Das Ende der Anstalt. Theorie und Wirklichkeit des Wandels in der Psychiatrie von Asmus Finzen

„Die Veränderungen unseres Krankenhauses gehen über die Vorstellungskraft desjenigen hinaus, der sie nicht mitvollzogen hat. Das ist nicht so, weil die psychiatrische Krankenhauswelt heute in Ordnung ist. Es ist deshalb so, weil die Bedingungen, unter denen die psychisch Kranken vor einem Jahrzehnt noch weithin leben mußten, heute nicht mehr faßbar sind.“ (Seite 66, Asmus Finzen, 1978/1980/1985)

Bei Das Ende der Anstalt‘handelt es sich um einen unveränderten Nachdruck der Ausgabe von 1985. Asmus Finzen erzählt hier von dem Wandel, der sich durch die Psychiatrie-Enquête in den 1970er Jahren vollzogen hat: von der reinen Verwahrpsychiatrie zur therapeutischen und rehabilitativ orientierten Psychiatrie.

Finzen berichtet von der Behandelbarkeit psychischer Erkrankungen (Status zur Mitte der 1980er Jahre!), von den Zuständen in den Anstalten vor der Enquête, von der Durchführung und den Folgen der Enquête sowie von den weitreichenden Änderungen, mit denen die Reform einherging.

Am Beispiel des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Wunstorf, an dem Finzen ab Mitte der 1970er Jahre als ärztlicher Leiter wirkte, beschreibt er die oben erwähnten Entwicklungen und Änderungen. Durch diese persönlichen Erfahrungen und die beispielhaften Erklärungen und Beschreibungen gelingt es Finzen, das wichtige Thema der Psychiatie-Enquête lebendig und spannend zu bearbeiten.

Finzen ermöglicht es dem Leser, mit seinem Buch eine Art Zeitreise zu unternehmen, die Verwahrpsychiatrie mit ihren unmenschlichen und nahezu unvorstellbaren Zuständen kennenzulernen. Damit ist das Buch (zusammen mit Büchern wie Irrenhäuser, Psychiatrie in der DDR und Wahn und Sinn) ein wichtiges Zeitdokument.

Neben einem Blick in die Vergangenheit ermöglicht Finzens Buch aber auch eine Vorstellung davon, was alles verändert werden kann, wenn man dies wirklich möchte, gut plant und ernsthaft umsetzt. Das Buch ist für mich somit auch ein Hoffnungsfunke für die Zukunft der Psychiatrie und für die Reformen, die ich mir so sehr wünsche, die von Behandlern wie Finzen, Stefan Weinmann (Die Vermessung der Psychiatrie) und Thomas Bock bereits angestoßen wurden und die so wichtig für eine humane Psychiatrie sind.

„Aber räumliche Pferchung, schlechte sanitäre Verhältnisse, ungünstiger Personalschlüssel sind nur einige der Faktoren, die ein menschenunwürdiges Klima in einer psychiatrischen Anstalt bedingen. Konstituierende Elemente der Menschenwürde in einer solchen Institution sind die Freiheit von unnötigem Zwang, von unnötiger Fremdbestimmung der Patientenbedürfnisse und die Gewährung eines möglichst großen Entfaltungsspielraums für den einzelnen Patienten.“ (Seite 59)

Asmus Finzen: Das Ende der Anstalt. Theorie und Wirklichkeit des Wandels in der Psychiatrie. Reprint der Ausgabe von 1985. Psychiatrie Verlag, 2014. 160 Seiten; 25 Euro.

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