Der letzte Satz von Robert Seethaler

„Er dachte an die Musik. In der Dunkelheit konnte er ihre Anwesenheit fühlen, als sei sie ein Lebewesen, das atmete und dessen gewichtsloser Körper sich immer weiter ausdehnte, bis er das ganze Zimmer auszufüllen schien.“ (Seite 14)

Gustav Mahler befindet sich an Bord der Amerika und kehrt nach einem längeren Aufenthalt in New York zurück nach Europa. Mahler, der zeit seines Lebens kränklich war und von diversen körperliche Erkrankungen gequält wurde, wird immer schwächer und spürt seinen nahenden Tod.

Der letzte Satz lässt Mahlers Leben und sein Sterben Revue passieren. Robert Seethaler erzählt in seinem Roman von Mahlers Erfolgen und seinen Niederlagen, von Krankheiten und Leiden, vom Komponieren und der Liebe zur Natur, von seiner Ehe mit Alma und dem Tod seiner Tochter Maria, von Auguste Rodin und Sigmund Freud.

Der letzte Satz ist aber nicht nur ein Buch über Mahlers Leben und seine letzte Reise, sondern auch ein universelles Buch über das Leben und den Tod:

„Alles war voller Leben. Selbst der Tod war nur eine Idee der Lebenden. Solange man ihn sich vorstellen konnte, war er noch nicht da.“ (Seite 108)

Vor der Lektüre wusste ich gewissermaßen gar nichts über Mahler, sein Leben und seinen Tod, so dass mir Seethalers Roman Einblicke in eine mir unbekannte Lebensgeschichte geboten hat.

Der letzte Satz ist aber mehr als eine knapp gehaltene Biografie über einen bedeutenden Komponisten und Dirigenten, sondern ist auch eine philosophische Betrachtung und bietet einen Blick auf ein Lebenswerk und auf ein tragisches Leben mit vielen Hürden und Unwägbarkeiten sowie mit einem außerordentlichen musikalischen Talent.

Sprachlich ist Der letzte Satz schnörkellos und wird eingängig und eindringlich erzählt. Genau wie bei Der Trafikant hat mich dieser klare Stil, der sich schnell lesen lässt, aber inhaltlich lange im Gedächtnis bleibt sowie bei und nach der Lektüre sehr berührt, von Anfang bis Ende begeistern können.

Robert Seethaler: Der letzte Satz. Hanser Berlin, 2020, 128 Seiten; 19 Euro.

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