Umlaufbahnen von Samantha Harvey

„Eine außerirdische Zivilisation würde sich das Ganze wahrscheinlich anschauen und fragen: Was machen die hier? Warum fahren die immer nur im Kreis?“ (Seite 10)

Sechs Personen befinden sich in einem Raumschiff – zwei Frauen und vier Männer. Sie kommen aus Amerika, aus Japan, aus Großbritannien, aus Italien und Russland, sind unterwegs mit 28.000 Kilometern pro Stunde und sind insgesamt neun Monate im All.

Während sie die Erde immer wieder umkreisen, erfahren wir von ihrem Leben, ihren Träumen und Krisen, von Sehnsüchten und Problemen. Und wir lesen davon, wie der Mensch seine Lebensgrundlage zerstört und nichts aus seinen Fehlern lernt.

Kosmonautin war mein Berufswunsch als Kind, und hier in diesem Roman war ich mit dabei im Raumschiff, habe den Alltag im All kennengelernt und die Berichte der Erdumkreisungen mit Spannung verfolgt.

Dieser Roman steckt voller wundervoller Gedanken, Beschreibungen, die ins Schwarze treffen, und bietet eine ganz andere Perspektive aufs Leben, auf das All, auf das Reisen ins All etc.:

„Hier oben ist angenehm ein befremdliches Wort. Brutal ist das Leben hier, unmenschlich, überwältigend, einsam, außergewöhnlich und großartig. Nicht eine einzige Sache ist angenehm.“ (Seite 33).

„Sie denken viel darüber nach, wie es möglich sein kann, so schnell zu reisen und doch nirgendwo anzukommen.“ (Seite 33)

Ich empfand diesen Roman als extrem gelungen und sehr besonders. Er ist in anspruchsvoller Sprache geschrieben, man findet sich hier in einer fremden Welt, die jedoch perfekt vor dem inneren Auge entsteht.

Samantha Harvey schreibt poetisch, schafft es, den Leser vollends zu faszinieren, ist philosophisch und spricht Dinge an, die sowohl bewegend als auch relevant sind.

Dies ist eines meiner Lieblingsbücher 2026, und an diesem Roman hat mir wirklich alles gefallen.

Samantha Harvey: Umlaufbahnen. Aus dem Englischen von Julia Wolf. dtv, 2024, 224 Seiten; 22 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!