Geschenkideen für Cousin Klaus, der lieber hört als liest

Ich höre, seit ich in Berlin lebe, sehr viele Hörbücher, denn ich trage berufsbedingt immer so viele Dinge mit mir herum, dass ich nicht auch noch ein Buch mitschleppen kann. Und so kam ich nach vielen hörbuchfreien Jahren wieder zum Hören. Auch zu Hause höre ich in jeder freien Minute, in der ich normalerweise lesen würde, in der ich aber kein Buch lesen kann, z.B. beim Kochen und Backen, beim Aufräumen und Putzen. So kommen eine Menge Hörbücher zusammen, und diejenigen, die mir am besten gefallen haben, möchte ich als Geschenkideen vorstellen.

101 Nacht
Genau wie Tausendundeine Nacht gehört auch Hundertundeine Nacht zur klassischen arabischen Literatur, allerdings ist die „kleine Schwester“ der berühmten Märchensammlung deutlich weniger verschachtelt als Tausendundeine Nacht, sondern besteht aus mehreren Einzelgeschichten, die zwar ebenso spannend, aber insgesamt etwas weniger komplex sind. Erzählt wird auch in Hundertundeine Nacht die Geschichte des Königs, seiner Gemahlin Schahrasad und deren Schwester Danisad, welche Schahrasad jede Nacht dazu anhält, ein Märchen vorzutragen, so dass der König sie am Leben lässt, weil er gespannt ihren Erzählungen lauscht und neugierig auf den weiteren Verlauf ist. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Secondhand-Zeit von Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch
Über Interviews, die Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch als Journalistin führte, fand die weißrussische Autorin ukrainischer Abstammung zu einer eigenen literarischen Gattung, dem dokumentarischen Roman in Stimmen. In Secondhand-Zeit gibt Alexijewitsch einer Vielzahl von Personen eine Stimme: Menschen, die die gesellschaftlichen Veränderungen im Rahmen von Perestroika, der Öffnung des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall der Sowjetunion am eigenen Leib erlebt haben und die mit Alexijewitsch von ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, von der Zeit der gebrauchten Ideen, von der „Secondhand-Zeit“ sprechen. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow
Moskau in den 1930er Jahren: Berlioz, Chefredakteur einer Literaturzeitschrift, und der junge Lyriker Besdomny treffen sich an einem warmen Frühlingsabend auf dem Patriarchenteichboulevard und beginnen eine angeregte Diskussion über Jesus Christus. Da spricht sie ein mysteriöser Fremder an, der sich Voland nennt und sich als Professor für schwarze Magie ausgibt. Er verwickelt Berlioz und Besdomny in ein Gespräch über Pontius Pilatus und die Verurteilung Jesu von Nazareth (im Roman Jeschua han-Nasri) und im weiteren Verlauf des Romans geschehen sehr sonderbare Dinge. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Meine geniale Freundin/Die Geschichte eines neuen Namens/Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante
Lila und Elena sind bereits seit über 60 Jahren miteinander befreundet, als Lila eines Tages spurlos verschwindet. Elena weiß, dass ihre Freundin schon seit mindestens 30 Jahren darüber nachgedacht hat, Neapel zu verlassen, und nun scheint die passende Zeit gekommen zu sein: Alle Kleider, Schuhe, Bücher, Fotos, Filme und Lilas PC sind weg. Um das Geheimnis um Lilas Verschwinden aufzudecken, denkt Elena zurück an die gemeinsame Zeit mit ihrer Freundin und erzählt von der Kindheit, der Jugend und dem Erwachsenenalters. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension zu Band 1, Band 2 und Band 3.]

Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez
Gabriel García Márquez erzählt in seinem Roman Hundert Jahre Einsamkeit, der 1967 in Buenos Aires erstveröffentlicht wurde und 1970 erstmals in Deutsch erschien, von der Gründung des Dorfes Macondo, von sieben Generationen der Familie Buendía und schließlich vom Niedergang Macondos. Dabei berichtet er nicht nur von Alchemie und Prophezeiungen, von Liebe und Liebschaften, von Krieg und Gewalt, von Tod und Sterben, sondern verwebt zudem historische Ereignisse in der Geschichte Kolumbiens/Lateinamerikas wie den Bau der Eisenbahn und den Einfluss der United Fruit Company mit seiner komplexen Geschichte um die Buendías und Macondo. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Moabit von Volker Kutscher
Berlin, 1927: Adolf Winkler, Vorsitzender des Ringvereins Berolina und bekannt als „der Schränker“, sitzt in Moabit ein und steht kurz vor der Haftentlassung. Eines Abends wird er von einem Wärter kurz in der Wachstube allein gelassen und dabei von dem neuen Häftling Bruck mit einem Messer angegriffen und gewürgt. Der Oberaufseher Christian Ritter, der zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter gleich neben dem Gefängnis wohnt und der nach Feierabend zurück ins Gefängnis gekommen ist, um die Schreibmaschine zu holen, die er zuvor vergessen hat und auf der seine Tochter Charlotte jeden Abend übt, schlägt den Häftling Bruck nieder und rettet so Winklers Leben. Doch dieser Vorfall verändert Ritters Leben und das Leben seiner Tochter nachhaltig und sorgt dafür, dass aus der noch jugendlichen Lotte die erwachsene Charly wird. Volker Kutschers Geschichte entblättert sich durch die drei Erzählstränge („der Schränker“, „der Wärter“, „die Tochter“) langsam und auf sehr fesselnde Weise und wird aus drei ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und weitererzählt. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky
Selma hat bereits in der Vergangenheit von einem Okapi geträumt, und danach ist jedes Mal jemand innerhalb der nächsten 24 Stunden gestorben. Nun ist ihr erneut eines der Tiere im Traum erschienen, und weil Selmas Träume in der Vergangenheit für viel Aufregung im Dorf gesorgt haben, möchte sie ihren Traum diesmal für sich behalten. Ihrer Enkelin Luise kann sie jedoch nichts vormachen, und als Selma sich zudem einer Nachbarin anvertraut, weiß kurz darauf das gesamte Dorf Bescheid. Die Tatsache, dass Selma den Tod vorhersagen kann, jedoch unklar bleibt, wen es treffen wird, sorgt dafür, dass die Bewohner des Dorfes verschwiegene Wahrheiten miteinander teilen, die Menschen vorsichtiger und ängstlicher werden. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde
England im Jahre 1852: Der Biologe William ist als Akademiker gescheitert und kann seine acht Kinder kaum noch ernähren. Er zieht sich immer weiter zurück und verlässt für längere Zeit das Bett nicht mehr, doch dann bekommt er neuen Schwung, weil er einen neuartigen Bienenkorb bauen möchte. Die USA im Jahre 2007: George ist Imker und sehr um seine Bienen besorgt, seit es im Norden des Landes zu einem plötzlichen Bienensterben kam. Noch glaubt er, dass er im Süden sicher ist, doch dann verschwinden und sterben auch seine Bienen. China im Jahre 2098: Jeden Tag muss Tao 12 Stunden lang Bäume von Hand bestäuben, denn es gibt schon lange keine Bienen mehr. Die Menschen haben stattdessen die Arbeit der Bienen übernommen, was dazu führte, dass beinahe nonstop gearbeitet werden muss, Obst eine Rarität geworden und Nahrung im Allgemeinen knapp bemessen ist. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Harry Potter von J.K. Rowling
Ich kenne die deutschen Hörbücher von Rufus Beck sowie die englischen von Stephen Fry bzw. Jim Dale, die allesamt wunderbar gelesen sind. Im Deutschen gibt es zudem die Lesung von Felix von Manteuffel, die ich allerdings nicht kenne.

Augustus von John Williams
In Augustus erzählt John Williams in Form eines Briefromans vom Tod Julius Cäsars, von der Machtübernahme seines Neffen Octavius, von dessen Aufstieg, seiner Regentschaft als Cäsar Augustus, seinen Erfolgen und Siegen, seinen Gefährten und seinen Rivalen. Augustus ist dabei angelehnt an historische Begebenheiten und Überlieferungen, doch hat der Autor bestimmte Sachverhalte bewusst verändert, Ortsnamen modernisiert, Sätze aus Briefen paraphrasiert etc. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Das Seelenleben der Tiere von Peter Wohlleben
Peter Wohlleben erzählt in seinem Buch Das Seelenleben der Tiere davon, wie sehr uns andere Tiere ähneln, zeigt aber auch Unterschiede zwischen Menschen und anderen Tieren auf. Dabei erwähnt er immer wieder kleine Anekdoten aus seinem eigenen Leben als Förster und als Haustierhalter, berichtet allerdings auch von wissenschaftlichen Erkenntnissen, so dass das Buch ebenso amüsant wie wissenschaftlich fundiert ist. [Hier geht’s zu meiner ausführlichen Rezension.]

Dieser Post ist Teil des Themas „Geschenkideen“ im Dezember 2017.

2 Gedanken zu „Geschenkideen für Cousin Klaus, der lieber hört als liest“

  1. Hier gibt es einige Überscheidungen zu mir: Ferrante, Leky, Lunde!
    „Moabit“ und „Hundert Jahre Einsamkeit“ werde ich mir mal merken. Klingt danach, als wären das auch schöne Hörbücher für mich. 🙂

    GlG vom monerl

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