Schlagwort-Archiv: Psychiatrie

Die Vermessung der Psychiatrie von Stefan Weinmann

„Das Problematische an unserer gegenwärtigen Situation in der Psychiatrie ist, dass schlechte Krankheitsverläufe häufig der Biologie und der „Erkrankung“ selbst (oder der krankheitsbedingt unzureichenden Therapietreue) und weniger unserem Umgang damit oder gar unseren Therapien angelastet werden.“ (Seite 20)

Stefan Weinmann ist Psychiater. Er weiß, wovon er spricht und was er kritisiert, ist mittendrin, kennt die Krankheitsbilder, die Behandlung, die Versorgungslage und die Forschungsergebnisse im Bereich der Psychiatrie. Das hat mich beim Lesen seines Buches von Anfang an begeistert und beeindruckt. Hier schwimmt jemand gegen den Strom, der genauso gut mit ihm schwimmen könnte, so wie es die breite Masse in der Psychiatrie tut. Die Vermessung der Psychiatrie von Stefan Weinmann weiterlesen

Irren ist menschlich. Kapitel 5: Der sich und Anderen fremd werdende Mensch (Schizophrenie) von Uwe Gonther

„Menschen mit schweren psychischen Krankheiten haben eine deutlich verringerte Lebenserwartung, statistisch weniger Aussicht auf Partnerschaft und Nachwuchs. Sie weisen ein höheres Risiko für Arbeits- und Wohnungslosigkeit, Armut, Sucht, körperliche Krankheiten und Suizid auf. Es geht also nicht nur um eine abstrakte Stigmatisierung der Schizophrenie in den Medien, es geht um reale Nachteile, die sich auf das Ansehen und die Lebensqualität der Erkrankten negativ auswirken.“ (Seite 247)

Uwe Gonther behandelt im fünften Kapitel des Lehrbuchs Irren ist menschlich verschiedene Facetten der Schizophrenie: Begriffsklärung, Praecox-Gefühl, Tabuisierung, Stigmatisierung, Vulnerabilitäts-Stress-Modell, Symptome, Verlauf, Behandlung, Epidemiologie, Entstehung und Prävention. Irren ist menschlich. Kapitel 5: Der sich und Anderen fremd werdende Mensch (Schizophrenie) von Uwe Gonther weiterlesen

29 Fenster zum Gehirn von Alexander Rösler und Philipp Sterzer

Alexander Rösler und Philipp Sterzer erzählen in 29 Fenster zum Gehirn von Wahrnehmung und Bewusstsein, Bewegen und Fühlen, Emotionen, Sprache, Gedächtnis und Intelligenz, Schlaf und Traum, Entscheidungen und freiem Willen. 29 Fenster zum Gehirn von Alexander Rösler und Philipp Sterzer weiterlesen

Reisen in die Welt des Wahns von Achim Haug

„Es ist auch eine Geschichte über das, was sicher ist, und das, was wir nur für sicher halten. […] Wenn der eine oder andere Leser vielleicht am Schluss selbst etwas verunsichert ist, würde mich das freuen, denn dies bringt uns näher an das Verständnis von Menschen mit Wahn.“ (Seite 7)

Achim Haug, emeritierter Professor für Psychiatrie, erzählt in Reisen in die Welt des Wahns anhand von vier Fallgeschichten von unterschiedlichen Facetten psychotischen Erlebens sowie von psychologischen Grundlagen bezüglich Wahrnehmen, Denken usw.

Er berichtet u.a. von kognitiver Dissonanz, Vulnerabilitäts-Stress-Modell der Schizophrenie, Suizidalität, Praecox-Erleben, schizotyper Persönlichkeitsstörung, Karl Jaspers, doppelter Buchführung, formalen Denkstörungen, Wahnstimmung, Wahnarbeit, Wahneinfall, Wahnwahrnehmung, bizarrem Wahn in der Schizophrenie, Wahndynamik, Jumping-to-Conclusions-Bias, Ich-Störungen, Wahnursachen, Wahnentwicklung, Capgras-Syndrom und Behandlung von Wahn. Reisen in die Welt des Wahns von Achim Haug weiterlesen

Tage ohne Hunger von Delphine de Vigan

„Und dann hatte sich die Kälte in ihr ausgebreitet, eine unglaubliche Kälte. Diese Kälte, die ihr sagte, dass sie am Ende angelangt war, dass sie zwischen Leben und Sterben wählen musste.“

Laure, die Hauptprotagonistin in Delphine de Vigans neuestem Roman Tage ohne Hunger, leidet an Anorexia nervosa und hungert sich buchstäblich zu Tode, kann kaum noch aus dem Haus gehen, zieht sich von Freunden zurück.

Erst als sich eine schier unerträgliche Kälte in ihrem Körper ausbreitet, sie deshalb unzählige Lagen an Kleidung tragen und Stunden am Heizkörper verbringen muss, sucht sie sich Hilfe und lässt sich auf einen Termin mit einem Spezialisten für Essstörungen ein. Einen Krankenhausaufenthalt schließt sie jedoch nach wie vor aus:

„Es war noch zu früh, obwohl ihr eigentlich keine Zeit mehr blieb.“ Tage ohne Hunger von Delphine de Vigan weiterlesen