Bevor die Stimmen wiederkommen: Vorsorge und Selbsthilfe bei psychotischen Krisen von Andreas Knuf und Anke Gartelmann

„Die Beschäftigung mit Selbsthilfe und Vorsorge heilt keine Psychosen, man kann aber lernen, besser mit ihnen und möglichst lange ohne sie zu leben. Krisen sind weiterhin nicht ausgeschlossen, wenn sie aber kommen, dann möglicherweise schwächer oder mit weniger negativen Folgen.“ (Seite 10)

Bevor die Stimmen wiederkommen enthält Erfahrungsberichte von Menschen, die von Psychosen betroffen sind – d.h. vor allem von Psychoseerfahrenen, aber auch von professionell Tätigen, von Selbsthilfegruppen etc.

Das Buch ist in drei Teile untergliedert: Im ersten Teil erzählen Betroffene von ihren Psychosen und von ihren individuellen Wegen aus der Psychose. Der zweite Teil dreht sich um konkrete Hilfe, z.B. Selbsthilfe, aber auch Unterstützung durch andere. Der dritte Teil befasst sich schließlich mit konkreten Anregungen von Psychoseerfahrenen für andere Betroffene.

Bevor die Stimmen wiederkommen zeigt, wie unterschiedlich Psychosen sind, wie unterschiedlich sie verstanden und bewältigt werden können. Dabei sprechen die Autoren eine Vielzahl von Themen und Aspekten an, befassen sich z.B. mit dem Umgang mit Stress, auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren, Frühwarnzeichen, Einsatz von Medikamenten, Psychiatrischem Testament, Behandlungsvereinbarung, Krisenpass, Kommunikation mit anderen, Symbolcharakter einer Psychose, postpsychotischer Depression, Betreuung, Selbst-Checker-AG, Selbstmanagement, Selbsthilfegruppen und Psychoseseminaren.

Die Mischung aus persönlichen Erfahrungen und Informationen aus Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Forschung zum Thema empfand ich als lehrreich und ausgewogen, so dass hier jeder die für ihn/sie relevante und essentielle Information finden kann. Zudem werden nicht nur Ängste und Sorgen, das Ändern von Lebenswegen, Krisen und Probleme, sondern auch positive Seiten einer Psychose angesprochen.

Das Buch wendet sich laut der Autoren primär an Betroffene, die Erfahrungen mit Stimmenhören haben und die selbstbestimmt und aktiv daran arbeiten möchten, dass kein Rückfall mehr eintritt. Ich finde das Buch aber auch wichtig und hilfreich für Angehörige und für Professionelle, die versuchen wollen, sich besser in die Lebens- und Erlebenswelt von Menschen mit Psychoseerfahrung einzudenken und einzufühlen und/oder die gerne eine Buchempfehlung für Betroffene parat haben möchten. Mir hat das Buch neue Einblicke in ein Thema verschafft, das ich bereits gut kenne, bei dem ich aber sehr gerne dazulerne.

Andreas Knuf und Anke Gartelmann (Hrsg.): Bevor die Stimmen wiederkommen. Vorsorge und Selbsthilfe bei psychotischen Krisen. BALANCE Buch + Medien Verlag, 2020, 240 Seiten; 17 Euro.

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