König der Hobos von Fredy Gareis

„Das ist das letzte waschechte amerikanische Abenteuer.“ (Seite 12)

Fredy Gareis wollte ein Amerika erkunden, von dem Herman Melville, Mark Twain und Jack London erzählten, ein Land der Freiheit, anders als das Land, von dem wir derzeit in den Nachrichten hören und lesen.

Aus diesem Grunde reiste er nach Britt, Iowa, wo sich seit 116 Jahren einmal im Jahr die Außenseiter der amerikanischen Gesellschaft treffen, um den König und die Königin der Hobos zu krönen.

Gareis schloss sich schließlich den Hobos an und erzählt in seinem Buch von „einer Schattenwelt der Obdachlosen, die auf den Gleisen unterwegs sind und auf den amerikanischen Traum pfeifen“ (Seite 14).

Gareis berichtet in seinem dritten Buch sowohl von der Geschichte der Hobos im Allgemeinen als auch von der Lebensgeschichte einzelner Hobos, die er auf seiner Tour getroffen hat und mit denen er in Zügen quer durchs Land unterwegs war. Dadurch gewährt er Einblicke in eine Welt, die mir bislang verschlossen war, doch dennoch haben mich seine Schilderungen nicht überrascht und mir nicht wirklich neues Wissen vermittelt.

Die Hobos, die er im Buch beschreibt, sind wirklich großartig charakterisiert, so dass man sie sich auch ohne die Bilder im Mittelteil des Buches perfekt vorstellen könnte. Auch die Schilderungen der Abläufe und der Handlungsorte haben mir gefallen, da mich Gareis so mitgenommen hat in die unendliche Weite des Landes und das Leben der Hobos.

Nichtsdestotrotz empfand ich König der Hobos als deutlich weniger gelungen als die ersten beiden Bücher des Autors (Tel Aviv – Berlin und 100 Gramm Wodka), in denen Gareis neben persönlichen Erlebnissen auch viele Informationen zu Land und Leuten einfließen ließ. Im aktuellen Buch sind diese Einblicke in meinen Augen sehr limitiert und – wie oben bereits angemerkt – wenig überraschend, auch wenn man sich (wie ich) noch nie mit dem Thema Hobos beschäftigt hat. So werden schlimme Kindheiten, Alkohol, Drogen, aber auch Freundschaften und Unterstützung erwähnt, aber alles wird nur angedeutet, der Autor kratzt lediglich an der Oberfläche.

Für mich klingt Gareis‘ Reise nach einem echten Abenteuer und einem mutigen Experiment (obgleich es nichts für mich wäre), aber ein Buch darüber zu schreiben, fand ich weniger geeignet, weil mir die Vielseitigkeit und die Tiefe gefehlt haben.

Fredy Gareis: König der Hobos. Unterwegs mit den Vagabunden Amerikas. Malik, 2018, 256 Seiten; 16 Euro.

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