kleine Katze geschenkt bekommen, und vor lauter Begeisterung lässt sie ihre Puppe links liegen, als Mati mit ihrer Familie einen Tag am Strand verbringt. Die Puppe, die normalerweise Matis Ein und Alles ist, ist darüber sehr betrübt, und als Matis Bruder sie im Sand verbuddelt, setzt sich niemand für sie ein.

Zu allem Überfluss wird die Puppe schließlich am Strand vergessen, als die Familie am Abend den Heimweg antritt. Die Puppe bleibt ganz allein zurück, und als die Nacht hereinbricht, kommt die Angst. Der Strand bei Nacht von Elena Ferrante weiterlesen

Am Hügel von Capodimonte von Wanda Marasco

„Der Hügel von Capodimonte ruht auf einer Reihe Höhlen. Unter den Schritten hallt das Echo einer alten Katastrophe.“ (Seite 161)

Vincenzina Umbriello stammt aus Villaricca, einer kampanischen Gemeinde, die in den 1950er Jahren weniger als 7.000 Einwohner und zu Beginn des 21. Jahrhunderts bereits 26.000 Einwohner hatte.

Vincenzinas Familie ist arm, Vincenzina ist Analphabetin, das Leben hält nicht allzu viel für sie bereit. Dann geht sie als Hausmädchen nach Neapel und trifft dort auf Rafele Maiorana, dem Sprössling einer reichen, großbürgerlichen Familie. Die beiden verlieben sich ineinander, doch Rafeles Familie will Vincenzina los werden, bietet ihr Geld, damit sie die Verlobung löst und Rafele verlässt. Doch Vincenzina bleibt bei dem Mann, den sie liebt. Am Hügel von Capodimonte von Wanda Marasco weiterlesen

Lieblingsorte. Neapel von Maria Carmen Morese

„Neapel ist eine bittere Sonne, Neapel ist Meeresduft, Neapel ist ein schmutziges Papier, und keinen kümmert‘s.“ (Seite 84, Liedtext von Pino Daniele)

Maria Carmen Morese, die ich bereits von ihrer wunderbaren Gebrauchsanweisung für Apulien und die Basilikata kannte, erzählt in Lieblingsorte. Neapel von Uferpromenade und Vesuv, Castel dell‘Ovo und Parco Virgiliano, Camorra und Schutzgeld, Obdachlosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit, Legenden und Elena Ferrante, Klostergärten und Buchhandlungen, Musik und Malerei, Kunstraub und Museen, Zitroneneis und Salumeria, Schirmpinien und Rosengärten. Lieblingsorte. Neapel von Maria Carmen Morese weiterlesen

Der Zopf von Laetitia Colombani (Buch und Hörbuch)

„Manchmal, sagt sie sich, rückt das Leben die finstersten und die lichtesten Momente nah zusammen. Es nimmt und gibt gleichzeitig.“ (Seite 129f)

Badlapur, Uttar Pradesh, Indien:
Smita ist eine Dalit. Sie sammelt – wie ihre Mutter vor ihr – die Exkremente anderer Menschen ein und steht in der indischen Gesellschaft an unterster Stelle: „Sie ist nicht nur unberührbar, sie soll unsichtbar sein.“ (Seite 17). Für ihre sechsjährige Tochter Lalita wünscht sich Smita ein besseres Leben und ist bereit, mit all ihrer Kraft dafür zu kämpfen, dass ihre Tochter nicht in ihre Fußstapfen tritt. Der Zopf von Laetitia Colombani (Buch und Hörbuch) weiterlesen

Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante

„Wenn du heute mit so einem Artikel an die Öffentlichkeit gehst, tust du etwas Wichtiges für dich, für deine Leser, für alle; du zeigst, dass das Italien, in dem wir leben, viel schlimmer ist, als wir uns das erzählen.“ (Seite 401)

Elena hat alles auf eine Karte gesetzt: die Beziehung mit ihrem Ehemann Pietro beendet, ihre Töchter Dede und Elsa zurückgelassen, ihre Schwiegermutter Adele – mit ihrem großen Einfluss auf Medien und Verlagswesen – verärgert, ihr finanziell unbeschwertes Leben aufgegeben, mit ihren Eltern gebrochen.

Elenas Preis für eine gemeinsame Zukunft mit ihrer Jugendliebe Nino Sarratore ist hoch, aber sie ist glücklich mit Nino, der sich bemüht, sie umschmeichelt und umsorgt. Doch immer wieder kämpft Elena gegen ihre Unsicherheit, ihre Eifersucht und ihre Angst, Nino wieder zu verlieren – und damit alles verloren zu haben.

Parallel zu ihrem bewegten Liebesleben veröffentlicht Elena ein weiteres Buch, das zuerst in Frankreich erscheint, weswegen sie hin- und hergerissen ist zwischen dem Leben einer erfolgreichen Autorin, die sich auf Lesereisen begibt und gefeiert wird, und dem Leben als Mutter, die Zeit für ihre Töchter aufbringt.

Nach und nach bröckelt Ninos Fassade, Lila und andere Freunde aus dem Rione warnen Elena, und selbst Adele berichtet von Gerüchten über Nino, die ihr zu Ohren gekommen sind. Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante weiterlesen

Belletristik, Sachbücher, Reiseberichte aus und über Italien

In diesem Post liste ich Belletristik, Sachbücher und Reisebücher aus und über Italien auf. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe. Belletristik, Sachbücher, Reiseberichte aus und über Italien weiterlesen

Im Schatten der Pineta von Marco Malvaldi

„Die Nase in die Angelegenheiten anderer stecken.“

Sommer in der Toskana: Im kleinen Küstenstädtchen Pineta ist die Welt noch in Ordnung. Hier treffen sich tagtäglich vier alte Herren in der BarLume und vertreiben sich die Zeit mit Gesprächen, Kartenspielen und Espresso. Doch als ganz in der Nähe des Cafés die Leiche eines Mädchens in einem Müllcontainer gefunden wird, gerät die Idylle aus den Fugen und die Suche nach dem Täter beginnt. Im Schatten der Pineta von Marco Malvaldi weiterlesen

Der Tod in Venedig von Thomas Mann (Hörbuch)

„Wer hätte nicht einen flüchtigen Schauder, eine geheime Scheu und Beklommenheit zu bekämpfen gehabt, wenn es zum ersten Male oder nach langer Entwöhnung galt, eine venezianische Gondel zu besteigen? Das seltsame Fahrzeug, aus balladesken Zeiten ganz unverändert überkommen und so eigentümlich schwarz, wie sonst unter allen Dingen nur Särge sind, es erinnert an lautlose und verbrecherische Abenteuer in plätschernder Nacht, es erinnert noch mehr an den Tod selbst, an Bahre und düsteres Begängnis und letzte, schweigsame Fahrt.“

Gustav von Aschenbach zieht sich nach dem Tod seiner Frau zurück, ist einsam und verreist nicht mehr. Doch dann weckt ein flüchtiger Blick auf einen Fremden vor dem Münchner Friedhof sein Reisefieber, und er macht sich auf den Weg nach Italien.

Nach einem kurzen Aufenthalt auf einer Adria-Insel kommt er mit dem Schiff in Venedig an und trifft dort im Hotel auf eine polnische Familie, deren Sohn Tadzio ihn sofort fesselt. Er verliebt sich in den schönen Jungen, beobachtet ihn, folgt ihm durch die Stadt und ist regelrecht besessen von ihm, ohne je mit ihm gesprochen zu haben. Der Tod in Venedig von Thomas Mann (Hörbuch) weiterlesen