Sterben im Sommer von Zsuzsa Bánk (Hörbuch)

„weil man nie weiß, was schlimmer ist, das Warten oder aber das Ende des Wartens.“ (CD 2, Track 17)

Die Autorin fährt mit ihrem kranken Vater in seine alte Heimat Ungarn, damit er ein letztes Mal am Balaton sein, den Sommer spüren, alten Gewohnheiten nachgehen kann. Doch kaum sind sie in Ungarn, geht es ihm schlechter, er bekommt Fieber, muss ins Krankenhaus.

Sie spielt ihm Zuversicht vor, doch ihre Hoffnung auf Besserung schwindet von Tag zu Tag.

In Sterben im Sommer erzählt Zsuzsa Bánk vom Leben ihres Vaters, von den Stationen seiner Krankheit, vom Sterbeprozess, vom Abschiednehmen, von der Trauer und ihrem Leben ohne ihren Vater.

Sterben im Sommer war meine erste Begegnung mit Bánk, obwohl ich schon seit Jahren mehrere Bücher der Autorin im Regal stehen habe. Mich hat der klare, schnörkellose und unaufgeregte, aber anspruchsvolle Schreibstil der Autorin sofort begeistert, und nun freue ich mich auf weitere Bücher der Autorin.

Sterben im Sommer versetzt den Hörer sofort nach Ungarn, wozu auch die wundervolle Lesung von Lisa Wagner beiträgt.

Bánk gelingt es neben diesen stimmungsvollen Schilderungen der Heimat ihres Vaters zudem perfekt, das zu beschreiben und abzubilden, was man beim Abschiednehmen von sterbenden Menschen und beim Trauerprozess nach dem Tod denkt und fühlt. Bánk hat mich durch diese einfühlsamen, sehr persönlichen Beobachtungen und Betrachtungen sehr bewegt und viele Erinnerungen an eigene Verluste und ans Begleiten mir nahestehender Personen in den Tod angestoßen. Mit ihren Schilderungen trifft Bánk immer ins Schwarze, spricht genau die Punkte an, die einem bei einem solchen Ereignis in den Kopf kommen, die einem in diesen Momenten relevant und wichtig erscheinen, die man genau dann denkt und fühlt.

Mich hat das Hörbuch von der ersten bis zur letzten Minute beeindruckt, begeistert, berührt, traurig und nachdenklich gemacht, aber irgendwie auch hoffnungsvoll gestimmt.

Zsuzsa Bánk: Sterben im Sommer. Ungekürzte Lesung von Lisa Wagner. Audiobuch Verlag, 2020; 21,95 Euro.

Dieser Post ist Teil des Vergänglichkeit-Monatsthemas im November 2020.

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