Das Ozeanbuch von Esther Gonstalla

„Ich weiß wirklich nicht, warum wir uns alle so mit dem Meer verbunden fühlen – ich denke, es hängt damit zusammen, dass das Meer und das Licht und die Schiffe sich ständig verändern, und auch damit, dass wir alle aus dem Meer kamen.“ (John F. Kennedy)

Esther Gonstalla macht in Das Ozeanbuch deutlich, in welch problematischen Zustand die Meere sind und wie sie sich durch den Menschen verändert haben. Dabei stellt Gonstalla die Meere als komplexes System vor und vermittelt durch die Grafiken und die knappen Texte, welche Zusammenhänge zwischen unserem Handeln und den Tieren und Pflanzen im Meer bestehen. Gonstalla klärt auf über Ursachen, antizipiert Folgen und macht (ganz im Sinne der System- und Chaostheorie) deutlich, dass einmal in Gang gesetzte Prozesse wie die Umkehrung der Meeresströmungen nicht mehr rückgängig gemacht werden können, dass rechtzeitiges und konsequentes Handeln essentiell ist, um tiefgreifende Veränderungen an unseren Meeren und unserem Planeten abzuwenden.

Gonstalla erzählt unter anderem von Klimawandel, Korallenriffen, Übersäuerung, Biodiversität, bedrohten Arten, Eutrophierung, Überfischung, Schiffsemissionen, Geräuschpegeln, Verschmutzungen durch Plastikmüll, Öl, Abfälle, Chemiewaffen und Radioaktivität.

Das Ozeanbuch zeigt jedoch nicht nur die negativen Auswirkungen menschlichen Handelns, sondern benennt auch konkrete Gegenmaßnahmen, z.B. das Einrichten von Meeresschutzgebieten, zeigt, an welchen Stellen man – auch als Individuum – intervenieren kann, um die Meere zu retten oder zumindest einen kleinen Beitrag zu ihrer Rettung zu leisten.

Das Buch ist durchweg sehr verständlich, auch wenn manche Grafiken nicht auf Anhieb verstehbar sind, sondern die Ergänzungen im Text benötigen. In aller Knappheit gelingt es Gonstalla, die Probleme auf den Punkt zu bringen und Hintergründe zu erklären. Das macht das Buch zu einer Lektüre, die meiner Meinung nach jeder lesen sollte, weil es sich um so ein bedeutendes und wichtiges Thema handelt und man hier auch ohne Vorwissen versteht, um was es geht und wohin unser Handeln uns führen wird.

Mich hat das Buch von der ersten Seite an sehr nachdenklich gemacht – und auch wütend ob der Profitgier der Industrie und des Handels, der Ignoranz der Regierenden und des Desinteresses von Verbrauchern, die – ohne die Ursachen und Folgen zu hinterfragen – immer weiter konsumieren, als ob es kein Morgen gäbe.

Ich habe mich schon sehr viel mit dem Thema beschäftigt, aber trotzdem war Das Ozeanbuch für mich ein Augenöffner. Deshalb: Lest dieses Buch! Und empfehlt es weiter!

Esther Gonstalla: Das Ozeanbuch. Über die Bedrohung der Meere. oekom verlag, 2017, 128 Seiten; 24 Euro.

Dieser Post ist Teil des Meer-Themas im Mai 2018.

2 Gedanken zu „Das Ozeanbuch von Esther Gonstalla“

  1. Hallo Romy,

    das hört sich sehr interessant an. Ich interessiere mich generell für Meere.
    Ich beschäftige mich im Moment sehr viel damit, wie ich Plastik vermeiden kann. Irgendwann stand ich im Laden vor den Kartoffeln und mir kamen die Tränen, weil ich plötzlich das Bild vor Augen hatte, wie die Meeresvögel sich in den Netzen verfangen, wo die Kartoffeln drinnen sind.
    Das ganze ist kein einfaches Unterfang und auch nicht billig. Aber ich will da unbedingt mein Verhalten verändern, so wie es in meinen Möglichkeiten liegt.
    Das Buch hier werde ich mir notieren. Danke für die Vorstellung!
    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,

      ich finde es schlimm, wie viel und was in Plastik verkauft wird. So viele unnütze Verpackungen, und es wird tendenziell immer schlimmer, z.B. bereits geschälte Bananen. Aber gerade in den letzten Wochen ist das Thema so viel in den sozialen Medien und Nachrichten präsent, dass ich hoffe, dass sich dadurch (wenn auch langsam) etwas ändert, Leute mehr auf die Problematik aufmerksam gemacht werden und ihr Verhalten ändern.

      Wenn du ein paar Tipps brauchst, melde dich gerne bei mir. Gerade im Bereich Kosmetik habe ich mich ziemlich umgehört und benutze mittlerweile z.B. ein (absolut großartiges) festes Shampoo, das ganz ohne Plastikmüll auskommt.

      Einfach finde ich das Ganze auch nicht, aber ich finde, man kann sich langsam rantasten und muss nicht gleich alles richtig machen. Jede Shampooflasche, die nicht gekauft wird, macht einen Unterschied.

      Liebe Grüße,
      Romy

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