Archiv der Kategorie: Allgemein

Die Herrenausstatterin von Mariana Leky

„Alle wichtigen Entscheidungen werden auf der Basis lückenhafter Daten getroffen.“ (Seite 58)

Die Ich-Erzählerin Katja und ihr Vertretungszahnarzt Jakob sind von Grund auf verschieden – sie: ängstlich und vorsichtig, er: wagemutig und risikobereit – , aber sie verlieben sich ineinander, heiraten und verbringen eine glückliche Zeit miteinander. Doch dann verliebt sich Jakob in eine andere Frau, verlässt Katja und stirbt kurz darauf bei einem Unfall.

Katja fällt ins Bodenlose, doch dann trifft sie zwei Menschen, die ihr helfen, wieder zurück zu sich und zu einer für sie lebenswerten Zukunft zu finden: den Altphilologen Dr. Friedrich Blank, der nicht mehr am Leben ist, aber durch und durch realistisch wirkt und bei Katja einzieht, und den Feuerwehrmann Armin, der eines Tages einfach in ihrer Wohnung sitzt und dann immer wieder kommt. Die Herrenausstatterin von Mariana Leky weiterlesen

Der Tod sitzt mit im Boot von Alan Bradley

„Es ist immer gut, jemandem eine absurde Aufgabe aufzutragen. Dann weiß derjenige gleich, dass man nicht irgendwer ist.“ (Seite 39)

Vor sechs Monaten ist Flavias Vater gestorben und hat eine große Lücke hinterlassen: Das Verhältnis zwischen Flavia und ihren beiden älteren Schwestern Feely und Daffy ist noch schlechter geworden, und Tante Felicity möchte das Anwesen Buckshaw, das nun Flavia gehört, unverzüglich verkaufen, Dogger und Mrs Mullet entlassen.

Aus dieser deprimierenden Situation heraus schlägt Tante Felicity vor, dass die drei Schwestern eine Auszeit brauchen, und so machen Flavia, Daffy und Feely gemeinsam mit Dogger eine Bootstour auf der Themse.

Während Flavia von ihrem Tod durch Gift phantasiert und ihre Hand im Wasser baumeln lässt, stößt sie auf eine im Wasser treibende Leiche. Der Tod sitzt mit im Boot von Alan Bradley weiterlesen

Eine bessere Zeit von Jaume Cabré

„Denn von den wenigen ausschlaggebenden Momenten unseres Lebens bekommen wir nichts mit, und hinterher verbringen wir den Rest unserer verzweifelten Existenz im sinnlosen Bemühen, sie wiederzuerlangen.“ (Seite 13f)

Josep Maria Bolós ist tot. Seinem Freund Miquel Gensana, dem Ich-Erzähler in Eine bessere Zeit, hat er am Tag vor seinem Tod eine Nachricht auf dessen Anrufbeantworter hinterlassen: „Jemand ist hinter uns her“.

Am Abend der Beerdigung trifft sich Miquel mit seiner Kollegin Júlia, die einen Nachruf auf Bolós schreiben möchte und Miquel deshalb um Informationen bittet.

Miquel erinnert sich an sein Leben: an seine Kindheit im Can Gensana, seinem Elternhaus, in dem sich nun ausgerechnet das Restaurant befindet, in dem er und Júlia essen, an sein Studium und seine Freundschaft mit Bolós, an Geliebte und Gefährten, an seine Arbeit im antifranquistischen Untergrund und an die Geschichte seiner Familie. Eine bessere Zeit von Jaume Cabré weiterlesen

Tagwerk. Die Kunst des Lebens und Überlebens von Iago Corazza und Greta Ropa

„Aber ist das wirklich ein Beruf in Ihrem Land?“ (Seite 10)

Als ich vor mehr als 17 Jahren für ein paar Wochen im Jemen war, habe ich mich länger mit einem Beduinen aus der Ramlat as-Sabatayn unterhalten. Als er mich fragte, was mein Beruf ist, habe ich ihm erzählt, dass ich Psychologie studiere. Mein Arabisch-Wörterbuch erwähnte ein eindeutiges Wort dafür, aber der Beduine konnte mit dem Begriff nichts anfangen, und auch als ich näher ins Detail ging, was zum Beruf eines Psychologen gehört, hatte er keinen Aha-Effekt. Der Beruf des Psychologen hatte in seiner Welt, in der man starke Familienbeziehungen hat und keinem Fremden das Herz ausschüttet, keinerlei Bedeutung und keine Entsprechung.

So ging es auch den Autoren/Fotografen des Bildbands Tagwerk, die bei ihrer Arbeit immer wieder auf Menschen trafen, die nicht recht verstanden, dass Beobachten und Staunen Teil von Gelderwerb sein können.

Umgekehrt ist es so, dass die im Buch erwähnten Berufe durchaus auch in der westlichen Welt bekannt sind, auch wenn man in Mitteleuropa nie oder kaum noch Färber, Wäscher, Weber, Lastenträger oder Münzenmacher trifft bzw. sich Berufe zwischen Europa und der „dritten Welt“ deutlich unterscheiden, z.B. Bäcker, Frisöre, Schneider oder Restaurantbesitzer. Tagwerk. Die Kunst des Lebens und Überlebens von Iago Corazza und Greta Ropa weiterlesen

Der Reisende von Ulrich Alexander Boschwitz

„Ich habe keine Rechte mehr, nur aus Anstand oder aus Gewohnheit tun viele so, als hätte ich noch welche.“

Otto Silbermann, ein in Berlin lebender, wohlhabender Kaufmann jüdischer Herkunft, der sich voll und ganz deutsch fühlt und im Ersten Weltkrieg für sein Land gekämpft hat, versucht im November 1938 verzweifelt, Deutschland zu verlassen, doch die Grenzen sind mittlerweile dicht und die Ausreise in ein (noch) sicheres Nachbarland nahezu unmöglich.

Silbermann, der selbst nicht jüdisch aussieht, ergeht es noch etwas besser als anderen Juden, die offen angefeindet, beschimpft und inhaftiert werden, doch auch Silbermann erlebt mehr und mehr Ausgrenzung und Entrechtung. So muss er erkennen, dass sich (falsche) Freunde bereichern, indem sie sein Hab und Gut billig aufkaufen, er lebt in Angst und Schrecken, wird zu einem Reisenden, der quer durchs Land reist, nirgends zur Ruhe kommt und einen Weg ins Ausland sucht. Silbermann verliert schließlich alles, was ihm lieb und teuer war: sein Geschäft, sein Haus, den Kontakt zu seiner Frau, das Vertrauen in seine Freunde, das Gefühl von Sicherheit und letztendlich auch seine Würde. Der Reisende von Ulrich Alexander Boschwitz weiterlesen

Das Buch der Schurken von Martin Thomas Pesl

„Was wäre die Welt ohne Schurken? Unfassbar langweilig: Sherlock Holmes ohne Moriarty, Paris ohne Fantômas oder gar das Monster ohne Frankenstein?“

Martin Thomas Pesl stellt in seinem Buch 100 Schurken aus Literatur, Mythologie und verschiedenen Epen vor. Dabei widmet er jedem Schurken eine Doppelseite mit einer wundervollen Illustration von Kristof Kepler und vielen Informationen zum jeweiligen Buch (Autor, Titel, Erscheinungsjahr der Originalfassung), zu Besonderheiten und persönlichen Eigenschaften, Erzfeinden und Talenten, Herkunft, Beruf, Hobbys etc. Das Buch der Schurken von Martin Thomas Pesl weiterlesen

Die Geschichte der Welt von Ewald Frie

„Möglicherweise war der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 das erste weltweit spürbare Ereignis. Möglicherweise hatten erst die Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 oder der Zweite Weltkrieg, dessen Kernzeit von 1941 bis 1945 war, der aber in unterschiedlichen Teilen der Welt zu unterschiedlichen Zeiten begann und endete, diese einschneidende Kraft. Trotz der heute einheitlichen Datierung ist die Weltgeschichte eine Geschichte vieler Zeiten. Wann sie beginnt, ist Definitionssache.“ (Seite 43)

Ewald Frie erzählt von der Geschichte der Welt, und anders als in der Schulzeit und in gängigen Geschichtsbüchern kann der Leser mit Frie über den Tellerrand schauen, die eurozentrische Sichtweise hinter sich lassen und Geschichte ganz neu erfahren.

Frie berichtet von Entdeckungsreisen, Zeitrechnung, Zeitmessung, der Entwicklung des Menschen, Bevölkerungsentwicklung, Sprache, Ackerbau, Schrift, Hochkulturen und historischen Ereignissen, die man schon x-mal aus anderer Perspektive betrachtet, sich aber (fast) nie von außen angeschaut hat. Die Geschichte der Welt von Ewald Frie weiterlesen

Psychopathinnen von Lydia Benecke

„Bald ist alles vorbei, und ein neues Leben fängt an.“

Lydia Benecke ist eine deutsche Kriminalpsychologin und Psychotherapeutin, die mit schweren Straftätern arbeitet und über ihre Erfahrungen und Erlebnisse bereits in mehreren populärwissenschaftlichen Büchern berichtet hat. Psychopathinnen war meine erste Begegnung mit ihr, und obwohl ich wegen des reißerisch klingenden Titels erst unschlüssig war, ob ich das Buch überhaupt lesen soll, war die Neugier stärker, denn auch ich habe mich im Rahmen meines Psychologie-Studiums und meiner wissenschaftlichen und klinischen Arbeit schon etwas intensiver mit Themen wie Persönlichkeitsstörungen, Gewalt und Kriminologie beschäftigt.

Psychopathinnen hält nicht, was der reißerische Titel verspricht, sondern ist erfreulich sachlich und informativ. Benecke erzählt detailreich von verschiedenen Frauen, die Cluster B-Persönlichkeitsstörungen haben und straffällig wurden. Dabei beschreibt Benecke auch die Taten selbst, so dass es bisweilen brutal und unappetitlich wird, aber auch in diesen Passagen driftet die Autorin nicht in blutrünstige und sensationsheischende Schilderungen ab, sondern zeigt auf, was die Folgen von traumatischen Kindheitserlebnissen sind, wie die Betroffenen denken und fühlen bzw. was sie nicht fühlen und aus welchen Beweggründen die Frauen straffällig werden. Psychopathinnen von Lydia Benecke weiterlesen

@NATGEO von Ken Geiger,‎ Cory Richards und Kevin Systrom

„Ich glaube daran, dass Fotografien die Welt verändern können.“ (Seite 21, Ken Geiger)

Im Jahre 2012 richtete National Geographic den Instagram-Account @NATGEO ein, der zu einer der wichtigsten Plattformen für National Geographic-Fotografen wurde.

Nach einem Vorwort von Kevin Systrom (Geschäftsführer und Mitbegründer von Instagram), Cory Richards (Fotograf bei National Geographic, für den der @NATGEO-Account initial eingerichtet wurde) und Ken Geiger (ehemaliger stellvertretender Leiter für Fotografie bei National Geographic) werden im Bildband @NATGEO die besten Bilder aus dieser umfangreichen Sammlung vorgestellt. Darunter befinden sich Bilder von Städten und Landschaften, Menschen und Tieren, Architektur und Streetart, Umweltkatastrophen etc. @NATGEO von Ken Geiger,‎ Cory Richards und Kevin Systrom weiterlesen

Ein Jahr in Norwegen: Reise in den Alltag von Julia Fellinger

„Die Erkenntnis, dass mit Geschwindigkeit und Eile in diesem Land nicht beizukommen ist, wich bald darauf einem atemlosen Staunen über die unterschiedlichen Spielformen ungezügelter Natur.“

Mit ihrem Freund Hermann, der in Høyanger die Stelle eines kommunalen Landarztes antritt, kommt Julia Fellinger nach Norwegen.

In Ein Jahr in Norwegen erzählt sie von Bokmål und Nynorsk, Sognefjord und Wasserkraftwerk, koselig und hyggelig, Nationalstolz und bunad, Sommersonnenwende und Folkemusikfestival, Dalsfjordbrücke und Fähre, Wandern und hyttekos, Drogentoten und Vinmonopol, Oslo und Bergen, Elchjagd und Fischfang, Pilzen und Norwegerpullis, Tageslichtlampe und Fischöl, Polarlichtern und Skifahren, Bibelgürtel und Gleichberechtigung. Ein Jahr in Norwegen: Reise in den Alltag von Julia Fellinger weiterlesen