Ein erhabenes Königreich von Yaa Gyasi

„Wenn es uns in vielen, vielen Jahren möglich sein wird, die Teile des Gehirns zu identifizieren und zu isolieren, die bei diesen Krankheiten betroffen sind, wenn es uns möglich sein wird, die notwendigen Hürden zu überspringen, um die Forschung auch für andere Tiere als Mäuse nutzbar zu machen, könnten dann diese Ergebnisse auf Menschen übertragen werden, die sie am nötigsten haben?
Könnten sie einen Bruder dazu bringen, die Nadel wegzulegen? Könnten sie eine Mutter aus dem Bett holen?“
(Seite 54)

Gifty promoviert in Kalifornien im Bereich der Neurowissenschaften. Ihre Leidenschaft gehört ihren Mäusen und der Arbeit am Belohnungssystem, all ihre Kraft und Energie investiert sie in ihre Forschungstätigkeit, von anderen Menschen hält sie sich meist fern oder bleibt verschlossen.

Als Giftys Mutter zum wiederholten Male eine depressive Episode entwickelt, holt Gifty ihre Mutter zu sich.

In Ein erhabenes Königreich seziert Yaa Gyasi die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, erläutert die Rolle von Giftys Vater, der seine Familie schon vor Jahren zurückgelassen hat, um wieder in seiner Heimat Ghana zu leben, und von Giftys Bruder Nana, der sechzehnjährig an einer Überdosis Heroin starb. Gyasi erzählt von Giftys früher Prägung, ihren wichtigen Momenten in der Kindheit und Jugend, von ihrer Leidenschaft für die Wissenschaft und ihren Versuchen, Sucht und Depression verstehen zu können.

Gyasis Debütroman Heimkehren war eines meiner Lieblingsbücher 2017, und in ihrem aktuellen Roman Ein erhabenes Königreich geht es zwar um ein ganz anderes Thema als in Heimkehren, aber meiner Meinung nach ist es Gyasi wieder wunderbar gelungen, eine packende, überzeugende und wichtige Geschichte zu erzählen.

Mir hat der Roman von Anfang an gefallen, doch nach der Hälfte habe ich ihn komplett am Stück gelesen, da Gyasi hier sehr viel Spannung aufbaut und vor allem durch die Geschichte Nanas und seiner Drogenabhängigkeit einen starken Sog auf den Leser ausübt.

Ich empfand Ein erhabenes Königreich als ebenso tragisch wie glaubwürdig, als sehr berührend, ohne pathetisch zu sein. Der Roman zeigt zudem eindrucksvoll, wie tragische Ereignisse zu einem starken Motor für unser weiteres Leben werden können, uns antreiben und prägen, uns Kraft verleihen und motivieren.

Yaa Gyasi: Ein erhabenes Königreich. Aus dem Englischen von Anette Grube. DuMont Buchverlag, 2021, 304 Seiten; 22 Euro.

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